Schmetterling und Taucherglocke (2007)
The Diving Bell and the ButterflyHandlung
„War ich blind und taub zugleich, oder brauchte ich erst ein Unglück um mir über meine wahre Natur klar zu werden?" - Jean-Dominique Bauby
Der ehemalige französische Elle-Chefredakteur Jean-Dominique Bauby ist 42 Jahre alt, als er urplötzlich aus seinem gewohnten Leben, mit all seinem Galmour und Style, gerissen wird. Mit dem Blinzeln seines Auges diktiert Bauby seine Memoiren und lässt darin nicht nur sein Leben Revue passieren, sondern auch ganze Gedankenwelten entstehen, die ihn erkennen lassen: Glück bedeutet zu realisieren, dass man liebt und geliebt wird. Eine emotional bewegende und filmisch einzigartige Liebeserklärung an das Leben, eine zärtlich poetische und immer wieder überraschend heitere Hymne auf die Liebe und die Menschlichkeit, betrachtet aus der Perspektive eines einzigen Augenaufschlags...
Besetzung / Stab
Regie
Bilder
Kritik
"Schmetterling und Taucherglocke" erzählt die wahre Geschichte des am Locked-In-Syndrom erkrankten Chefredakteurs der französischen Elle. Ein Mann, der ein erfolgreiches, erfülltes Leben führte und für den sich innerhalb weniger Sekunden alles wendete. Das unglaubliche an seiner Geschichte ist, dass er es trotzdem zustandebrachte, alleine durch das Blinzeln seines Auge, in 14 Monaten seine Autobiographie zu diktieren.
Regisseur Julian Schnabel ("Basquiat", "Before Night Falls") hat das daraus entstandene Drehbuch von Ronald Harwood ("Der Pianist", "München") in einzigartiger Weise auf die Leinwand gebracht. Zum ersten Mal in Kontakt kam Schnabel mit dem Buch, als er einem kranken Freund im Krankenhaus vorlesen mußte, und zufälltig "Schmetterling und Taucherglocke" vorgelegt bekommen hatte. Die Geschichte hat ihn fasziniert und getroffen, so dass ihm die Leinwandadaption sehr wichtig war.
Beginnen tut der Film damit, dass wir quasi aus Ich-Perspektive, aus den Augen von Jean-Dominique Bauby miterleben, wie er im Krankenhaus nach seinem Koma erwacht und sind vom ersten Moment an mit dabei. Das ändert sich mit Fortschreiten des Films auch kaum, der Zuschauer sieht die Welt die meißte Zeit über so, wie sie für Bauby erscheint. Dadurch wird eine immense Intensität und Vertrautheit zwischen der Hauptperson und dem Zuschauer geschaffen, was Regisseur Schnabel wunderbar gelungen ist, und was der Film auch unbedingt benötigt. Die Verzweiflung, die Machtlosigkeit, die Hilfslosigkeit und Angst...all das erlebt der Zuschauer haargenau mit. Die Gedankenwelt Baubys, die der Außenwelt verschlossen bleibt, da er sich nicht bewegen und nicht sprechen kann, wird nur für den Zuschauer geöffnet, der stets zuhören kann, was sich in seinem Kopf abspielt.
"Mein Leben war eine Verkettung verpasster Gelegenheiten... die Frauen, die man nicht geliebt hat, die Glücksmomente, die man vorüberziehen ließ. Ein Rennen, dessen Ausgang man kennt, aber bei dem man unfähig ist, den Gewinn einzustreichen..." (Bauby)
Aus Angst und Verzweiflung entsteht irgendwann aber, durch Hilfe seiner Mitmenschen, Freude am Leben. Das macht den Film so wunderschön, denn selbst in seiner furchtbaren Lage, eine der schlimmsten die man sich vorstellen kann, entdeckt Bauby die schönen Seiten am Leben. Denn was ihm geblieben ist sind seine Erinnerungen, seine Gedanken und seine Fantasie. Er lässt besondere Augenblicke seines Lebens Revue passieren, erfreut sich an den vielen kleinen Dingen im Leben, die uns überhaupt nicht auffallen, da sie für uns alltäglich sind und lernt das alles zu schätzen. Das traurige ist, dass es manchmal ein Unglück wie dem von Bauby bedarf, bis man sich all dessen überhaupt bewußt wird. Damit er seine Gedanken mit anderen Menschen teilen konnte, verfaßte er mit Hilfe anderer seine Autobiographie. Ihm wurde ein Alphabet vorgehalten, die Buchstaben sortiert nach der Häufigkeit ihres Vorkommens im französischen Alphabet, und jedes Mal wenn der richtige Buchstabe vorgelesen wurde, mußte Bauby blinzeln. Klingt unglaublich, ist es auch. Denn daraus entstand in 14 Monaten ein komplettes Buch. Die Geduld und die Motivation Baubys, aber auch seiner Mitmenschen, ihm dabei zu helfen, ist beachtlich. Schnell macht der zunächst merkwürdig klingende Titel des Films Sinn. "Schmetterling und Taucherglocke" bedeutet, dass sich Bauby durch seine Krankheit wie in einer Taucherglocke befindet, tief im Meer, worin er eingesperrt ist. Der Schmetterling symbolisiert aber doch durch seine Gedankenwelt einen Ausweg hinaus in die Welt, in die Freiheit, wodurch er aus der Taucherglocke entkommt.All das filmisch umzusetzen ist alles andere als einfach und hätte bei vielen Regisseuren schnell scheitern können. Schnabel ist dieses Kunststück aber durch seinen Regiestil perfekt gelungen. Er versetzt den Zuschauer in die Ich-Perspektive, zeigt in wunderschönen Bildern die Umwelt, viele Kamera- und Lichtspielereien verleihen dem Ganzen noch das Besondere. Auch schauspielerisch ist der Film auf allerhöchstem Niveau. Matthieu Amalic (im kommenden "Bond 22" dabei) bekommt man von außen zwar selten zu sehen, trotzdem spielt er seine Rolle (bzw. spricht sie) sehr gut. Respekt gebührt aber vor allem Emmanuelle Seigner, die Baubys Ehefrau spielt und sich stets um ihn kümmert. Sie und auch das weibliche Krankenhauspersonal, bestehend aus Marie-Josée Croze oder Anne Consigny, leisten alle großartige Arbeit.
Den Golden Globe für "Beste Regie" und "Bester Ausländischer Film" hat "Schmetterling und Taucherglocke" bereits gewonnen. Auch auf dem Cannes Filmfestival wurde der Film mit dem Preis für die "Beste Regie" ausgezeichnet. 4 Oscarnominierungen hat der Film nun erhalten, zu wünschen wären ihm davon alle.
Fazit: Ein Film der eine unglaubliche Geschichte erzählt, voller Emotionen, Trauer und Schönheit. Auch danach bleibt einem die Geschichte noch lange im Gedächtnis und regt zum eigenen Nachdenken über das Leben an.

Kommentare
tremolo
geschrieben am 28.01.2008 um 14:29:08
Der Film soll ja toll sein, bin mal gespannt. Hab schon viel Positives gehört...
Schreibe hier deine Meinung