Verfasst von Sebastian Stumbek am 06.09.08 12:26:00 - 2 Kommentare

Die Stadt der Blinden

Blindness

Moviereporter-Bewertung:
  • 4.5/6 Sterne.
Leserwertung (21): 3.52 / 6

Land Kanada, Japan, Brasilien

Genre Drama, Thriller

Laufzeit: 120

Jahr 2008

Webseite
Trailer

Kinostart: 23.10.2008
zu Favoriten hinzufügen

  • Die Stadt der Blinden (Blindness)
  • Die Stadt der Blinden (Blindness)
  • Die Stadt der Blinden (Blindness)
  • Die Stadt der Blinden (Blindness)
  • Die Stadt der Blinden (Blindness)
  • Die Stadt der Blinden (Blindness)
  • Die Stadt der Blinden (Blindness)

Inhalt

Fernando Meirelles ("Der ewige Gärtner") verfilmt den Roman von Nobelpreisträger José Saramago über eine Welt, in der die Menschen auf mysteriöse Weise erblinden.

Es beginnt ohne Vorwarnung: Am Steuer seines Autos wird ein Mann (Yusuke Iseya) blind: Er sieht nur noch weißen Nebel. Allen, die er trifft, widerfährt das gleiche Schicksal: seiner Frau (Yoshino Kimura), seinem Arzt (Mark Ruffalo), dem guten Samariter (Don McKellar), der ihn nach Hause brachte. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Krankheit und die Regierung fällt eine Entscheidung. Alle an der Weißen Blindheit erkrankten Menschen werden in einer verlassenen Heilanstalt interniert, wo schnell das Chaos regiert. Und mittendrin ist der einzige Mensch, der von der Epidemie verschont bleibt: Die Frau des Arztes (Julianne Moore).

Kritik

Wenn Fernando Meirelles einen Film dreht, muss es sich schon Mal um was Besonderes handeln. Mit seinem brasilianischen Ghetto-Drama "City of God", in dem er die Bandenkriege und das Leben in der Favela von Rio de Janeiro zeigte, schuf er 2002 beispielsweise einen der wohl besten Filme aller Zeiten, der vier Oscarnominierungen erhielt und weltweit bei Kritikern und Publikum gefeiert wurde. Auch mit seinem darauf folgenden Film, "Der Ewige Gärtner", legte er wieder einmal eine meisterhafte Leistung als Regisseur hin. Nun weitere drei Jahre darauf erscheint sein neuster Film, die Literaturverfilmung von "Die Stadt der Blinden".

Die "Stadt der Blinden" wurde 1995 vom brasilianischen Autor José Saramago veröffentlicht und international mit allerlei Preisen ausgezeichnet. Saramagos größter Verdienst war dabei der Literaturnobelpreis. Viele Filmemacher versuchten sich seitdem die Rechte daran zu sichern, Saramago verweigerte sie aber allen von ihnen, weil er sein Werk für unverfilmbar hiel: "Ich habe mich immer geweigert (die Rechte an DIE STADT DER BLINDEN zu verkaufen)", erzählte Saramago 2007 dem New York Times Magazine. "Es ist ein gewalttätiges Buch über das Ende der Gesellschaft... Ich wollte nicht, dass der Stoff in die falschen Hände fällt." Drehbuchautor Don McKellar und Produzent Niv Fichman schafften es mit viel Arbeit aber dann trotzdem, den mittlerweile 80-jährigen Autor zu überzeugen und holten kurz darauf Regisseur Meirelles mit ins Boot, der sofort von der Idee begeistert war. "Fernando hätte zu diesem Zeitpunkt jede erdenkliche Art von Film machen können. Aber jeder, der schon einmal mit ihm gearbeitet hat, weiß um sein Anliegen, einen Beitrag zu leisten, dass die Welt ein besserer Ort wird. Das ist einer der Gründe, warum ihm dieser Stoff so wichtig war," so Produzentin Andrea Barata. Die Filmfestspiele in Cannes wurden dieses Jahr von "Die Stadt der Blinden" eröffnet und zur Überraschung aller waren die Reaktionen darauf etwas zurückhaltend.

Wie dreht man einen Film, in dem alle Menschen mit Ausnahme einer Frau blind sind? Meirelles zeigt hierfür genau das richtige Gespür und setzt seinen Film visuell eindrucksvoll um: "Mein erster Instinkt war es, aus dieser düsteren Geschichte einen sehrhellen Film zu machen, mit einer Helligkeit, die beinahe aufdringlich sein sollte". Meirelles spielt während des gesamten Films mit grellend weißen Farben und mit Schärfegraden, die mal mehr mal weniger scharf sind, um visuell so das nötige Gefühl passend zum Thema zu übermitteln, was ihm mehr als gut gelungen ist.

Die Geschichte soll wohl recht nah am Buch sein. Selbst gelesen habe ich nur sehr wenig vom Buch und es frustriert zur Seite geschmissen, da die deutsche Fassung zumindest sprachlich sehr mies und unlesbar verfasst wurde. Das schöne an der Story ist, dass sie Raum für viele verschiedene Interpretationsansätze bietet und zum Nachdenken anregt: "Diese Geschichte beinhaltet nicht eine bestimmte Wahrheit, und all die verschiedenen Interpretationen sind zulässig und ergeben Sinn", meint der Regisseur. "Es gibt viele moralische Dilemmas. Ich glaube, der Film geht diesbezüglich noch weiter als das Buch, wo die Dinge stärker Schwarz oder Weiß angelegt sind. Ich habe viele Grautöne hinzugefügt. Dies ist eine Geschichte, die viele Fragen aufwerfen soll, ohne Antworten darauf zu geben. Sie befasst sich mit der Evolution des Menschen, verlangt nach kritischer Reflektion, aber weist in keine bestimmte Richtung. Wie im Buch muss jeder Einzelne für sich einen Weg finden, der ihn durch das Erzählte führt". Die Story konzentriert sich vor allem auf sehr engem Raum innerhalb des Krankenhauses, in dem die Menschen "gefangen" sind und zurechtkommen müßen. Dabei wird sehr schön gezeigt, wie in Extremsituationen aus zivilisierten Menschen sehr schnell Wilde ohne Moral werden können. Einer der Kritikpunkte am Film wird für viele sicherlich sein, dass die Handlungsweise einiger Personen nicht immer unbedingt nachvollziehbar ist. Gerade was das Handeln von Julianne Moore als einzige Sehende unter den Blinden angeht, verwundert manchmal doch etwas. Immerhin hat sie als einzige Sehende die größte Macht unter allen, lässt über sich und die anderen aber trotzdem den Horror von Vergewaltigung und anderen Taten ergehen, statt dem Ganzen einfach sofort ein Ende zu setzen. Da man sich als Zuschauer mit dieser Person identifiziert und den Film quasi auch aus ihrer Sicht miterlebt, stört das manchmal doch etwas.

Darstellerisch gibt es an "Die Stadt der Blinden" nichts auszusetzen. Julianne Moore ("The Hours") überzeugt als einzige Sehende mit großer Verantwortung und schwer zu treffenden Entscheidungen einmal mehr, was anderes ist man von ihr auch nicht gewohnt. Aber auch der komplette Riege an Nebendarsteller ist gut besetzt und spielt seinen Part überzeugend, darunter bekannte Namen wie Danny Glover ("Lethal Weapon"), Mark Ruffalo ("Zodiac"), Alice Braga ("City of God") oder Gael García Bernal ("Babel").

Fazit: "Die Stadt der Blinden" ist leider nicht der vielversprechende große Wurf geworden, den man von einem Regisseur wie Fernando Meirelles erwartet hätte. Schlecht ist der Film auf keinen Fall, im Gegenteil, er ist sogar sehr gut, aber er hätte eben noch besser werden können, wenn einige Elemente innerhalb der Story nicht stören würden. Somit hinkt "Die Stadt der Blinden" zwar gegenüber Meirelles anderen Werken "City of God" und "Der Ewige Gärtner" hinterher (die die Messlatte aber auch verdammt hoch ansetzen), eine Kinoempfehlung ist der Film aber trotzdem allemal.



Jetzt kommentieren? / 2 Kommentare

  1. Jigsaw

    Jigsaw / 15.10.2008 10:12:31

    Hab einiges darüber gelesen,das Buch galt ja lange Zeit als unverfilmbar,bin gespannt.


    nicht bewertet

  2. Kaspian

    Kaspian / 04.12.2008 19:33:28

    Ich fand recht gelungen..auch wenn man alles irgendwie scho kennt..wurde aber schön receykelt. Hinzukommt das ich auf solche Art Filmenden stehe...so also beruhigt auf die Straße stieg und mir keine Sorge wegen meiner Augen mehr machte.


    5 Sternen


Jetzt hier Kommentar schreiben

Bitte auf gute Umgangsformen achten!! Beleidigungen werden nicht geduldet.