Shine a Light
Inhalt
Martin Scorseses Dokumentarfilm über die Rolling Stones. It’s only rock 'n' roll but you’ll like it.Im Herbst 2006 geben die Rolling Stones zwei Konzerte im New Yorker Beacon Theatre. In der fast intimen Atmosphäre des alten, 1928 eröffneten Broadway-Theaters – es verfügt über 2800 Plätze – wird noch einmal klar, warum Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts als Legenden gelten. Vor einem begeisterten Publikum, zu dem auch Hillary und Bill Clinton gehören, präsentieren die Stones ihre Welthits wie auch weniger bekannte Songs. Gastauftritte von Christina Aguilera, der Blues-Legende Buddy Guy und Jack White ("White Stripes") machen den Abend unvergesslich.
Kritik
Filmkritik:
Scorcese und die Stones, das ist eine alte Liebe, wie man weiß. Immer wieder hat der Oscarpreisträger Martin Scorsese ("The Departed“) Songs der Rolling Stones in seine Soundtracks eingerückt. Aber wenn, in einem Film, Marty auf Mick (und Co.) trifft, zwei feurig - temperamentvolle Superstars, zwei leidenschaftliche - energetische Bündel auf einem Terrain agieren-werden da nicht die Funken sprühen, gibt´s da nicht den großen Bang? Nicht unbedingt, wenn einer (Martin Scorsese) sich vornehm und schmunzelnd - ironisch zurücknimmt, wenn er sich in den Filmschatten stellt und das ganze Licht auf The Rolling Stones scheinen läßt in seiner Dokumentation "Shine A Light“. Ein absolutes Must für alle Rock-Fans und Stones-Fans. Und wer letzteres nicht war, wird es nach diesem Film werden, zumindest wird er Respekt bezeugen und Begeisterungspfiffe loslassen für die Stones, das Gesamtkunstwerk des Rock, den Rock-Act der Musikgeschichte.
Ganz am Anfang des Films, der - in Anwesenheit von Scorsese und den Stones - die diesjährige Berlinale eröffnete, agieren die beiden Show-Giganten tatsächlich wie zwei zickige Primadonnen. Sie streiten sich über den Bühnenaufbau, rangeln um die Setlist, einer (Mick) quengelt über die Anzahl von Kameras und Lampen, der andere bemerkt dazu lakonisch “We cannot burn Mick Jagger.“ Das alles ist schwarz-weiß gefilmt, und wirkt irgendwie gestelzt und inszeniert. Aber man ahnt da schon, was man am Ende des Filmes sicher weiß: Dieser Film ist keine ernsthafte Dokumentation im eigentlichen Sinne (dazu ist der Anteil von Dokumaterial mit geschätzten 5% zu gering), dies ist eine mit Ironie, Humor und Spott gewürzte Rock`n Roll Comedy, ein Rockfest fürs Leben, in dem einige unverwüstliche Mittsechziger der Welt zeigen, was Lebensglück ist und ein gleichaltriger Bruder im Geiste mehr als ein Dutzend der weltbesten Kameramänner (überwacht von Kameramann Robert Richardson) engagiert hat, um dies aus allen Richtungen, Blickwinkeln und Perspektiven für die Ewigkeit einzufangen.
Martin Scorsese präsentiert in seinem Stones-Film einen Mix aus Archivmaterial, backstage-Clips und Konzert-Mitschnitten. Und letzteren räumt er, zu Recht, die höchste Priorität ein. Gefilmt wurden die Konzerte der Rolling Stones im "intimen“ (nur etwa 2500 Zuschauer fassenden) New Yorker Beacon Theater, wo die Altrocker am 29.Oktober und am 1.November 2006 Station machten innerhalb ihrer "A Bigger Bang Tour". "Shine a light" – der Filmtitel ist gleichnamiger Song aus einem Stones Album von 1972 - auch vorgetragen im Beacon Theater. Und hier wird also, vor einer begeisterten Menge, unter ihnen Ex-Präsident Bill Clinton mit family und friends, die perfekte Rock-Show entfesselt:
Mick-Jagger, der dürre Rock-Derwisch, singend, tanzend, gestikulierend über die Bühne fetzend. Keith Richards, die schrille Falten - Schönheit, der seine Gitarren-Riffs hüpfend, stehend oder knieend runterspielt. Die beiden Antipoden, der ruhende Pol Ron Wood und an den drums der stoische Charlie Watts, der so bleich aussieht, als müsse er geradewegs wieder in sein Seniorenheim geführt werden, nachdem er stundenlang wie ein junger Rockspund auf sein Schlagzeug eingedroschen hat.
Die Stones präsentierten Altbekanntes, weniger Bekanntes oder nie Gespieltes, gemäß der Liste, die Mick Jagger im Intro mißmutig durchblättert, vor einem soliden Hintergrund von erstklassigen Musikern, Bläsern, Keyboarder und den herausragenden New Yorker Backgroundsängern Lisa Fisher und Bernard Fowler.
Ob bei "Jumpin`Jack Flash", "She was Hot" "As Tears go By" oder "Start me Up", ob bei den Duetts mit den Gastmusikern Jack White, Christina Aguilera oder der Blues-Legende Buddy Guy - der Zuschauer ist hier mittendrin im brodelnden Rock-Leben. Denn Scorsese hat ihm den besten Platz gegeben, nicht in der ersten Reihe, sondern überall. Omnipräsenz! Er hat ihm Flügel verliehen und mehr Augen zu sehen und mehr Ohren zu hören (durch einen Top-Ton) Der Zuschauer sieht die Totale und jedes Detail auf der Bühne, er kennt jede Perspektive, und manchmal kann er auch mit den Augen der Stars sehen. Z.B.wenn Mick wie drohend auf Charlie zutanzt, wenn der kindisch-rumhüpfende Keith in die leicht spöttischen Augen von Blues Legende Buddy Guy blickt oder wenn Mick Jagger das musikalische Wechselspiel mit den Backgroundsängern zelebriert. Denn dies ist das wirklich Einzigartige des Scorsese Films - so nah ist man Performern auf der Bühne noch nie gekommen; manchmal hat man das Gefühl, man kann ihre Gedanken lesen oder in ihren Augen das Geheimnis entdecken. Das Geheimnis ihres einzigartigen, langjährigen Erfolgs, das Geheimnis ihrer ewigen Jugend - trotz Falten (und die sind nicht gerade wenige, was die Close-ups ja unbarmherzig dokumentieren).
Das Geheimnis um die Stones zu lüften - diesen Anspruch hatten ja manche Kritiker (und Fans) an den Dokumentaristen Scorsese. Aber er hat ihn nicht erfüllt, nicht erfüllen wollen/können. Stattdessen hat er Doku-Splitter eingebaut, die nur dazu dienen sollten, erstens den Wert solchen "Doku-bzw.Hintergrundmaterials" ad absurdum zu führen und zweitens die Ironie des Spektakels zu erhöhen. Da wird die gebetsmühlenhafte Frage an die Stones "wie lange noch“ ironisiert durch eine Frage von Dick Cavett an den sehr jungen Jagger, ob er auch noch mit 60 auf der Bühne rumhopsen wird, was von diesem mit einem "Yeah, easily" beantwortet wird. Oder die impertinente "wer ist besser, Du oder Ron?" Frage an Keith, von diesem weise abgeschmettert: "Allein sind wir beide ziemlich lausig, aber zusammen sind wir besser als alle anderen."
Wie recht hatte Scorsese, sich nicht die Guckloch-Mentalität zu eigen zu machen. Erstens sind die Stones die wohl bestdokumentierte Rockband aller Zeiten. Man hat schon alles erfahren, über sie, ihre Musik und was dahintersteckt. Und das andere? Das Private? Lassen wir es doch gnädig im Dunkel. Oder will jemand zusehen, wie Jagger während seines Fitnesstrainings auf dem Hometrainer schwitzt, oder Keith Richards von seinem Leibarzt nach dem Konzert umsorgt wird?
Ihre Musik, ihre Performance sagen mehr als tausend Worte oder Backstage-Bilder. Mit den Augen von Scorcese´s Kameras sieht man alles-und versteht alles (mit ein wenig Phantasie und Lebenserfahrung).
Das sind Leute, für die das Leben Musik ist und Musik das Leben. Das ist alles, ihr Lebenselixier, ihr Jungbrunnen. Und natürlich ist da noch das Glück, das sein Licht über die Stones wirft. “My luck hasn´t run out yet“, bekennt Keith Richards.
Scorcese wird demnächst seine Kameras auf George Harrison richten. Das wird dann ein weiterer Meilenstein in seiner Karriere als Musikdoku-Filmer. (Nachdem er an dem Woodstock-Film mitgeschnitten hatte, lieferte er Porträts von Elvis Presley, The Band und Bob Dylan).
Scorsese wird auch da ein Licht scheinen lassen, auf Harrison, auf die Beatles und –auf seine unverwechselbare Art des präzisen Zuschauens und Zuhörens von diesem und jenen wohl mehr von dem Geheimnis verraten als andere Dokumentaristen vor ihm.
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Regisseur
Schauspieler
Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts, Ron Wood, Jack White, Christina Aguilera, Byrdie Bell, Gary Cherkassky, Bill Clinton, Hillary Rodham Clinton, Buddy Guy, Kimberly Magness, Rebecca Merle, Martin Scorsese



mye / 10.03.2008 20:07:29
will ich mir unbedingt ansehen, nach der guten kritik natürlich erst recht
nicht bewertet