Jugend ohne Jugend
Youth Without Youth
Inhalt
Alexandra Maria Lara und Bruno Ganz unter der Regie von Francis Ford CoppolaDer alternde Linguistik-Professor Dominic Matei (Tim Roth) erlangt auf wundersame Weise seine Jugend wieder zurück, nachdem er einen Blitzschlag überlebt hat. Die körperliche Verjüngung und offenkundige Unsterblichkeit geht einher mit einem gleichsam hoch entwickelten Geist, was das Interesse einiger Nazi-Wissenschaftler weckt und Dominic ins Exil treibt.
Auf der Flucht verbündet er sich mit seiner verflossenen Geliebten Laura (Alexandra Maria Lara) und setzt seine Forschung nach den Ursprüngen der menschlichen Sprache fort. Als seine Arbeit jedoch Lauras Gesundheit bedroht, ist Dominic gezwungen, sich zwischen seinem Lebenswerk und der großen Liebe seines Lebens zu entscheiden.
Kritik
Zunächst zu der offenkundigen Sensation, die sich hinter dem Film verbirgt: Film-Legende Francis Ford Coppola (Der Pate) ist zurück auf dem Regiestuhl. Nicht, um ein weiteres Meisterwerk der Filmgeschichte zu drehen, sondern um sich mit kleinem Budget an der eigenen künstlerischen Ader zu versuchen. Nachdem er 1997 Der Regenmacher gedreht hat, hatte er eine Idee hinsichtlich eines Sci-Fi-Films über ein utopisches New York mit dem Titel Megalopolis, fror das Projekt dann aber zunächst selbst ein, mit dem Hinweis darauf, dass der Film eventuell zu groß werden würde und er das gesamte Projekt noch einmal überdenken müsse. Dann kam nichts mehr. Und jetzt kommt Jugend ohne Jugend.Die Geschichte an sich, wie sie die vorangestellte Inhaltsangabe kurz vorstellt, ist von Grund auf in keiner Weise uninteressant. Im Gegenteil, sie birgt die Möglichkeit für den Filmemacher, sich in philosophischer Hinsicht zu verwirklichen, statt lediglich eine weitere Geschichte über Nazis zu drehen. Nimmt sich ein Regisseur, der zugleich auch als Drehbuchautor fungiert, einem solchen Stoff an, steht er diesem auch in genau dieser Hinsicht in der Schuld. Dann stellt sich die Frage, ob er dem Stoff gerecht wurde, ob er ihn schlichtweg gut inszeniert hat?
Und genau bei der Inszenierung hakt es ja an manchen Stellen. Von einem Regisseur seines Formats hätte ich mir mehr Innovation gewünscht. Es ist ein allzu bekanntes Mittel, Surrealität und Wahnsinn mit Bildern darzustellen, die auf dem Kopf stehen oder schräg gestellt sind. Und dieses Mittel zieht sich ein wenig zu sehr als roter Faden durch den Film und das (wiedererlangte) Leben des Protagonisten. Keine Frage, dass die Bilder, die uns gestochen scharf präsentiert werden, zum Teil schön sind, aber schön ist eben nicht genug, wenn man sich einen Film anschaut, der von Francis Ford Coppola in Szene gesetzt wurde. Diesen Status hat er sich in den 70er-Jahren verdientermaßen erarbeitet und an diesem Status wird er eben auch heute gemessen, denn wir wollen einem vorangeschrittenen Alter ja nicht bereits im Vorfeld etwas zugrunde legen, das mit dem Alter und der Zeit an sich ja nichts zu tun haben muss. Und doch werden jetzt viele sagen: die glanzvolle Zeit eines Francis Ford Coppola ist dann eben vorbei, so macht es den Anschein, und dann werden auch sicher Brücken gezogen zu der Geschichte seines aktuellen Films Jugend ohne Jugend, in der es ja auch um das Thema Zeit geht. Darum, dass uns das Leben immer vor schwierige Entscheidungen stellt, auch wenn wir eine zweite Chance erhalten. Die Opfer, die wir bringen müssen, zeigen sich dann eben an anderen Stellen, aber sie bleiben nicht aus. Im Endeffekt ist der Sinn des Lebens wohl im Leben selbst zu finden, in der bloßen Tatsache, dass wir ein Leben lang leben dürfen. Das Leben als ein Geschenk zu betrachten ist nicht neu, dieses Geschenk aber mit Fingerspitzengefühl zu behandeln versteht nicht jeder. Und Geschehenes kann nun einmal nicht ungeschehen werden, die verändernde Reise in der Zeit ist weder physisch noch gedanklich möglich. Wir können uns erinnern, aber die Geschichte liegt als Vergangenes unabänderbar hinter uns und in diese Geschichte eingewoben finden sich unsere eigenen Taten wieder.
Aber geht es wriklich darum? Ja worum geht es in Jugend ohne Jugend eigentlich? Genau das ist der Punkt, an dem Coppola erneut Schwächen aufweist. Als wäre er der Komplexität und Ernsthaftigkeit der Geschichte nicht Herr geworden, was sich auch in den zum Teil comichaften Darstellungen, Szenen und Figuren zeigt, die, der Geschichte nicht gerecht, doch beinahe albern wirken. Und das, davon kann man ausgehen, war sicher nicht die Intention eines Francis Ford Coppola.
Abschließend auch noch einige Worte zur Besetzung: Tim Roth spielt sehr gut, dennoch ist es nicht sein Spiel, das dem Zuschauer nach dem Film in erster Linie im Gedächtnis haften bleibt, sondern das von Alexandra Maria Lara. Es macht den Anschein, als würde sie es so dermaßen genießen und vor allem schätzen, unter der Leitung einer Filmlegende zu spielen, dass es ihr gelingt, ihre Rolle mit so viel Präsenz und die einzelnen Szenen mit so viel Engagement und Tiefe zu mimen, dass es jedes Mal eine Augenweide und ein Vergnügen ist, wenn sie die Szene betritt.
Ebenso wie Alexandra Maria Lara spielte auch Bruno Ganz in Der Untergang mit und auch in Jugend ohne Jugend macht er seine Sache wie gewohnt gut, keine Frage, hat aber ebenso keine Chance, in diesem Film an einer glänzend aufgelegten Alexandra Maria Lara vorbei zu schauen.
Fazit: erneut ohne Frage, es ist schön, dass er zurück ist, aber es bleibt einfach der fade Beigeschmack, dass er sich wohl mit dem falschen Stoff zurück gemeldet hat.
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Regisseur
Schauspieler
Tim Roth, Alexandra Maria Lara, Bruno Ganz, André Hennicke, Marcel Iures, Adrian Pintea, Alexandra Pirici, Florin Piersic Jr., Zoltan Butuc, Adriana Titieni, Mircea Albulescu, Dan Astileanu, Cristian Balint, Dragos Bucur, Theodor Danetti, Andrei Gheorghe, Roxana Guttman, Dorina Lazar, Rodica Lazar, Anamaria Marinca, Hodorog Anton Mihail, Mihai Niculescu, Gelu Nitu, Mirela Oprisor, Alexandru Repan, Dan Sandulescu, Andi Vasluianu


