Verfasst von Sebastian Stumbek am 12.11.08 18:16:00 - 13 Kommentare

Der Mann, der niemals lebte

Body of Lies

Moviereporter-Bewertung:
  • 5.0/6 Sterne.
Leserwertung (27): 4.07 / 6

Land USA

Genre Drama

Laufzeit: 128

Jahr 2008

Webseite
Trailer

Kinostart: 20.11.2008
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  • Der Mann, der niemals lebte (Body of Lies)
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Inhalt

Der neue Film von Ridley Scott.

Roger Ferris (Leonardo DiCaprio) ist der beste Mann des US-Geheimdienstes: Er bewährt sich in Situationen, in denen das Leben eines Menschen nicht mehr wert ist als die Information, die man aus ihm herausholt. Bei seinen weltweiten Einsätzen im Spannungsfeld zwischen dem Nahen Osten und Washington hängt Ferris' Leben oft von der Stimme am anderen Ende einer abhörsicheren Telefonverbindung ab: Sie gehört dem mit allen Wassern gewaschenen CIA-Agenten Ed Hoffman (Russell Crowe).
Hoffman führt seinen Krieg per Laptop im Wohnzimmer eines Einfamilienhauses: Er jagt eine neue Leitfigur der Terrorszene, die den Erdball mit einem Bombenteppich überzieht und dabei selbst dem ausgeklügelsten Geheimdienst-Network der Welt immer wieder Schnippchen schlägt. Um diesen Terroristen aus der Reserve zu locken, muss Ferris sich in dessen finstere Welt einschleusen. Doch je näher er sich an sein Ziel heranarbeitet, desto deutlicher spürt er: Vertrauen ist ein äußerst gefährlicher Luxus - aber auch seine einzige Chance, diesen Einsatz zu überleben.

Kritik

Ridley Scott ist wohl einer der vielseitigsten und besten Regisseure unserer Zeit. Mit "Blade Runner" definierte er das Sci-Fi-Genre, mit "Alien" setzte er Akzente im Sci-Fi-Horror-Genre, mit "Gladiator" belebte er den Monumentalfilm wieder, mit "Black Hawk Down" zeigte er uns, wie ein Kriegsfilm auszusehen hat und mit seinem letzten Film "American Gangster" lieferte er uns auch einen grandiosen Crime-Movie. Dazwischen gab es noch viele weitere großartige Filme von Scott und dieses Jahr setzt er sein gekonntes Handwerk wieder fort: Mit "Der Mann, der niemals lebte" ("Body of Lies") begibt er sich diesmal ins Polit-Thriller Genre und, was hätte man auch anderes erwarten können, er begeistert auch hier.

Bei "Der Mann der niemals lebte" handelt es sich um eine Buchadaption von David Ignatius. "Die Begleitumstände von Täuschungsmanövern interessieren mich als Autor: Wie funktioniert das, wenn wir unseren Gegnern etwas vormachen", sagt Ignatius. "Ich überlegte mir zunächst, wie man sich in eine Organisation einschleusen könnte, die praktisch undurchdringlich ist. Wenn man schon nicht hineinkommt, könnte man vielleicht so tun, als ob man bereits drin wäre? Das Spionagegeschäft läuft ähnlich wie der Journalismus: Man muss Informanten aufspüren, ihr Vertrauen erwerben und sie dann aus der Reserve locken - sie müssen Einzelheiten preisgeben, die sie zunächst für sich behalten wollten." Für das Drehbuch zeichnet sich William Monahan verantwortlich, der zuletzt mit seiner Drehbuchadaption von "The Departed" den Oscar gewann und davor mit Ridley Scott bereits an "Königreich der Himmel" arbeitete. Die Story ist kein leichter Stoff, doch Monohan scheint mal wieder erstklassige Arbeit geleistet zu haben, denn der Film ist spannend und interessant zugleich. Es handelt sich zwar um eine fiktive Story, der Rahmen der Geschichte hat aber einen realen Bezug und zeigt eindrucksvoll die Vorgehensweise der CIA, wie sie tatsächlich stattfinden könnte/tut. Dabei wird glücklicherweise nichts auf Seiten der USA beschönigt, sondern gezeigt, wie ignorant, arrogant und skrupellos vorgegangen wird. Dies zeigt sich vor allem in einem der Hauptcharaktere wieder, nämlich dem CIA-Agenten Ed Hoffman (Russell Crowe), dem das Wohlergehen anderer völlig gleich ist und für den nur der positive Ausgang einer Mission zählt. Er ist im Gegensatz zu Roger Ferris (Leonardo DiCaprio) der Mann der modernen Schule, operiert vor allem aus den USA, fern vom Geschehen mit Hilfe von Satelliten, für den Verbündete nur solange zählen, wie sie nützlich sind. Ferris dagegen ist der CIA-Agent vor Ort, der es gelernt hat, sich fremden Kulturen anzupassen, deren Sprache zu sprechen und sie zu respektieren. Auch für ihn hat der positive Ausgang der Operation höchste Priorität, so dass auch er zu harten Mittel greift, wenn es denn sein muss, doch er ist ein Mann, der zu seinem Wort steht (zumindest wenn er die Möglichkeit dazu hat) und der die Situation, da er vor Ort ist, weitaus besser beurteilen kann. Beide Männer stehen stets in Kontakt zueinander und arbeiten an der gleichen Operation, doch selbst dabei kommt es zu Differenzen und heimlichen Operationen im Hintergrund, die dem Anderen Steine in den Weg legen. Heraus kommt dabei eine sehr interessante, spannende Geschichte, bei der man nie so recht weiß, wem man trauen kann und wem nicht.

Leonardo DiCaprio ist als einer der derzeit besten Schauspieler Hollywoods mal wieder die Top Besetzung für den Film. Auch in "Der Mann der niemals lebte" gibt er alles und legt eine erstklassige Performance hin, die man hoffentlich bei der nächsten Oscar-Verleihung mit einer Nominierung würdigt. Neben DiCaprio spielt Ridley Scotts' Stammschauspieler mit, Russell Crowe, für den es die bereits vierte Zusammenarbeit (nächstes Jahr mit "Nottingham" wird es sogar die fünfte) mit dem Regisseur darstellt ("Gladiator", "Ein gutes Jahr", "American Gangster" und "Der Mann der niemals lebte"). "Ich arbeite gern mit Ridley", berichtet Russell Crowe. "Bei der Arbeit an 'Gladiator‘ haben wir uns sehr gut kennengelernt. Wir haben die gleiche Arbeitsauffassung und Ästhetik, den gleichen Sinn für Humor - bei diesen drei Gemeinsamkeiten entwickelt sich die Arbeit am Set ausgesprochen locker." Ridley Scott erzählt: "Russell gelingt alles, was er anpackt. Er verwandelt sich in die unterschiedlichsten Figuren, lernt ungewohnte Akzente, verändert sein Aussehen. Das macht die Arbeit mit ihm interessant. Ich halte ihn für einen der besten Schauspieler der Welt."
Leider ist Crowes Rolle ein wenig eingeschränkt, so dass Crowe nicht sein ganzes Potential ausspielen kann. Nicht dass er eine schlechte Leistung abliefert, aber er bleibt, auch wenn er für seine Rolle extra 25 Kilo zunahm, stark im Schatten von DiCaprio zurück, da man ihn meistens nur am Telefon zu sehen bekommt. Neben DiCaprio liefert übrigens auch Mark Strong ("RockNRolla", "Revolver", "Syriana") als Chef des jordanischen Geheimdienstes GID eine wirklich gute Leistung ab - nicht nur das, auch seine Rolle ist sehr interessant gestaltet.

Dass es sich bei "Der Mann der niemals lebte" um einen Ridley Scott Film handelt sieht man sofort. Scott versteht es einfach, seine Filme jedes Mal in wuchtigen Bildern zu präsentieren und sich optisch so stets von der Konkurrenz abzuheben. Auch hier darf man sich auf eindrucksvolle Settings und Umgebungen freuen und bekommt schöne Kameraeinstellungen präsentiert. DiCaprio beschreibt seine Eindrücke vom Set ganz passend: "Ich staunte nicht schlecht, wie er so viele Kameras für die verschiedenen Einstellungen koordiniert und gleichzeitig drehen lässt. In einer Szene gibt es im Hintergrund 20 Explosionen, und irgendwo einen Kilometer weiter sitzt ein Mann auf einem Baum und filmt mich mit dem Zoom, ohne dass ich das überhaupt mitbekomme. Zwei Helikopter warten in Bereitschaft, um über die Szene zu fliegen - Ridley greift einfach zum Walkie-Talkie, und schon sind sie da. Gleichzeitig beobachtet er all die verschiedenen Monitore und schneidet die Szene bereits im Kopf. Ich glaube, er hat eine direkte Verbindung zum Auge des Zuschauers. Deshalb leistet Ridley so hervorragende Arbeit: Er behält immer den Überblick."
Das Ganze wird noch mit einem passenden, sehr gutem Soundtrack von Marc Streitenfeld ("American Gangster", "Ein gutes Jahr") vermischt, der dem Film noch das richtige Feeling verleiht.

Es gab in den letzten Jahren viele gelungene Polit-Thriller wie "Syriana", "Machtlos" oder "Operation Kingdom" - "Der Mann der niemals lebte" erfindet das Genre zwar nicht neu, liefert aber einen verdammt guten Ableger dafür. Schade nur, dass es die Filme immer schwer haben, ein breites Publikum anzusprechen. So spielte "Der Mann, der niemals lebte" trotz großer Namen in den USA leider auch nur knapp 40 Millionen Dollar ein. Mehr verdient hätte er auf jeden Fall.

Fazit: "Der Mann der niemals lebte" ("Body of Lies") ist ein hochspannender Polit-Thriller mit Top Besetzung, den man sich nicht entgehen lassen sollte.


Jetzt kommentieren? / 13 Kommentare

  1. mye

    mye / 12.11.2008 20:22:18

    muss ich mir schnellstmöglich anschauen, leo ist einer der besten darsteller gegenwärtig, kann es nur immer wieder sagen... also, mal schauen, scheint ja ein sehr guter film zu sein, auch wenn ich sogar mit einer noch höheren wertung gerechnet habe :)


    nicht bewertet

  2. crtim

    crtim / 12.11.2008 21:45:06

    Juhu...freu mich schon wieder total auf den Film. Scott produziert einfach die besten Filme!


    nicht bewertet

  3. mye

    mye / 13.11.2008 15:00:02

    er produziert nicht nur (mit) die besten, er dreht sie auch selbst ;-) aber ich denke mal, das meintest du, hehe


    nicht bewertet

  4. crtim

    crtim / 13.11.2008 18:18:43

    Jop...wollte nicht immer das Wort "drehen" verwenden^^


    nicht bewertet

  5. RocketGirl22

    RocketGirl22 / 13.11.2008 20:05:48

    Ich freu mich schon sehr drauf... Caprio hat sich wirklich toll entwickelt!!


    4 Sternen

  6. Steffen

    Steffen / 20.11.2008 07:04:00

    Also ich hab mich selten so gelangweilt im Kino. Als der Abspann begann, war auch ein kollektives "na endlich" aus dem gemurmel der Saalbesucher zu hören.
    Ich fand den Film weder spannend noch unterhaltsam.


    1 Sternen

  7. RocketGirl22

    RocketGirl22 / 20.11.2008 23:01:19

    Oooh echt schade Steffen.. Hatte mich schon gefreut, naja anschauen werd ich ihn mir trotzdem noch..


    4 Sternen

  8. Fairelane

    Fairelane / 09.12.2008 11:24:08

    Weiss gar nicht, was das Geklöne soll. Der Film ist beste Unterhaltung im Agenten-Genre. Mit was für Vorstellungen geht ihr denn auch in eine solche Vorstellung???
    Also mir hat der Film gefallen. Di Caprio hat sich vom Titanic-Schnösel zu einem echten Darsteller gemausert.


    6 Sternen

  9. Kaspian

    Kaspian / 10.12.2008 12:59:12

    Für mich ein typischer Scott, kommt langsam, gegen Ende dann doch recht Spannend. Gut, ich steh auf solche Katz und Mausfilme...aber laaaaaaaaaaaaaange nich sogut wie American Gangster, Scotts bester in den letzten 5 Jahren.


    4 Sternen

  10. ADAMGOLDNIK

    ADAMGOLDNIK / 10.12.2008 13:14:08

    Den würde ich gerne anschauen.
    und ist ne frage:
    Gibts es schon dieser Film:" Der Mann, der niemals lebte auf DVD?


    4 Sternen

  11. RocketGirl22

    RocketGirl22 / 17.12.2008 13:10:35

    Hab den Film vor kurzem gesehen... Also begeistert war ich nicht, obwohl die Story ansich ganz interessant ist. Aber ein bisschen mehr Spannung hatte ich schon erwartet...


    4 Sternen

  12. shifty

    shifty / 17.12.2008 13:26:56

    Boah Adam der Film läuft noch im Kino und du fragst schon wieder nach der DVD? Nein natürlich gibts den noch nicht auf DVD. Aber die Frage kannst du dir doch selber beantworten weil das logisch ist und wenn du dir unsicher bist dann schau einfach mal auf Amazon oder sonstwo und dann siehst dus selbst


    nicht bewertet

  13. SpiderPig

    SpiderPig / 17.12.2008 13:31:47

    Wundert mich jetzt auch, die Frage nach der DVD :S

    :-D


    nicht bewertet


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