Verfasst von Miguel Zamorano am 24.02.08 11:49:00 - 2 Kommentare

Der Krieg des Charlie Wilson

Charlie Wilson's War

Moviereporter-Bewertung:
  • 4.5/6 Sterne.
Leserwertung (8): 4.25 / 6

Land USA

Genre Drama

Laufzeit: 97

Jahr 2007

Webseite
Trailer

Kinostart: 07.02.2008
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  • Der Krieg des Charlie Wilson (Charlie Wilson's War)
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Inhalt

Mit Tom Hanks, Julia Roberts, Philip Seymour Hoffman und Regie-Altmeister Mike Nichols steht geballte Oscarpower an der Spitze eines listigen Spionageabenteuers mit wahrem Hintergrund.

"Sie sind kein James Bond", sagt Charlie Wilson (Tom Hanks) zu Gust Avrakotos (Philip Seymour Hoffman). Dieser antwortet kurz und bündig: "Und sie sind kein Thomas Jefferson!" Beide haben Recht.

Anfang der 80er Jahre langweilt sich der texanische Kongressabgeordnete Wilson in seinem Leben, das hauptsächlich aus Abenteuern mit Frauen und Whiskey besteht. Ab und zu schaut er auch beim Kongress vorbei und stimmt für Gesetzesprojekte - deren Urhebern schuldet Wilson meist einen Gefallen, da auch sie für seine Vorhaben gestimmt haben. Zu Joanne Herring (Julia Roberts), eine Multimillionärin aus Texas, hat Wilson eine lose Beziehung, die sie als wiedergeborene Christin für ihre Zwecke zu nutzen weiß. Der dicke CIA Agent Gust Avrakotos hat dagegen andere Sorgen: Von seinem Vorgesetzten erniedrigt, poltert Avrakotos herum und zerstört dabei zweimal hintereinander die Fensterfront im Büro seines Chefs.

Auf einer Reise nach Pakistan inklusive Besuch eines an Afghanistan grenzenden Flüchtlingslager, wittert Wilson die Chance sich etwas mit Herz und Seele zu widmen. Gemeinsam mit CIA-Agent Gust Avrakotos plant er eine Erhöhung des Budgets für die Unterstützung der Mudschaheddin in Afghanistan. Denn als Mitglied des Verteidigungsausschusses sitzt Wilson an der zentralen Geldvergabestelle für verdeckte Operationen.

Kritik

Und so erzählt "Der Krieg des Charlie Wilson" die Geschichte der amerikanischen Unterstützung für die afghanischen Mudschaheddin, die sich den sowjetischen Truppen während ihrer Afghanistaninvasion widersetzen. Ein heißes Eisen möchte man meinen, welches der Regisseur Mike Nichols anfasst, entsteht doch mit der Unterstützung der Mudschaheddin einer der Pfeiler des heutigen Islamischen Extremismus, der Jahre später die USA und den Rest der Welt heim suchen wird. Mitnichten! Regisseur Nichols, dem bereits mit "Closer" ("Hautnah") eine Studie der zwischenmenschlichen und -geschlechtlichen Beziehungen glückte, schafft ein Film voller satirischem Glanz, der die Tragik solch einer politischen Entscheidung - die der Unterstützung zukünftiger Gegner - auf dem Höhepunkt zu führen weiß. Mittels präziser Fokussierung auf das Zustandekommen politischer Entscheidung und auf deren Kurzsichtigkeit, entwickelt Nichols eine der besten politischen Komödie der letzten Jahre. Dabei wählt der Regisseur eine derartige bissig-ironische Erzählweise, dass der Zuschauer im Laufe des Films davon überzeugt wird, dass Politik nichts Weiteres ist als zufälliges Handeln, dem nur wenige klar folgen können. So überzeugt Charlie Wilson den Kongress am Ende eine Milliarde Dollar springen zu lassen, um dem Iran am Hindukusch Einhalt zu gebieten. Nachdem die russischen Tanker Ende der 80er Jahre wieder Richtung Heimat rollen, bricht die finanzielle Unterstützung jedoch abrupt ab. Nicht einmal eine Millionen lumpige Dollar will man dann lockern machen, damit das Land wieder aufgebaut wird, dass Schulen entstehen und die Mehrheit der Bevölkerung eine bessere Zukunft bekommt. "Niemand interessiert sich einen Scheißdreck für Schulen in Pakistan", fährt ein Kongressabgeordneter Wilson an. Dieser korrigiert ihn: "Afghanistan!"

So viel Kaltschnäuzigkeit, so viel Witz, so viel Satire - auch wenn der Film dramaturgisch gelungen ist, kann man der der Starbesetzung keinen Mehrgewinn abgewinnen. Irgendwie möchte man Tom Hanks die Rolle eines zynischen Politikers, der seine Mitarbeiterinnen im Abgeordnetenbüro mit "Pressepussies" anredet, nicht abkaufen. War er zuvor als Darsteller aufgetreten, der meist glatte, saubere und moralisch unverwerfliche Charaktere verkörperte, gelingt ihm der Wandel zum satirischen Zyniker in diesem Film nicht ganz. Seine freche Miene, die der Zuschauer oft zu sehen bekommt, verleiht ihm nicht das Image, dass er vorzuspielen versucht. Zwischen Julia Roberts, die zeitweise auch deplaziert wirkt, und ihm etabliert sich allein Philip Seymour Hoffman als einzige wahrhaftig gute Besetzung. Hoffman vertieft sich so sehr in der Rolle des argwöhnischen CIA-Agenten, dass man nur staunen kann, wie locker ihm die Sätze aus dem Mund fallen. In der Tat, er ist kein James Bond, sondern nur ein dicker CIA-Agent. Sein Ungeschick im diplomatischen Umgang schränkt seinen Karriereweg extrem ein. Doch sein Spürsinn für seine Arbeit als Agent, als Informant zeichnet ihn aus. Kurz nach dem Abzug der sowjetischen Truppen, der in Washington die Sektkorken knallen lässt, nimmt er eine skeptische Haltung gegenüber jüngsten Erfolgen in Afghanistan ein. Nicht ohne Unrecht, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte.

Fazit: Dem Regisseur gelingt eine gute Umsetzung des Stoffes, doch nur Hoffmann allein schafft als Darsteller zu überzeugen. Dennoch: Der Film ist ein Muss für alle Freunde des politischen Kinos.

Jetzt kommentieren? / 2 Kommentare

  1. siBBe

    siBBe / 21.02.2008 15:31:27

    Toller Film, gute Story, sollte man sich mal ansehen. Philip Seymour Hoffman vor allem war richtig hammer in dem Film. Habe mich mehrmals gut weggepackt bei seinen Sprüchen


    5 Sternen

  2. Gambit521

    Gambit521 / 23.07.2008 04:15:58

    Der Typ hat es einfach drauf der bringt das immer so geil rüber


    nicht bewertet


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Der Krieg des Charlie Wilson (Charlie Wilson's War)
Universal Pictures International Germany GmbH

Regisseur

Mike Nichols

Schauspieler

Amy Adams, Tom Hanks, Julia Roberts, Philip Seymour Hoffman, Emily Blunt

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