Factory Girl
Inhalt
Stilikone, Femme Fatale & Andy Warhols Muse.Aus dem beschaulichen Cambridge kommt Edie (Sienna Miller) in das New York der 60er. Dort trifft sie auf Andy Warhol (Guy Pearce). Edies Charisma, gepaart mit ihrer Verletzlichkeit, lässt sie zu Warhols Muse aufsteigen. Sie lebt in der rauschenden Welt der Factory. Warhol verwandelt die stillgelegte Hutfabrik in einen Ort, der als Sinnbild der 60er gilt. Kunst, Drogen und freie Liebe prägen den Alltag der New Yorker Künstlerszene, und mittendrin ist Edie, die zum Gesicht der Gegenkultur aufsteigt. Scheinbar an der Spitze angelangt verliebt sie sich in einen mythenumwobenen Rockstar (Hayden Christensen). Gefangen zwischen Warhols Welt und ihrer neuen Liebe findet sie sich letztendlich im Stich gelassen von beiden. Auf sich allein gestellt versucht sie in der modernen Welt zu bestehen. Doch ihre Vergangenheit lässt sie nicht los...
Kritik
Das It-Girl gehört einer neuen, (r)evolutionären Menschen-Species an: Es wird in der medialen Welt geboren und stirbt auch wieder in ihr. Existiert das It-Girl in real life? Klar, aber da ist es wohl so langweilig wie viele andre girls auch. Denn es kann nichts Besonderes, macht nichts Besonderes, hat vielleicht was Besonderes (Geld und/oder einen bekannten Namen) so wie Paris Hilton oder neuerdings Sophie Auster, die Tochter des berühmten Schriftstellers Paul Auster. Das It-Girl entfaltet also erst im gleißenden Licht der Kameras sein gewisses Etwas, aber was ist das Etwas eigentlich? Und: Wer will es wissen? (außer den girls, die it-girls werden wollen). It-Girls zu ergründen oder gar ihre Lebensgeschichte zu erzählen, gehört wohl zu den entbehrlichen Dingen des Lebens. Außer: Die Um-oder Zustände des It-Girls sind entsprechend spektakulär und die Superlative zahlreich, dann kann man dem It-Girl auch ein filmisches Denkmal setzen, wie es der amerikanische Regisseur George Hickenlooper ("Mayor of The Sunset Strip") in seinem Film "Factory Girl" für das erste It-Girl der Popgeschichte, Edie Sedgwick, getan hat.Edie´s Story wäre nur ein weiteres, düsteres Kapitel in der Chronik einer steinreichen, psychotischen Familie aus Massachusetts geblieben oder hätte allenfalls einem Schicksalsroman mit der Überschrift "Aufstieg und Fall eines reichen armen Mädchens" als Vorlage dienen können, wenn sich die Tragik dieses jungen Lebens nicht an einem besonderen Ort und mit einem besonderen Mann erfüllt hätte: Edie war Andy Warhol´s Muse in den wilden 1960er Jahren in New York, in der wilden factory, dem ebenso sündigen wie inspirierenden Ort des exzentrischen King of Pop-Art.
Dieses Biopic (deutscher Filmstart zum 80..Geburtstag Warhols am 6.August) ist eine unerträgliche Aneinanderreihung von Klischees höhnte die Kritik fast unisono über die filmische Konzeption des Regisseurs Hickenlooper, der sich gerne als Bruder im Geiste von Warhol bezeichnet ("Er und ich teilen die Faszination für Gesichter") oder auch mal klassische Filmgeister wie Truffaut beschwört zur Interpretation seiner Filme.
Aber: Produziert nicht das Leben selbst die peinlichsten Klischees, den allergrößten Kitsch? Genau dies war der Fall in jener denkwürdigen Episode zweifelhafter Zweisamkeit, die längst Kunst-und Popgeschichte geschrieben hat. Klischee Nr.1: Das schöne Mädchen Edie (Sienna Miller) trifft auf den von Schönheit faszinierten (nicht unbedingt erotisierten) Künstler Andy Warhol (Guy Pearce). Klischee Nr.2: Altes Geld (Edie: "Mein Großvater erfand den Elevator!") trifft auf Ambitioniert-Neureich - Zitat Edie: "Andy Warhol war berauscht von der Welt, aus der ich kam und der ich doch entfliehen wollte". Klischee Nr.3: Ein armes, reiches Ding, krank an Leib und Seele, ungeliebt, herumgestoßen, einsam, ist fasziniert von einem selbstverliebten, egozentrischen, egoistischen, nur seiner Kunst treuen Typen - kann das gutgehen? Natürlich nicht.
Das weiß der Zuschauer schon in der ersten Szene dieser unheilvollen Begegnung: Das fragile Mädchen in seiner fast ätherischen Schönheit lächelt einer Maske zu-Warhol alias Guy Pearce, der den dämonischen Pop-Artist mit blonder Perücke in einer blendenden Parodie darstellt, die fast zum Lachen wäre, wenn diese Kunst-Figur nicht durch ihren beispiellosen Zynismus die Gefährtin Edie zur Verzweiflung gebracht hätte. Sienna Miller spielt Edie-ist Edie. (Hat´s was geholfen, daß auch Miller einstmals als It-Girl gehandelt wurde, während ihrer Verlobungszeit mit Jude Law?). Hilfreich vielleicht, bestimmt hilfreich die Tatsache, daß Siennas Mom einer Lee Strasberg Schauspielschule vorsteht.
Sienna Miller jedenfalls hat als Edie eine reife Leistung als Schauspielerin abgeliefert. Man mag es overacting nennen - aber Sienna Miller bringt glaubhaft die Tragik von Edie Sedgwick auf die Leinwand. Anrührende, bewegende Bilder: Edie als erster Superstar der Warhol-Factory, Edie als inspirierende, geistreiche Muse eines Künstlers, Edie als glückliche Freundin eines Rockstars, Edie am Ende als bemitleidenswertes, drogenzerstörtes Häufchen Elend.
Edie´s Geschichte war die uralte Geschichte eines Menschen auf der Suche nach Anerkennung und Liebe; daß diese Suche an einem Ort, zu einer Zeit und mit Menschen stattfand, die nicht unbedingt zur Erlangung des Seelenheils prädestiniert waren, war die ganze Tragik eines kurzen heftigen Lebens - Edie starb an einer Überdosis mit 28 Jahren. Sehr schnell wird klar, daß alle ihre Beziehungen, ihre Freundschaft zu Warhol, ihre Liebe zu einem Rockstar, nur im Unglück enden werden. Dieser (namenlose) Rockstar läßt jeden Zuschauer natürlich gleich an Bob Dylan denken; tatsächlich hat Mr.Dylan flugs eine Klage angestrengt gegen die Filmverantwortlichen, da der Film ihm eine Mitschuld an Edie´s Selbstmord suggeriere. (Das Verfahren führte sogar in den USA zu einer Verzögerung des Filmstarts).
Man mag dem Film die (legitimen)Klischees durchgehen lassen-immerhin waren sie ja vom wahren Leben vorgegeben. Aber daß Regisseur Hickenlooper mit seiner Kamera durch die berühmte Warhol factory wie einer von Warhols dilletierenden, oberflächlichen Super-8-Filmern fegt, ist unverzeihlich. Denn die factory war mehr als ein Ort von Sexspielen, Drogenparties oder lasziv und faul herumhängenden Möchte-gern-Künstlern. Es war auch ein Ort der Kunst, an dem ernsthaft gearbeitet wurde.Warhol war nicht nur das Beziehungsmonster, der Voyeur, der Exhibitionist,der geschickte PR-Stratege wie es der Film glauben macht, sondern ein hart arbeitender Künstler: "Er war ein Workaholic und zwang alle,die mit ihm arbeiteten,wie er 24 Stunden am Tag zu arbeiten." So erinnert sich ein ehemaliger Warhol-Mitstreiter der Andy Warhol Foundation in New York, die den (noch immer heißbegehrten) Nachlaß des Pop-Künstlers verwaltet. Andy Warhol Superstar, forever, auch jetzt noch,20 Jahre nach seinem Tod.
Im Film gibt es einen aufschlußreichen Dialog:
Andy Warhol: "I wonder if people are going to remember us"?
Edie Sedgwick:"I think people will talk about how you changed the world".
Warhol: I wonder what they´ll say about you...beautiful artist and actress....remembered for setting the world on fire..."
Edie, das arme reiche Ding, hat nicht die Welt in Flammen gesetzt, aber auch sie inspiriert, bis heute. Gerade hat das it-ste It-Girl des Internets, die Kalifornierin Cory Kennedy, Edie und deren Welt für sich entdeckt: Die 17 Jährige ist der Star eines Style-Imperium namens Cobrasnake und ihr Warhol heißt schlicht Hunter. An Cleverness und in Talent zur Selbstvermarktung steht er Warhol anscheinend in nichts nach.
So wirken Edie und Andy bis in unsere Tage... woran beide wohl im Ernst nicht geglaubt hatten. Warhols Promibilder-Übermalereien und seine kunststilisierten Alltagsobjekte erzielen heutzutage Spitzenpreise-noch vor kurzem ging ein Mao Porträt für über 13 Millionen Euro über den Auktionstresen.Bei diesen Summen hätte Warhol es inzwischen nicht mehr nötig gehabt,sich von altem Geld berauschen zu lassen.
Fazit: Ein Film der trotz einiger Unzulänglichkeiten die vibrierende Atmosphäre einer einzigartigen Epoche von wilder Freiheit, Kunstbesessenheit, und grenzenloses Lebenslust einfängt. Ein Film aber auch, der am Beispiel des ersten It-Girls der Popgeschichte die Schattenseiten der roaring sixties im Kunstmekka New York schonungslos aufdeckt-in bewegenden Bildern. Die Statements der Zeitzeugen über Edie im Abspann des Films verstärken das beklemmende Bild einer tragisch gescheiterten Existenz. Diese dramatische Lebensgeschichte eines It-Girls kann man allemal erzählen.
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Regisseur
Schauspieler
Sienna Miller, Guy Pearce, Hayden Christensen, Jimmy Fallon, Jack Huston, Armin Amiri, Tara Summers, Mena Suvari, Shawn Hatosy, Beth Grant, James Naughton, Edward Herrmann, Illeana Douglas, Mary Elizabeth Winstead, Don Novello, Mary-Kate Olsen, Grant James, Richard Folmer, Tarajia Morrell, Charles Ferrara, Johnny Whitworth, Brian Bell, Patrick Wilson, Michael Stephens, Samantha Maloney, Meredith Ostrom, Jeff Galpin, Robert Lasko, Richard Lasko, Deneen Tyler, Renee Vincent, Thomas Faustin, Kevin Lyons, Peggy Walton-Walker, Will Carter, Colleen Camp, Tommy Perna, Alexi Wasser, Marian Faddis, Brandon Olive, Joel Michaely, Trace Cheramie, Tim Soergel, Stephen Cox, Kent Jude Bernard, Jon E. Edwards, Trisha Meaney, Michael Hughes, Madeleine Poirrier, Michael Post, Brendan Faddis, Peter Barnes, Heather Bloom, Morris Bart, Jim Coope, Georgina Chapman, Jonathan Sedgwick, Sam Green, George Plimpton, Gerard Malanga, Nat Finkelstein, Richie Berlin, Hunter Gorman Monroe


