Lakeview Terrace
Inhalt
Wenn ein Nachbarschaftsstrreit ausartetKaum hat ein junges Paar sein kalifornisches Traumhaus bezogen, gerät es ins Visier ihres engstirnigen Nachbarn: Polizist Abel Turner, ein strenger, alleinerziehender Vater, hat sich selbst zum Aufpasser der Gemeinde ernannt. Seine nächtlichen Patrouillen und überaus wachsamen Augen stellen für die meisten Anwohner zwar eine willkommene Beruhigung dar, das frisch vermählte Paar jedoch fühlt sich von ihm zunehmend schikaniert. Als die beiden beschließen, sich gegen den aufdringlichen Nachbarn und sein ständiges Eingreifen in ihre Privatsphäre zu wehren, hat das tragische Konsequenzen.
Kritik
In der Literaturwissenschaft spricht man bei individuellen Interpretationen von Lesarten. Während des Films hat sich bei mir auch eine Lesart entwickelt, die mich dazu veranlasst, den Film nicht als reinen unterhaltsamen Thriller zu sehen. Wenn dem so wäre, dann haben wir mit Lakeview Terrace nicht mehr als einen durchschnittlich gelungenen Film. Mein Eindruck ist jedoch nun, nachdem die knapp 110 Minuten verstrichen sind, ein anderer. Ich sehe ein bestimmtes Thema, das sich wiederum tief in der menschlichen Psyche verwurzelt sieht. Ob ich dem Film damit mehr zuspreche, als er möglicherweise verdient? Nun, mag sein... aber das ist ja nicht selten so, wenn man einen Text oder hier einen Film interpretiert.Zunächst aber mal die Oberfläche. Der Film startet nach einer atmosphärischen Einleitung im Sinne einiger Standbilder der örtlichen Umgebung im Film mit Abel (der stets großartige Samuel L. Jackson) und wir erfahren gleich zu Beginn, dass er allein erziehender Vater ist. Oder wir können es uns zumindest denken, denn die Szene spricht für sich. Die Grundidee ist linear: ein normaler Nachbarschaftskampf, der sich spiralförmig weniger normal entwickelt und zu eskalieren droht. Das ist weder neu oder besonders interessant und diese Oberfläche wird dann auch schlichtweg vom guten Cast getragen, zu dem das Dreigespann Samuel L. Jackson, Patrick Wilson und Kerry Washington gehört. Alle liefern eine bemerkenswerte Leistung ab, wobei die zwei männlichen Parts als direkte Widersacher im Zentrum der Geschichte auch darstellerisch im Mittelpunkt stehen. Dazu sollte man sagen, dass es Wilson gelingt, ein ordentliches Stück aus dem Schatten des gefühlten Filmcast-Dauergastes Samuel L. Jackson hervor zu lugen. Den kompletten Schritt aus dessen Schatten schafft er nicht, aber das Charisma eines Samuel L. Jackson ist eben auch kaum zu überblenden. Allein die Szenen, in denen er in Lakeview Terrace sein hämisches Grinsen präsentiert sind so intensiv, dass man beinahe ein wenig Angst bekommt vor diesem unberechenbaren Protagonisten.
Langweilig ist der Film nie, auch nicht, wenn man ihn schlicht als Unterhaltungsfilm betrachtet. Deshalb sagte ich auch einleitend, dass er ohne die spezifische Lesart ein durchschnittlich guter Film wäre, was ein Kinoticket zwar keineswegs ausschließt, den Film aber auch nicht in den Must see-Bereich hievt. Was den Film besonders macht: zunächst hat man den Eindruck, das Drehbuch ist rassenthematisch konzipiert. Dann ist es wiederum interessant, dass die typischen Rollen hier umgekehrt sind, denn die Diskriminierung geht vom farbigen Abel aus und richtet sich gegen das in seinen Augen ungleiche Paar, das das Haus neben ihm bezogen hat. Ich sehe das eigentliche Thema von Lakeview Terrace aber woanders. Was passiert mit einem Menschen, dessen Leben durch einen Schicksalsschlag und tiefer Trauer aus den Fugen gerät? Nicht in der augenscheinlichen Hinsicht, als dass die betroffene Person den Schmerz durch Alkohol zu lindern versucht, seinen Job verliert, den Selbstzweifeln und Depressionen erliegt oder in weiteren ähnlichen lebensvernichtenden Änderungen. Wie sehr kann ein solches schicksalträchtiges Erlebnis das Innenleben eines Menschen zerrütten und vor allem: wie sehr beeinflusst eine solche Zerrüttung das Denken und Handeln der betroffenen Person? Diese Fragen liegen hier im Fokus und bieten eine Antwort in der Person und Persönlichkeit von Abel. Eine Frage lässt sich grundlegend einfacher beantworten: ist es naheliegend, dass er sich dem neuen Nachbarspaar gegenüber ebenso drastisch verhalten würde, wenn es den Unfall nicht gegeben hätte, der ihm seine Ehefrau raubte und quälende Fragezeichen hinterlassen hat? Wohl eher nicht. Nicht in dieser Form. Und vor allem nicht mit diesem Ausgang. Verquere Gedankengänge waren möglicherweise auch vorher schon vorhanden, wurden aber durch das Erlebnis und den Tod seiner Frau immens verstärkt und an die Oberfläche seines Denkens und Handelns gespült. Wie sehr ihn das Schicksal in dieser Hinsicht beeinflusst, merkt er wohl selbst kaum, das beweisen die Momente, in denen so etwas wie Einsicht durchschimmert. Diese Einsicht wird dann aber ein jedes Mal wieder in den Hintergrund gedrängt wie die Szene gegen Ende des Films in der Bar beweist, bevor es dann zum Eklat kommt. Lakeview Terrace ist daher ein psychologischer Film im Gewand eines Thrillers.
Untermalt wird der hier besprochene Aspekt, das vorherrschende Thema übrigens mehr als gelungen in den in steter Regelmäßigkeit erwähnten Bränden, die sich immer mehr ausbreiten. Ohne eine weiterführende Erklärung würden diese Brände in der Story nur in der Luft hängen, eine nähere Bedeutung sollte also untersucht werden. Schon zu Beginn wird die drohende Gefahr der Brände thematisiert. Im Laufe des Films dann weiterhin und zum Finale sind sie so gesehen angekommen und beeinflussen auch das Leben der Hauptfiguren. Hier sehe ich auch das Symbol. Sie alle hatten die Möglichkeit, vor der drohenden Gefahr zu fliehen oder andere Maßnahmen zu treffen, es lag in ihrer Entscheidung, nicht aber die Ausbreitung des Feuers an sich. Das Feuer steht hier symbolisch für die verletzte Seele von Abel, die psychische Erkränkung. Es ist eine Gradwanderung zwischen der Erkenntnis von Gefahr und der Ignoranz oder dem Nicht-bemerken. Umgangssprachlich ausgedrückt stellt sich folgende Frage in Bezug auf die Geschichte in Lakeview Terrace: kriegt Abel die Kurve oder nicht? Erkennt er den wahren Ursprung, den eigentlichen Grund seiner negativen Gefühlslage? Erkennt er die drohende Gefahr, die von den nahenden Feuern ausgeht... und auf ihn bezogen: die von seinem Inneren ausgeht? Hätte er sie erkannt, hätte er möglicherweise etwas dagegen unternommen, so aber wurde die Beeinflussung seines Bewusstseins ausgereizt und die Eskalation im Finale des Films unterstreicht letztlich nur die Gefahr dieser erwähnten Gradwanderung. Dahingehend ist der Film ein interessantes psychologisches Abbild und überaus gelungen.
Wenn Abel auch im Mittelpunkt steht, sieht man diese unbewusste Beeinflussung auch im Nachbarschaftspaar, zwischen dem sich aufgrund der Probleme mit Abel und der Diskrepanzen zwischen dem Ehemann und Stiefvater auch eheinterne Probleme entwickeln. Die große Herausvorderung ist es demnach ganz allgemein gesprochen, die Auswirkung externer Begebenheiten auf interne Vorgänge möglichst gering zu halten.
Fazit: im Sinne der dargelegten Gedanken zum Thema des Films klettert Lakeview Terrace noch einmal mindestens einen Stern in die Höhe und manövriert sich aus den Bereich der (guten) Durchschnittsfilme. Auch ein Kinobesuch ist demnach in Ordnung, wenn auch nicht unbedingt notwendig, denn Storyfilme kann man sich auch getrost auf DVD ansehen. Die Kluft zum ganz großen Wurf ist dann in der fehlenden Emotionalität auszumachen, die bei einem Drama im Bewertungsbereich der fünf Punkte wesentlicher Bestandteil sein sollte. Vergessen sollte man auch nicht die Musik, die den Film insgesamt wunderbar trägt.
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Regisseur
Schauspieler
Samuel L. Jackson, Patrick Wilson, Kerry Washington, Ron Glass, Justin Chambers, Jay Hernandez, Regine Nehy, Jaishon Fisher, Robert Pine, Keith Loneker, Caleeb Pinkett, Robert Dahey, Bitsie Tulloch, Michael Sean Tighe



siBBe / 05.11.2008 16:43:02
Fand ihn zwar nicht so überragend wie der Reviewer hier, trotzdem aber ein ganz netter Film mit einem sehr coolen Samuel L. Jackson, den man sich ruhig ansehen kann, von mir gibts 3,5/6
3 Sternen
mye / 05.11.2008 16:55:12
und warum? weil du ihn nicht verstanden hast, dabei habe ich es dir doch gleich danach erklärt :D spaß beiseite... genau deine wertung ist ja die, die ich auch gegeben hätte, wenn ich mir keine weiterführenden gedanken über den film gemacht hätte und zu meiner "lesart" gekommen wäre... bin mal gespannt, wie andere das so sehen...
5 Sternen
ADAMGOLDNIK / 07.11.2008 20:10:51
Den finde ich sehr gut. Ich kenne mehrere Filme wo der Samuel L. Jackson,gespielt hat.
z.B im Film Snakes on a Plane da ist er im ganz gute verfassung. und übrigens er spielt sehr gut die Rollen. oder nehmen wir "den Home of the Brave" ein Kriegsfilm. hat mir gut gefallen.
Ich finde ihn entsprechend für diese Rolle passend gut.
6 Sternen
Oldboy / 18.11.2008 07:37:13
Geht so,aber nur wegen den coolen Samuel.
3 Sternen