Verfasst von Thorsten Meiritz am 31.05.07 10:28:29 - 5 Kommentare

Tödliche Versprechen - Eastern Promises

Eastern Promises

Moviereporter-Bewertung:
  • 4.5/6 Sterne.
Leserwertung (11): 4.36 / 6

Land Großbritannien, Kanada

Genre Crime, Thriller

Laufzeit: 100

Jahr 2007

Webseite

Kinostart: 27.12.2007
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Inhalt

Mord, Gewalt, Sex, Korruption - in seinem neuen Thriller blickt der kanadische Kultregisseur David Cronenberg unter die schillernde Oberfläche Londons und stößt dabei auf das organisierte Verbrechen: das dunkle Herz der Themsemetropole.

Als bei einer Geburt in einem Londoner Krankenhaus die Mutter verstirbt, nimmt sich die Krankenschwester Anna (Naomi Watts) der Aufgabe an, Familienangehörige der Verstorbenen und des Neugeborenen zu finden. Die einzigen Hinweise auf die Identität der jungen Frau sind ein Tagebuch, geschrieben in Russisch und eine darin befindliche Visitenkarte. Anna, die selbst russische Wurzeln besitzt, bittet ihren Onkel Stepan (Jerzy Skolimowski) das Tagebuch für sie zu übersetzen. Sie selbst verfolgt die Spur der Visitenkarte, die sie zu einem transsibirischen Restaurant führt.
Dort macht sie die Bekanntschaft von Semyon (Armin Mueller-Stahl), der nach Außen hin ein seriöser Geschäftsmann zu sein scheint. Er bittet sie, ihr das Tagebuch auszuhändigen, unter dem Vorwand es zu übersetzen. Nicht ahnend, dass sie es mit dem Oberhaupt einer russischen Gangsterorganisation zu tun hat, willigt Anna ein. Semyon hat jedoch ein persönliches Interesse an dem Tagebuch, denn es bringt seinen Sohn Kirill (Vincent Cassel) und ihn selbst mit einem Verbrechen in Verbindung. Beim verlassen des Hauses trifft Anna auf Kirill und dessen schweigsamen Chauffeur und Leibwächter Nikolai (Viggo Mortensen).
Später erfährt sie von Stepan mit wem sie sich eingelassen hat. Doch Anna steckt schon zu tief in der Sache, um noch auszusteigen, denn Semyon ist ihr bereits auf der Spur. Er will unter allen Umständen das Tagebuch in seinen Besitz bringen und schreckt vor nichts zurück. Er setzt Nikolai auf die Sache an, der sich unbedingt in der Hierarchie nach oben arbeiten und endlich ein Mitglied der Organisation werden will. Doch scheint der wortkarge mysteriöse Gangster ein Geheimnis zu bergen…

Kritik

David Cronenberg, der für seine explizite Darstellung von Sex und Gewalt bekannt ist, zieht den Zuschauer ein weiteres Mal mit schonungslosen Bildern in seinen Bann. Diesmal widmet er sich dem organisierten Verbrechen, genauer gesagt dem Wirken der russischen Bruderschaft Vory V Zakone in der Millionenmetropole London. Diese Organisation entstand in den 1930er Jahren in den sibirischen Gefangenenlagern, den Gulags. Drehbuchautor Steve Knight stieß bei seinen Recherchen auf diese Verbrecherorganisation. Ursprünglich hatte er den Auftrag, einen einstündigen TV-Film über Menschenhandel in Osteuropa zu schreiben, doch stellte sich heraus, dass das Material besser für ein Spielfilmdrehbuch geeignet ist.
Cronenberg und Knight kombinieren die recherchierten Fakten gekonnt mit einem Familiendrama und schaffen so ein überaus düsteres Stimmungsbild. "Eastern Promises" knüpft beinahe nahtlos an Cronenbergs vorherigen Film "A History of Violence" an, wenn auch an anderer Stelle. Dennoch werden erneut die Themen Identität und Familie angesprochen und die Akteure werden abermals mit gefährlichen Situationen und einem moralischen Dilemma konfrontiert. Cronenberg bedient sich hierfür wie üblich eines sehr ruhigen und detailreichen Erzählstils, der jedoch urplötzlich und ohne Vorwarnung von schonungslosen und explizit brutalen Szenen durchbrochen wird. Auf diese Weise wird der Zuschauer gnadenlos in das Geschehen hineingezogen.
Die unzähligen Tätowierungen, die im Film zu sehen sind spielen eine wichtige Rolle in der russischen Unterwelt. Die Tätowierungen zeigen wer man ist – ohne sie existiert man nicht. In den russischen Gefängnissen lassen sich die Kriminellen sozusagen ihre Lebensgeschichte in die Haut stechen. Daher war es notwendig, die Tattoos so echt wie möglich darzustellen. So werden sie zu einer starken Metapher im Film. Allein Viggo Mortensen wurden 43 Tätowierungen auf die Haut gemalt. Wie echt sie wirken beweist wohl eine kleine Anekdote: Als er während der Dreharbeiten ein russisches Restaurant besuchte hielten die Gäste den Atem an und schwiegen als er eintrat, denn sie hielten ihn für einen hochrangigen Vory.

Für David Cronenberg kam von Anfang an nur ein Schauspieler für den Part des Vory V Zakone Fußsoldaten in Frage: Viggo Mortensen. Die Beiden wollten nach "A History of Violence" unbedingt wieder zusammen arbeiten. Mortensen verkörpert den geheimnisvollen Nikolai, der als Kirills Lakai aus der Nähe die Familiengeschäfte verfolgen kann. Er tritt als knallharter und skrupelloser Gangster auf und scheint doch eine andere, sanfte Seite zu besitzen. Mortensen verbrachte in Vorbereitung auf seine Rolle mehrere Wochen in Russland und tauchte tief in die russische Kultur ein. Er informierte sich sogar über das Gewerbe der Sexhändler, über die Gangs im Ural und verbrachte Zeit mit einer Menge unehrenhafter, russischer Typen. Auf diese Weise gelingt es ihm seine Rolle sehr glaubwürdig darzustellen.
Die weibliche Hauptrolle hat die australische Aktrice Naomi Watts inne. Sie wollte schon seit langer Zeit mit Regisseur Cronenberg zusammen arbeiten und nahm die Rolle der Krankenschwester Anna ohne zu zögern an. Um sich in ihre Figur hineinversetzen zu können verbrachte sie viel Zeit in einem Krankenhaus und wohnte sogar einigen Geburten bei. Zudem lernte sie auch Motorradfahren. Anna macht es sich zur Aufgabe Angehörige des neugeborenen Babys aufzuspüren. Sie will aus ihrem langweiligen Alltag ausbrechen und fühlt sich zu dem düsteren Nikolai hingezogen. In ihrem tiefsten Inneren ist sie jedoch eine sehr verletzliche Person, die durch erlittene Verluste geprägt ist.
Das französische Enfant terrible Vincent Cassel schlüpft in die Rolle des heißblütigen Gangsters Kirill, der seine Probleme versucht im Alkohol zu ertränken. Als Sohn des Bandenoberhauptes besitzt er sehr viel Macht und ist doch sehr unsicher. Er hatte eine harte Kindheit und litt unter seinem finsteren Vater. Er kennt nichts anderes als die Familiengeschäfte und ist überaus gefährlich und gewalttätig. Er leidet auch als Erwachsener noch unter seinem Vater und ist in seiner Gegenwart noch immer der kleine Junge.
Semyon, Kirills Vater und Oberhaupt der Vory V Zakone, wird von dem deutschen Charakterdarsteller Armin Mueller-Stahl gespielt, der seit einiger Zeit schon keine so bedeutende Rolle mehr hatte. Er verkörpert Sanftheit und eine unglaubliche Stärke zugleich – eine Kombination die Angst einflößend wirkt. Trotz seiner Brutalität geht Semyon sehr gefühlvoll mit seinen Enkeln um und pflegt eine ähnliche Haltung zur russischen Musik

Stichwort Musik: diese wurde von keinem Geringeren als Oscarpreisträger Howard Shore beigesteuert. Der kanadische Komponist hat bereits zuvor mehrfach mit David Cronenberg zusammengearbeitet. Auch dieses Mal liefert er eine sehr solide Arbeit ab.

Fazit: Kultregisseur David Cronenberg inszeniert mit "Tödliche Versprechen – Eastern Promises" erneut ein atmosphärisches Drama, das besonders durch eine interessante Story und herausragende Schauspieler besticht. Allerdings ist an dieser Stelle auch eine Warnung angebracht, denn wie üblich führt er dem Zuschauer mittels expliziter Darstellung schonungslos die Gewalt vor Augen, so dass der Film nicht unbedingt etwas für zart besaitete Gemüter ist.

Jetzt kommentieren? / 5 Kommentare

  1. Nightwalker

    Nightwalker / 30.12.2007 20:15:51

    Ziemlich brutal. Story ist ganz ok, Schauspieler auch. "TV Movie" und "Cinema" sagen jetzt schon Kult und Klassiker. Deren Meinung bin ich nicht...

    5,5/10


    2 Sternen

  2. SERF

    SERF / 30.12.2007 23:04:08

    Also ich fand die Story ganz OK, obwohl Vigo und Armin als Russen nicht ganz durchgehen, auch Vincent mit russischem Akzent ... darauf muss man sich erst einmal einlassen. Wenn man sich daran gewöhnt hat, kommt die Geschichte gut daher, könnte ein bisschen spannender sein, aber letztendlich für jeden ein MUSS, der auf Mafiafilme steht!!!


    4 Sternen

  3. asima

    asima / 10.01.2008 10:38:27

    bei diesem film war ich total von der leistung der schauspieler begeistert. der film ist teilweise sehr brutal aber hat eine ruhige und gerade erzählstruktur. durch die durchgehend guten bis sehr guten kritiken habe ich mir vielleicht zu viel erwartet, wurde aber nicht total enttäuscht. ist ein sehr guter film aber es fehlt einfach noch was das ihn zu einem "pflichtfilm" macht. sehenswert allemal! A.H.


    4 Sternen

  4. siBBe

    siBBe / 14.01.2008 18:23:22

    asmima fasst es eigentlich ganz gut zusammen, guter Film, aber kein hammerfilm. respekt aber was viggo sich da getraut hat (wer ihn gesehn hat weiß was ich meine)


    4 Sternen

  5. DocProc

    DocProc / 25.05.2008 12:22:15

    naja, nach den vielen guten Kritiken vorab, hätte ich mir schon mehr erwartet, aber des ist irgendwie immer des Problem! Trotzdem ein passabler Film.


    3 Sternen


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