Control
Inhalt
Control erzählt das kurze Leben des Bandleaders Ian Curtis (Sam Riley). Als er Selbstmord begeht ist er keine 24 Jahre alt.
Zu diesem Zeitpunkt zählt Curtis (Sam Riley) und seine Band Joy Division zu den Newcomern der Postpunk Ära, einem kurzen Zeitfenster in den späten siebziger Jahren. Bereits jung heiratet Ian Curtis seine Freundin Debbie (Samantha Morton) und bekommt mit ihr ein Kind. Parallel dazu nimmt sein Engagement bei der Band immer weiter zu, bis er eines Tages die belgische Botschaftsangestellte Annik Honoré (Alexandra Maria Lara) kennenlernt und sich in sie verliebt. Ab dem Moment ist Ian Curtis gespalten, zwischen seiner Familie in Macclesfield, wo nichts los ist, und seinem Leben Seite an Seite an Annik in der weiten Welt. Den an Epilepsie leidende Leadsänger rafft vor anwesendem Publikum ein Anfall nach dem anderen nieder, seine Empfindlichkeit vor dem Licht erschwert ihm zunehmend seine Auftritte. Kurz bevor Joy Division den großen Sprung rüber in die USA wagen, begeht Ian Curtis Selbstmord.
Kritik
Der erste Spielfilm von Regisseur Anton Corbijn fällt vor allem durch schöne Schnitte und Kameraeinstellungen auf. Corbijn, der Ende der siebziger als Fotograf wegen Joy Division seine Heimatland Holland verließ um nach England überzusiedeln, drehte bis zu seinem Spielfilmdebüt vor allem Musikvideos. Auch in diesem Genre ist er hauptsächlich den 80er Jahren verbunden und den großen Bandnamen, die in dieser Zeit ihren Höhepunkt hatten. So entstand unter seiner Regieanweisung der Mitschnitt des Livekonzerts von Depeche Mode in Paris 2001. Für U2 fungiert seit 25 Jahren als Art Director. Und sein Freund Herbert Grönemeyer, der in Corbijns Londoner Nachbarschaft lebt, spielt in Control einen Arzt, der Curtis Medizin verabreicht.Corbijn versteht was von seinem Handwerk. Der Zuschauer erfährt dies wenn vor der Kulisse einer Abenddämmerung die Musik ein bevorstehendes Konzert erahnen lässt. Kurz darauf taucht vor der Kamera eine kurze, aber intensive Konzertsszene auf, Leute springen, der Sänger Curtis hält sich schweißgebadet am Mikro fest. Dass die Darsteller die Musikszenen tatsächlich selber spielen verstärkt den Eindruck, ganz nah dabei zu sein.
Nicht der Kameraschnitt allein kommt dem Film zu Gute. Auch die ausgesprochen hervorragende Schauspielleistung der Darsteller sticht ins Auge. Alle finden ihren richtigen Platz und wissen ihn in dem Film auszufüllen. Samantha Morton, die bereits bei "In America" unter der Regie von Jim Sheridan vor der Kamera stand, überzeugt in der Rolle einer frustrierten, einsamen Ehefrau. Alexandra Maria Lara tritt vor allem durch ihre Stille in Erscheinung und strahlt dennoch neben allen anderen Groupies, die regelmäßig bei der Band ein Autogramm bekommen möchten. Diese beiden Schlüsselrollen werden von der Rolle des Ian Curtis überboten: Sam Riley Debütrolle ist einfach grandios. Nicht nur in den Liveszenen ahmt er den wirklichen Curtis gut nach, auch abseits vom Scheinwerferlicht wird dem Zuschauer schnell klar, dass der werdende Star in seinem Leben unzufrieden und unglücklich ist. Bei so einem guten Schauspiel darf man gespannt sein, was der junge Riley, der seit dem Film mit Alexandra Maria Lara liiert ist, noch so Rollen besetzen wird.
Fazit: Wer was von einer der Inspirationsquellen heute lebender Musiker erfahren möchte, sollte sich diesen Film anschauen. Wer einfach nur ein gutes Drama mit guter Filmmusik sehen will, wird nicht enttäuscht sein.


