Verfasst von Sebastian Stumbek am 23.06.05 00:00:00 - 3 Kommentare

L.A. Crash

Crash

Moviereporter-Bewertung:
  • 5.5/6 Sterne.
Leserwertung (15): 5.26 / 6

Land USA

Genre Drama

Laufzeit: 113

Jahr 2004

Webseite
Trailer

Kinostart: 04.08.2005
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Inhalt

"Der Tastsinn ist ausschlaggebend. In jeder anderen Stadt wird man beim Gehen angerempelt und streift automatisch andere Passanten. In L.A. berührt dich niemand. Man befindet sich dauernd hinter Stahl und Glasbarrieren. Ich denke, die Leute vermissen die Berührungen so sehr, dass sie Kollisionen verursachen, nur um etwas zu spüren."

Ein junger Mann liegt tot im Gebüsch am Straßenrand, ein Schwarzer. Detective Graham Waters (Don Cheadle) nimmt mit seiner Partnerin Ria (Jennifer Esposito) die Ermittlungen auf. Noch weiß er nicht, dass der Fall auch sein Privatleben erschüttern wird. 36 Stunden zuvor: Zwei junge Schwarze, Anthony (Chris 'LUDACRIS' Bridges) und Peter (Larenz Tate), überfallen ein weißes Ehepaar, den ehrgeizigen Bezirksstaatsanwalt Rick Cabot (Brendan Fraser) und dessen verwöhnte, überängstliche Frau Jean (Sandra Bullock), mit vorgehaltener Waffe auf offener Strasse.

Eine von der Polizei sofort eingeleitete Fahndung nach dem gestohlenen Wagen verläuft im Sand, da die jungen Kriminellen in einem Industriegebiet von Los Angeles untergetaucht sind. Doch ausgerechnet dort überfahren Peter und Anthony einen Mann und verletzen ihn dabei schwer.

Die Frage nach einer angemessenen Reaktion wird für Rick und sein Anwalts-Team zum Spießrutenlauf. Denn dieser steht kurz vor der Wiederwahl. Da kann er Schlagzeilen wie "Staatsanwalt von Schwarzen ausgeraubt" momentan überhaupt nicht gebrauchen.

Den Carjackern auf der Spur treffen Officer John Ryan (Matt Dillon) und sein Partner Thomas Hanson (Ryan Phillippe) auf auf ein Auto dass den Gesuchten zum Verwechseln ähnlich sieht. Doch obwohl ihr Auto ein anderes Kennzeichen hat und die Personenbeschreibung nicht mit der vom Überfall in Westwood übereinstimmt, müssen der angesehene Fernsehregisseur Cameron Thayer (Terrence Howard) und seine Frau Christine (Thandie Newton) eine demütigende Kontrolle über sich ergehen lassen. Der Grund: Der altgediente Police Officer Ryan ist gerade sauer, weil die Versicherung die dringend notwendige Operation für seinen schwer kranken Vater nicht bezahlen will. Diesen Ärger lässt Ryan nun – zum Unbehagen seines, jungen, noch ziemlich unerfahrenen Partners Tom Hansen – an den beiden aus.

Keinen leichten Tag hat auch der iranische Ladenbesitzer Farhad (Shaun Toub). Dieser will sich in einem Waffengeschäft eine Pistole zum eigenen Schutz kaufen. Doch weil er den Ladenbesitzer nicht richtig versteht, kommt es zum Streit, in dessen Folge er aus dem Geschäft geworfen wird. Seine Tochter Dori (Bahar Soomekh) kauft schließlich doch noch eine Waffe, lässt sich die nächstbeste Munition aushändigen und folgt dann schleunigst ihrem verärgerten Vater. Dann gibt es Probleme, als Daniel (Michael Pena) das defekte Türschloss seines Ladens auswechseln soll. Er macht Farhad darauf aufmerksam, dass zu dessen eigener Sicherheit im Prinzip die ganze marode Tür ausgetauscht werden müsste. Doch der Perser wittert dahinter reine Geschäftemacherei und ist überzeugt, dass Daniel ihn übers Ohr hauen will. Der Schlosser kann gerade noch seine Arbeit beenden, dann wird er von Farhad, der einfach nicht wahrhaben will, dass mit seiner Tür etwas nicht in Ordnung ist, unter wüsten Beschimpfungen hinauskomplimentiert. Als Farhad kurz darauf auch noch ausgeraubt wird, sieht er rot. 36 Stunden in LA. 36 Stunden, in denen noch viele überraschende Dinge in Los Angeles passieren. Ereignisse, die Menschen auf furchtbare Weise trennen, aber auch auf wunderbare Art zusammen führen werden – Erlebnisse, die für manch einen glücklich, für manch anderen aber auch höchst tragisch enden werden und in denen sich die Wege dieser Personen nicht nur ein Mal kreuzen werden...

Kritik

In diesem Jahr machte Paul Haggis schon einmal gross Reden von sich. Er schrieb nämlich das Scipt zu Clint Eastwood’s Oscarabräumer 2005 Million Dollar Baby. Nun ist er mit einem neuen Script wieder am Start und führt auch gleich selbst Regie, und auch diesmal ist es ihm gelungen, eine gute Geschichte zu erzählen – in "L.A. Crash" sogar gleich mehrere. Die Idee zum Film kam Haggis, nachdem er in Los Angeles selbst einem Carjacking zum Opfer fiel nach Verlassen einer Videothek. Mit vorgehaltener Waffe wurde er aus seinem Auto gedrängt. Zuhause angekommen liess er sofort die Schlösser auswechseln und machte sich Gedanken über die Vorfall und die Täter, was wohl deren Gründe für die Tat wahren und wie sie dies selbst rechtfertigen – und so kam ihm die Idee zu L.A.Crash – allerdings erzählt aus der Täterperspektive.

Worum geht es in Crash? Erzählt wir der Film in vielen einzelnen Geschichten von mehreren Personen, die auf den ersten Blick völlig verschieden voneinander sind. Nach und nach fügen sich die Stränge zusammen zu einem Ganzen, da alle Personen aufeinander Treffen, teils sind es glückliche Zusammentreffen, teils aber auch sehr tragische. Was all diese Personen gemeinsam haben ist in erster Linie Rassenhass oder zumindest Vorurteile gegen die Anderen und die persönliche Angst davor. Es Treffen im Film nämlich alle Rassen aufeinander, ob nun Schwarze, Weisse oder Latins, und alle hegen sie Vorurteile gegen die Anderen. Und alle diese Personen geben im Film ganz klar ihre Meinung zur Rassenfrage wieder ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, in aller Härte und Grausamkeit. Einige versuchen sich sozial zu verhalten und meinen von sich selbst die anderen nicht zu kritisieren, aber es äussert sich bei jedem, ob gewollt oder nicht. Schuld daran ist grösstenteils die Angst die sie alle haben. Alle Menschen im Film sind einsam und ziehen sich zurück, bleiben nur in ihrem Freundeskreis, wodurch sie engstirnig und voller Vorurteile gegen die Anderen sind. So trauen sich zB. Die Weissen nicht in Gegenden, in denen vorwiegend Schwarze leben, Schwarze wiederum fühlen sich in "weissen" Gegenden verloren. Statt dass alle offener und nicht so oberflächlich mit ihren Mitmenschen umgehen, urteilen sie lediglich nach schwarz oder weiss, gut oder böse.
Nachdem Jean Cabot (Sandra Bullock) beispielsweise einem Carjacking im Film zum Opfer fällt, verfällt sie zuhause in panische Angst. Sofort lässt sie ihre Schlösser auswechseln. Als sie bemerkt, dass der Mann, der ihre Schlösser auswechselt, ein tätowierter Latino ist, macht sie diesen verbal nieder da sie damit rechnet, dass er die Schlüssel gleich an seine Gangfreunde verteilen würde und verlangt gleich nach einem neuen Schloss. Allersings sieht sie nicht den Menschen an sich, der im Grunde ein liebevoller führsorglicher Vater ist, sondern "nur" den Latino, der wie ein Bandenmitglied aussieht.
Die Vorurteile äussern sich zB. auch dann, als ein weisser Produzent dem schwarzen Regisseur Cameron Thayer (Terrence Dashon Howard) erklärt, dass einer ihrer schwarzen Darsteller nicht "schwarz genug" klinge, er wundere sich sogar dass der schwarze Darsteller zu "normal" spreche, merkt aber nicht dass dies auch sein Gegenüber Cameron Thayer tut.

Trotz der anfangs vielen Handlungssträngen lernt man die Charaktere sehr schnell kennen, fühlt mit ihnen mit und sich gleich involviert. Allerdings weiss man wirklich nie, wie sie sich im nächsten Moment verhalten werden, denn der komplette Film basiert auf Zufällen, alles ist möglich, was beim Zuschauer eine grosse Spannung erzeugt, da man nie weiss, was nun als nächstes passiert. Darum sollte man sich nie allzu sicher sein, dass man einen Menschen, den man zuvor diskriminiert hat, nicht noch mal treffen könnte, was im Film mehr als einmal passiert, aber auch im wirklichen Leben so ist, was den meisten Menschen leider nicht bewusst ist. Da wäre in L.A.Crash zB. John Ryan (Matt Dillon), der Cameron Thayer (Terrence Howard) und seine Frau Christine (Thandie Newton) bei einer Verkehrskontrolle zutiefst demütigt und seine Position als Officer ausnutzt ohne sich darüber bewusst zu sein, die beiden möglicherweise doch noch mal zu treffen.

All diese Charaktere im Film haben, wie bereits erwähnt, Vorurteile und äussern diese ohne sich deren möglichen Konsequenzen bewusst zu sein. So stösst jedem etwas zu, alle geraten in Extremsituationen, alles basierend auf Zufällen mit denen niemand gerechnet hätte, einigen widerfahren positive Dinge, den anderen negative Dinge, meist aber letzteres und dadurch erst Realisieren sie einiges in ihrem Leben was sie zuvor nie bemerkt haben. Einige lernen aus ihrem falschen Verhalten und ziehen ihre Konsequenzen, sehen, dass sie etwas in ihrem Leben falsch getan haben und eine völlig falsche Denkweise hatten und erleben dadurch eine Veränderung zum Besseren, erlangen wieder etwas Hoffnung und geraten auf den richtigen Weg, einige aber leider nicht.

So erleidet Jean Cabot (Sandra Bullock) beispielsweise einen Unfall, keiner ist aber zur Stelle um ihr zu helfen, ihre angeblich beste Freundin unterzieht sich lieber einer Massage als für ihre Freundin da zu sein. Wer aber da ist, ist ihre lateinamerikanische Haushälterin, die Jean zuvor noch schlecht behandelt hat, der einzige Mensch der ihr in diesem Moment hilft.

Was in L.A.Crash sehr positiv neben der guten Handlung ist, ist auch die fantastische Besetzung der Rollen. Don Cheadle, der zuletzt eine Meisterleistung in Hotel Ruanda ablieferte, ist auch hier wieder top und spielt seine Rolle wunderbar. Auch Matt Dillon überrascht als sehr vielseitiger Charakter mit viel Tiefgang, genau wie sein Partner Ryan Phillipe, der in L.A. Crash nun auch beweisen kann, dass er zu viel mehr fähig ist als sonst. Thandie Newton und vor allem Terrence Dashon Howard haben mich persönlich am meisten überzeugt, beide berühren den Zuschauer zutiefst und lassen ihn mit beiden mitfühlen. Sandra Bullock hat nach all den Comedys wie Miss Undercover und co. endlich mal eine ernsthafte und ernstzunehmende Rolle abbekommen. Als sie das Drehbuch durchlas wollte sie sofort dabei sein, um jeden Preis.
"Ich las das Drehbuch in New York und war sofort fasziniert, absolut überwältigt," erzählt Bullock. "Als ich es zugeklappt hatte, rief ich sofort an und bot ihnen an, jeden Part zu übernehmen, so lange sie mich nur mitmachen ließen. Man liest nur selten einen Stoff, bei dem man sofort das Haus verlassen und zu arbeiten anfangen möchte. Da musste ich einfach dabei sein."
Und sie zeigt, dass sie zu mehr als blödeln fähig ist. Zwar ist ihr Part recht kurz, aber immerhin nutzt sie diesen. Wer aber vor allem überrascht ist ganz klar Chris 'Ludacris' Bridges. Von einem Hip-Hopper erwartet man ja eigentlich keine grosse schauspielerische Leistung. Aber Ludacris macht seine Sache wirklich gut und spielt einen sehr vielschichtigen Charakter.

Die Musik des Films vom Komponisten Mark Isham trägt auch sehr gut zur Stimmung bei. Sie ist sehr ruhig und melancholisch, schafft also genau die richtige Atmosphäre für den Film, meist ganz ruhige und langsame Klänge.

Fazit: Nach "Million Dollar Baby" hat Paul Haggis es wieder einmal geschafft ein sehr gutes und tiefgründiges Drama zu schaffen, auch wenn man beide Filme nicht wirklich miteinander vergleichen kann. L.A.Crash zeigt, dass wir alle Vorurteile gegen die anderen Rassen haben, ob wir es zugeben wollen oder nicht, es betrifft leider jeden. Er Regt durch den Schmerz, die Härte und die Grausamkeit den Zuschauer zum Denken an und an die Hoffnung auf Besserung. Er zeigt, dass alle Menschen Egoisten sind, nur an sich denken und sich leider nicht darüber bewusst sind, wie viel Schaden sie bei Anderen anrichten können mit ihrem Handeln. Auf jeden Fall sehenswert.

Jetzt kommentieren? / 3 Kommentare

  1. mye

    mye / 10.12.2007 16:27:12

    komisch, aber ich kann dieser sehr guten bewertung nicht zustimmen, eigentlich ein film, der prädestiniert ist, mir zu gefallen und trotzdem bin ich schon nach dem ersten schauen enttäuscht aus dem kino gegangen und auch als ich nun mal wieder auf DVD geschaut habe hat sich daran zumindest nicht allzu viel geändert


    4 Sternen

  2. ThorriZ

    ThorriZ / 10.01.2008 00:39:02

    hmm, also ich weiss nicht, was du daran auszusetzen hast - ich finde den film auch sehr gelungen, schon allein wie die schicksale der verschiedenen figuren miteinander verknüpft werden.


    5 Sternen

  3. Kaspian

    Kaspian / 10.01.2008 21:35:15

    Ich hab damals als die Oscars vergeben worden sind schon das B für Brokeback geschrieben gehabt.....


    nicht bewertet


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