Bank Job
The Bank Job
Inhalt
Let Sherlock Holmes try to solve this: Der (Polit-)Thriller "Bank Job" lässt in grandioser Manier die 70er Jahre wieder aufleben.London im Jahr 1971: Der schwarze Revolutionär Michael X (Peter de Jersey) hat die britische Justiz in seiner Hand. In seinem Besitz befinden sich pikante Fotos von Prinzessin Margret beim Liebesspiel in der Karibik - mit zwei Männern. Mit diesem Druckmittel kann sich Michael X (der Name entstand in Anlehnung an Malcolm X) wiederholt der gerechten Strafe für seine kriminellen Machenschaften in Großbritannien entziehen. Als feststeht, dass die Bilder in einem Schließfach in der Filiale der Lloyds Bank in der Baker Street in London lagern, entwirft der Geheimdienst-Mitarbeiter Tim Everett (Richard Lintern) einen Plan: Das am Flughafen mit Drogen aufgegriffene Model Martine Love (Saffron Burrows) soll, um sich vor eine Strafe zu bewahren, alte kleinkriminelle Freunde von einem Einbruch in der Bank überzeugen - und dabei den eigentlichen Zweck natürlich geheim halten. Und so mietet sie mit Terry Leather (Jason Statham) und seinen Kumpanen einen kleinen Laden neben der Bank um wenig später einen Tunnel in den Tresorraum zu graben und eine Vielzahl von Fächern zu knacken und auszuräumen. Dass ihr Funkverkehr zum Wachposten auf dem Dach des gegenüberliegenden Gebäudes abgehört wird erfahren sie erst am nächsten Tag aus der Zeitung. Zu diesem Zeitpunkt ist Terry längst klar, dass es um weit mehr ging als einen unkomplizierten Einbruch. Denn nicht nur Michael X hatte in der Bank ein Schließfach mit delikaten Informationen. Auch der Gangsterboss Vogel (David Suchet) möchte sein Buch mit Schmiergeldzahlungen an Polizisten nicht in der Öffentlichkeit sehen, wobei er natürlich von gewissen Kreisen der Polizei unterstützt wird. Der Geheimdienst will um jeden Preis die Fotos aus dem Besitz von Michael X. Und ein paar Politiker mit speziellen sexuellen Vorlieben versuchen ihre Karriere zu retten. Alles spricht gegen Terry und sein Team, aber mit den diversen Druckmitteln in ihrem Besitz haben sie noch eine letzte Chance: In die Offensive zu gehen...
Kritik
Es ist eine Geschichte, wie sie sich ein Drehbuchautor nicht besser hätte ausdenken können: Am 11. September 1971 gruben sich Diebe in den Tresorraum einer Filiale der Lloyds Bank in der Innenstadt von London. Während des Raubes hielten sie per Walkie-Talkie Kontakt zu einem Wachposten außerhalb der Bank. Diese Gespräche wurden von einem Amateurfunker aufgefangen, der sofort die Polizei informierte. Da die Diebe aber nie den Namen der Bank oder eine andere Örtlichkeit erwähnten, konnte der Ort des Verbrechens nicht ausfindig gemacht werden. Bei mehr als 700 Banken im Umkreis von zwei Meilen des Funkers führte die Polizei Überprüfungen durch - vergeblich. Erst am Montag entdeckten die Mitarbeiter der Bank den Raub - und die Nachricht, die die Diebe im Inneren des Tresors an der Wand hinterlassen hatten: "Let Sherlock Holmes try to solve this", wohl in Anspielung auf die Kurzgeschichte "Die Liga der rothaarigen Gentlemen" von Sir Arthur Conan Doyle die sich um einen ähnlichen Bankraub dreht. Die Diebe hatten bei ihrem Raubzug etwa 300 Schließfächer aufgebrochen und dabei Wertsachen und Geld im Wert von 500000 GBP erbeutet. Vier Tage lang war der sog. "Walkie-Talkie-Raub" die Titelgeschichte sämtlicher Zeitungen in Großbritannien bis die Regierung eine so genannte Defence Note (D-Note), eine Nachrichtensperre, zu diesem Thema ausrief. Von da an verschwand sämtliche Berichterstattung über den Fall aus der Presse - für immer. Bekannt ist nur noch, dass 1973 vier Männer wegen des Falles verurteilt wurden, die Beute aber nie gefunden wurde. Weder die Namen der Verurteilten, noch ihre Anklagepunkte oder Strafen drangen jemals an die Öffentlichkeit.Ohne Frage ist dieser Vorfall mit seinen vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten wie geschaffen für eine Verfilmung - insofern die Lücken der Geschichte plausibel und befriedigend gefüllt werden. Das ist den Drehbuchautoren von "Bank Job", Dick Clement und Ian La Frenais ("Flutsch und weg"), bravourös gelungen. Da eine Defence Notice nur aus Gründen der nationalen Sicherheit verhängt werden kann, heben die beiden den Film eine politische Ebene, die, sollte es so oder so ähnlich geschehen sein, tiefe Abgründe der britischen Gesellschaft in den 70er Jahren illustriert: Gewalt, Bestechlichkeit und Korruption in allen Gesellschaftsschichten. Trotzdem muss man natürlich davon ausgehen, dass die Geschichte, so wie sie in "Bank Job" dargestellt ist, zum größten Teil Fiktion ist. Oder?
Über die Art der Inszenierung von "Bank Job" kann man streiten. Wer einen hochpolitischen Thriller erwartet, dürfte enttäuscht werden. Anders als bei seinen Filmen "Thirteen Days" und "No Way Out" macht Regisseur Roger Donaldson aus dem Stoff keinen politisch brisanten Thriller sondern ein Räuber-und-Gendarm-Spiel mit politischer Komponente. Was allerdings wie Kritik klingt, ist keine: Im Gegenteil unterstützt die Zurückhaltung in diesem Bereich den durchaus spekulativen Charakter des Films. Und auch ohne explizite Darstellung auf der Leinwand kann sich jeder Zuschauer mögliche politische Implikationen selbst erschließen. So fokussiert sich Donaldson im Wesentlichen auf seine Figuren und den Raub an sich. Unterstützt wird er dabei von einem exzellenten Ensemble, in dem Jason Statham zeigt, dass er auch Rollen abseits von Material-Arts-Filmen (u.a. "Crank", "Transporter") ausfüllen kann. Bei den durchweg guten Leistungen der Darsteller beeindruckt vor allem David Suchet (den meisten wohl bekannt aus diversen Verfilmungen von Agatha Christie's "Hercule Poirot") als Gangsterboss Lew Vogel. Seine eben so eindringliche wie differenzierte Performance ist auch eine Komponente des Films, die "Bank Job" über den Durchschnitt hebt.
Ein weiteres Plus des Films ist sein konsequenter Spannungsaufbau. Während man am Anfang ein wenig das Gefühl hat, der Film käme nicht in Fahrt zeigt die Spannungskurve nach kurzer Einführungszeit stetig nach oben. Während am Anfang auch noch die für britische Gangsterfilme typischen lakonischen Sprüche dominieren wird der Film mit der Zeit immer ernsthafter. Mit jeder Minute wird für den Zuschauer das Unheil klarer, in das sich Terry und seine Freunde manövrieren. Und man wird unweigerlich mitgerissen - bis sich die Spannung in einem Finale entlädt, in dem Jason Statham dann doch noch seine physischen Fähigkeiten unter Beweis stellen kann. Ebenfalls positiv hervorheben kann man den Stil von "Bank Job": Die 70er Jahre wurden hier so authentisch wieder belebt, wie es lange nicht mehr im Kino zusehen war. Vom ersten Moment an fühlt sich der Zuschauer direkt in diese Zeit versetzt - ganz unabhängig davon, ob man sie selbst erlebt hat oder nicht. Dazu trägt neben der gesamten Ausstattung, der Kameraführung (mit einem Bild fernab des Hochglanzes) auch die mitreißende Musikauswahl bei.
Einzig unglücklich bei diesem Film ist wohl die Wahl des Titels: Zu offensichtlich ist die Referenz zu "The Italian Job", einem sowohl im Original als auch im Remake durchaus gelungenen Film. Das dürfte bei einigen Zuschauern falsche Erwartungen erzeugen oder auch den ein oder anderen vom Besuch der Kinovorstellung abhalten (in der Vermutung alt bekanntes neu aufgewärmt zu sehen). Dabei hat der Film einen Vergleich mit "The Italian Job" gar nicht nötig: Während es in Letzterem überwiegend um die Durchführung eines genialen Einbruchs geht ist der Diebstahl an sich in "Bank Job" eher konventionell. Hier geht es mehr um die weit reichenden Folgen, die aus dem Bruch resultieren. Und die erhalten natürlich durch den bis zu einem gewissen Grad realen Hintergrund eine Brisanz, die klassische "Heist"-Filme in der Regel nicht bieten können.
Apropos Brisanz: Akten, die diesen Fall betreffen (könnten) liegen noch immer in britischen Ministerien unter Verschluss. Eine Herausgabe ist nicht vor dem Jahr 2054 zu erwarten. Die Einbrecher haben es ja damals bereits geahnt: Mit diesem Fall hätte selbst Sherlock Holmes seine Schwierigkeiten.
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Regisseur
Schauspieler
Jason Statham, Saffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner, Alki David, Michael Jibson, Georgia Taylor, Richard Lintern, Peter Bowles, Alistair Petrie, Hattie Morahan, Julian Lewis Jones, Andrew Brooke, Rupert Frazer, Christopher Owen, Keeley Hawes, Taelor Samways, Kasey Baterip, Don Gallagher, Craig Fairbrass, Gerard Horan, Robert Whitelock, David Suchet, Peter De Jersey, Johann Myers, Colin Salmon, Sharon Maughan, Ray Nicholas, Les Kenny-Green, James Kenna, Angus Wright, Mark Phoenix, James Hall, Cameron Anderson, Julian Firth, Norma Dixit, Antony Gabriel, Rupert Vansittart, Bronson Webb, Omar Mostafa, Dylan Charles, Michael Haughey, Ray Trickett, Steve Gibbs, Ursula Mohan, Alan Swoffer, Louise Chambers, Bonnie Simon, Dimitri Pappadopoullos, Dai Smith, Alan Thomas, Brian Thomas, Rob Thompson, Andy Collins, Steve Balsamo



Gambit521 / 23.07.2008 03:01:59
Ein muss mal schauen....... AUF DVD
nicht bewertet