JCVD
Inhalt
The Muscles from Brussels are back!2008, Brüssel. Jean-Claude hat gerade in L.A. ein anstrengendes, kostspieliges Sorgerechtsverfahren um seine Tochter hinter sich gebracht, steigt von der Reise gebeutelt und de facto pleite aus dem Flieger, soll aber noch am selben Tag fristgerecht eine stattliche Summe an seinen Anwalt überweisen. Als er kurz vor Geschäftsschluss eine Bank betritt, gerät er unversehens in einen Überfall und wird als Geisel genommen. Einer der Räuber entpuppt sich als begeisterter Van Damme-Fan und überredet den Schauspieler, der ja schließlich Profi in solchen Situationen ist, in ihrem Auftrag mit den Cops zu verhandeln. Für die Polizei stellt sich die Situation daraufhin wie folgt dar: Der bekanntermaßen in Geldnöten steckende Star betritt eine Bank, nimmt eine Handvoll Geiseln, um so einen Batzen Euros zu erpressen. Der leitende Commissaire - natürlich auch ein Fan - ist tief betrübt über Jean-Claudes offensichtlich verzweifelte Lage. Während der Schauspieler hinter verbarrikadierten Türen Autogramme schreiben und Karatekniffe vorführen muss, beginnen sich draußen Scharen von Schaulustigen mit Parolen à la „Befreit Jean-Claude!" bei Laune zu halten. Doch die Situation wird zunehmend ernster für alle Beteiligten.
Kritik
The Muscles from Brussels are back... heißt es einleitend zu dieser Kritik des neuen Films mit Jean-Claude Van Damme. Und gleich muss man wieder ein wenig zurück rudern. Nicht, dass sich eingefleischte Van Damme-Fans, die hier einen Actionstreifen in alter Tradition erwarten, auf den Schlips getreten und schwach informiert fühlen. Also, aus diesem Grunde gleich eines vorweg: solch einen Van Damme-Film hat es bislang noch nicht gegeben. Und was so besonders an JCVD ist, soll in der Kritik deutlich werden.Ok, der Film beginnt wie ein Actionfilm - augenscheinlich, auch wenn sich hinter der Szene, die übrigens in Childen of Men-Manier ohne Schnitte auskommt, eine etwas andere Aussage befindet als das an der Oberfläche dargestellte Kämpfen. Die Szene führt den Protagonisten ein, könnte man sagen, und der ist natürlich, der Titel verrät es ja schon, Jean-Claude Van Damme. Dargestellt wird er als alternder Action-Opa, der nicht mehr wirklich in der Lage ist, eine solche von Ausdauer und Konzentration geprägte Szene zu drehen. Und schon sind wir angekommen im Leben von JCVD, denn darum geht es in dem Film, der kein Biopic ist, sondern eine fiktive Geschichte, in die der Mensch Jean-Claude Van Damme, gespielt von sich selbst, involviert ist. Sein Leben nimmt an diesem Film in Form von ausgewählten Tiefpunkten wie beispielsweise das Thema Drogenkonsum und primär dem Sorgerechtsstreit um seine Tochter teil.
Im Film befindet sich Van Damme in keiner vorzeigbaren Situation, was sich gut in dem Ausbruch in der Bank zeigt, als er partout kein Geld von der Servicedame erhält. Er befindet sich in finanziellen Nöten, der Sorgerechtskampf zerrt an den väterlichen Nerven und zu alledem hat ihm Steven Seagal auch noch eine Rolle weggeschnappt - welch ein Tiefschlag. Da passt es rein medial doch gut zusammen, dass der (ehemalige) Filmstar jetzt scheinbar eine Bank ausraubt. Und schnell sind die Medien auch zur Stelle, aber neben der Presse auch etliche Fans, die Van Damme gegenüber ihre Anerkennung kund tun und lautstark dessen Namen rufen. Das ist auch das grobe Szenario des Films: das Draußen und Drinnen während des Banküberfalls.
Es wird schnell klar, dass es sich bei dem Film um spezielle Kost handelt, die einem nicht alltäglich serviert wird. Das zeigt auch schon irgendwie das Poster, denn der Blick der Hauptfigur spricht Bände: er wirkt angeschlagen, nicht wie ein Actionstar, nicht wie ein Held... es ist der wahrheitsgetreuere Blick auf und von dem Menschen Jean-Claude Van Damme, abseits des großen Starrummels, was auch wunderbar mit der Tatsache einher geht, dass ihm seine Kampfkünste in einer realen Situation wie die im Film nicht allzu sehr helfen... das zeigt auch auch die Szene gegen Ende des Films, diese kurze Traumsequenz wie es wohl in einem seiner Actionfilme ausgesehen hätte, nicht aber im wahren Leben des Jean-Claude Van Damme, in dem die persönlichen Probleme längst den vergänglichen Status eines Actionfilmhelden überholt haben. Ein Status, der früher noch präsenter war, auch in der Gedankenwelt von Jean-Claude Van Damme selbst.
Kritiker mögen eventuell sagen, dass der Film der übliche Versuch ist, ein Image rein zu waschen und selbst, wenn dieser Effekt erzeugt wird, glaube ich nicht, dass es primär darum ging. Dafür steht eine Szene im Film, die mir selbst beim Schreiben dieser Zeilen noch eine Gänsehaut verursacht: ein Monolog von Jean-Claude Van Damme, der nicht allzu einstudiert und daher wenig unrealistisch wirkt, der erneut ohne einen Schnitt gedreht wurde, was die Tränen des Protagonisten ehrlich erscheinen lassen. Wir haben Jean-Claude Van Damme in der Vergangenheit kaum als Schauspieler erlebt und wahr genommen. Aber seine Filme und Rollen haben auch kein darstellerisches Talent voraus gesetzt. Dieser Film schon und es bleibt klar zu resümieren, dass er es doch scheinbar kann. Und dieser Eindruck wird nicht von dem angesprochenen Monolog hinterlassen, denn wenn man auf das Reale in der Szene vertraut, dann handelt es sich ja nicht um Schauspiel. Nein, auch sonst, in den vielen weiteren Szenen, in denen er auftritt, hat man den Eindruck, dass dieser Jean-Claude Van Damme schauspielert.
Zur Technik und Kamera in JCVD: mit einem Wort... beeindruckend. Und zwar den gesamten Film über: da gibt es außergewöhnliche Kamerafahrten, mehrere Szenen ohne Cuts, die Kamera fliegt durch die Räume als wäre sie wirklich ein schwebendes Auge mit der Fähigkeit, Bilder festzuhalten. Es ist wirklich klasse, was einem hier technisch geboten wird und zunächst einmal mehr als überraschend, denn -mal ehrlich- wer hätte das bei einem so kleinen belgischen Film erwartet?
Hinzu kommen einige interesante und lustige Querverweise auf beispielsweise John Woo oder eben Steven Seagal.
Fazit: es ist nicht leicht, einem solchen Film eine Bewertung zu geben, denn entweder funktioniert ein solcher Film oder er funktioniert eben nicht. Daher kommt es hier nicht allzu sehr auf die vergebenen Sterne an.
Der Film ist besonders und sollte daher auch unter besonderer Beurteilung kritisiert werden. Es wäre möglich gewesen, dass ein solches Projekt kitschig wirkt und eben doch nach "Image-Reinwaschen" schreit, aber diesen Weg hat JCVD nicht genommen. Das Vorhaben ist demnach gelungen, den Menschen Jean-Claude Van Damme mit Hilfe einer fiktiven Geschichte aus der Hülle des Actionstars zu pellen und die wichtigen Dinge in seinem Leben zu zeigen... der rote Faden, der aus dem Sorgerechtsstreit um seine Tochter besteht, sowie das Ende des Films stellen dann auch deutlich klar, was beziehungsweise wer im Leben von Jean-Claude Van Damme am wichtigsten ist.
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Regisseur
Schauspieler
Jean-Claude Van Damme, François Damiens, Karim Belkhadra, Zinedine Soualem, François Beukelaers, Jean-François Wolff, Anne Paulicevich



Guildo / 14.08.2008 15:14:15
Cool das der auf´m Fantasy Film Fest läuft.Hab den Trailer vor ner gaaanzen Weile gesehen und fand den echt cool.Wollte den mir auf jedenfall mal auf DVD geben aber wenn er noch den Weg in´s Kino schafft,dann geh ich natürlich gerne ins Kino.Wer war früher kein Jean-Claude Van Damme Fan?Also ich nach Karate Tiger 1...und 2... :)
Aber diesmal sieht man den "wahren" Van Damme,wie auch schon in der Kritik ausführlich erläutert,kein Actionheld sondern ein ganz normaler Mensch.
Freu mich auf den Streifen,danke für die Kritik!
nicht bewertet
siBBe / 14.08.2008 15:16:37
Fand den Film sehr cool, vor allem Van Damme nach so langer Zeit mal wieder zu sehen - und das dann auch gleich im Kino wieder. Sehr lustiger FIlm der sich selbst nicht ernst nimmt, technisch sehr gut gedreht und wer hätte es gedacht, Van Damme kann sogar schauspielern
4 Sternen
mye / 14.08.2008 15:35:47
freut mich Guildo, dass die kritik deine lust an dem film noch weiter unterstützt :)
5 Sternen
Jigsaw / 20.08.2008 18:38:47
Also nach unzähligen Direct to DVD Billigproducktionen wäre es van Damme mal zu wünschen das er mal wieder nen richtigen Treffer landet.
nicht bewertet
Oldboy / 18.11.2008 07:15:35
Guter Film.Bravo van Damme,hätte ich nicht gedacht.Tip.
4 Sternen