Verfasst von Monika Gensinger am 17.10.07 09:34:00 - 0 Kommentare

My Blueberry Nights

Land Hong Kong, China, Frankreich

Genre Drama, Romanze

Laufzeit: 95

Jahr 2007

Webseite

Kinostart: 24.01.2008
Moviereporter-Bewertung:
  • 4.0/6 Sterne.
Leserwertung (1): 3.0 / 6
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Inhalt

Der Film handelt von nichts weniger als der Suche einer jungen Frau nach der wahren Liebe. Eine große romantische Liebesgeschichte, in der ein Kuss ein ganzes Leben verändert.

Alles beginnt mit einem Blaubeerkuchen: der Genuss des ersten Stücks in einem kleinen verwunschenen Café auf Coney Island ist gleichzeitig de Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Elizabth (Norah Jones) hat ihre Liebe verloren und Jeremy (Jude Law), der Café-Besitzer, ist für mehrere Näche ihr verständnisvoller Zuhörer. Eines Tages ist Elizabeth verschwunden, auf einen Abenteuertrip quer durch Amerika, einfach um zu vergessen...

 

Kritik

Filmkritik

Plötzlich schiebt sich über die Leinwand ein zischender, züngelnder  Lavastrom. Eine schwarz - blau - ockerfarbene Feuermasse rollt auf uns zu ...wird sie uns verbrennen? Aber nein, es ist ja nur jener kümmerliche Blaubeerkuchen, der so bedeutungsschwer zur XXL Großaufnahme aufgebläht wird - eine jener kunstvoll eingebauten Metaphern, die wie moralische  Feuersäulen in dem Film "My Blueberry Nights" stehen und sich letztendlich als harmlose Wunderkerzen entpuppen, die niemanden wirklich berühren, geschweige denn entzünden.  

In Wong Kar Wais erstem englischsprachigen Film "My Blueberry Nights" steht der Blaubeerkuchen für die Verlorenen und Verschmähten dieser Welt - er bleibt immer in der Kuchenvitrine zurück, wenn Apfel - und Erdbeerkuchen längst verputzt sind. Bis...ja, bis eine daherkommt, auch eine (von ihrem Liebhaber) Verschmähte, die sich mit dem Blaubeerkuchen solidarisiert: Elizabeth alias Norah Jones, die in dem Road Movie des Hongkonger Arthouse - Regisseurs ihr Leinwanddebüt gibt. In Wirklichkeit als Jazzsängerin und Grammy Gewinnerin ein Sonnenkind, nimmt sich das Stiefkind des Glücks ein Stück vom Kuchen und genießt ihn. Aber wirklich trösten kann sie das auch nicht. Es gibt keinen Trost in diesem Cafe in New York, auch wenn der Kuchen noch so gut und der Wirt (Jude Law) noch so einfühlsam ist. Also muß sich das melancholische Mädchen aufmachen, um in der Weite Amerikas ihr Heil und sich selbst zu finden. Aber der Zuschauer ahnt frühzeitig (spätestens nach dem keuschsten Filmkuß aller Zeiten, als Jeremy-Jude der schlafenden Elizabeth auf dem Tresen die Kuchenkrümel wegküßt): Es wird eine Reise mit Wiederkehr, denn Besseres und Heilsameres wird sie da draußen, entlang der Route 66, in Memphis und Las Vegas auch nicht finden, eher Schlimmeres. Und so entfaltet sich tatsächlich vor dem kleinen Mädchen ein Panoptikum der verlorenen Seelen, von Wong Kar Wai, dem aktuellen Meister der melancholischen Filmsprache ideenreich ins Bild gesetzt.

Zweifellos sind die Bilder grandios, groß und stark - ebenso wie die Themen dieses Films, der in diesem Jahr die Cannes-Filmfestspiele eröffnete. In Gemälden, die die Bandbreite von impressionistisch, expressionistisch bis spät-pychedelisch abdecken, werden einige große Fragen der Menschheit abgehandelt: Alkoholsucht, Spielsucht und die größte Sucht überhaupt: Jene nach Liebe. Aber das Großartige ist nur eine Hülle, die Bilder sind schön aber nichtssagend, die Menschheitsproblematik ist nur aufgeblasen auf Großformat wie der Blaubeerkuchen. Nichts geht tief, nichts berührt.  Es ist als stünde zwischen Akteuren und Zuschauer das  Schaufensterglas , durch das die Kamera von Darius Khondji so gerne lugt. Der Zuschauer bleibt draußen-er wird um den besten Kinoeffekt, die Emotion, betrogen.

Wong Kar Wai ,der mit seinen Film-Elegien "In The Mood for Love" oder "2046" die Melancholie in perfekte filmische Formen gegossen hat, hat sich also aufgemacht nach Amerika, um dort das gültige Road Movie für alle Melancholiker dieser Welt zu schaffen.In seinem Gepäck: Ein durchaus stimmiges Drehbuch,das er mit dem New Yorker Krimi - und Drehbuchautor Lawrence Block verfaßt hat. An seiner Seite: Eine brillante Schauspielertruppe mit Rachel Weisz, Natalie Portman, David Strathairn und dem überragenden Jude Law. Sowie: dem frischen und unverbrauchten Filmgesicht von Norah Jones.

"Ihre Stimme im Radio hatte mich berührt. Es ist eine Kinostimme", verrät der Regisseur. Er verbot ihr, Schauspielunterricht zu nehmen - eine kluge Entscheidung, wie sich zeigte, denn Norah Jones spielt das verlassene Mädchen Elizabeth mit der leichten Hand der begabten Newcomerin.

Wo beginnt ein amerikanisches Road Movie? Am besten in New York. Also:Jude Law steht als Wirt hinter dem Tresen eines Cafes,über das in lautem Rattern die Hochbahn fährt.Wie alle Wirte ist Jeremy Philosoph und Menschenfreund;er bewahrt die Schlüssel verlorener Seelen auf und hat ein Händchen für diese,auch für die junge Elizabeth, die eines Tages wie eine verschüchterte Fee hereinschneit und ihr Liebesleid klagt. Auch sie hinterlegt die Schlüssel ihres untreuen Liebhabers.

Wie in früheren Filmen Wong Kar Wais spielen Schauplätze wie Nachtbars, Cafes oder Schnellimbisse eine große Rolle - und auch in Blueberry Nights werden diese stilvoll  in Szene gesetzt.

Das Mädchen Elizabeth ist nun also on the road und findet sich als Kellnerin und Barfrau in Memphis  und Las Vegas wieder. Sie blickt in menschliche Abgründe - das läutert den Blick auf die eigene Situation. Sie wird freier, selbstsicherer, ein anderer Mensch, wenn man der beschwörenden Off-Stimme glauben will. Tatsächlich erscheint sie nun also großäugige Zuschauerin, wenn Menschen zu Sklaven ihrer Süchte-und Sehnsüchte werden. Der alkohol-und liebeskranke Cop (eindrucksvoll: David Strathairn), seine untreue Ehefrau (schöne Schlampe: Rachel Weisz), die glatt - zynische Pokerspielerin (Natalie Portman).

In beiden Fällen ist der Tod im Spiel, aber warum ist das so wenig anrührend - berührend? Allenfalls geht die Szene nahe, in der Rachel Weisz ihren toten Ehemann betrauert - aber die großen Themen rauschen an dem Zuschauer vorbei und hinterlassen nicht einmal einen Anflug von Anteilnahme. Vielleicht deshalb: Weil die Personen wie Statisten  agieren auf einer Bühne, die der Regisseur mit der ihm eigenen Kunstfertigkeit immer wieder neu gestaltet. Immer wieder meint der Regisseur sein ganzes Füllhorn von Ideen ausschütten zu müssen; ungewöhnliche Farbspiele, Zooms, Zeitlupen, große Kamerablicke auf kleine Dinge, unerwartete Close-ups. Bilder wie Collagen; alles wirkt künstlich, hingestellt, intellektuell durchdrungen, eitel - und manchmal lächerlich. So z.B.wenn beim Blick durchs Schaufenster die Schrift wie geheimnisvolle Schriftzeichen scheint und doch nur banale Reklame - Spiegelschrift ist.

Wong Kar Wai wollte zuviel; ein ganz anderer Blick auf Menschen und ein ganz neuer Blick auf Amerika. Aber er ist in Klischees steckengeblieben. Von Amerika zeigt er, was jeder Tourist mit seinem Camcorder aufnimmt; Großstadtneonlicht, ein graues Straßenband in brauner Wüste, ein blitzender Jaguar, uniforme Schnellimbisse oder Reklametafeln. Und seine Menschen? Sie sind Marionetten in einem Spiel, in dem das Künstliche über allem Lebendigen steht.


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