Verfasst von André Gabriel am 08.06.05 00:00:00 - 0 Kommentare

Sky Captain and the World of Tomorrow

Moviereporter-Bewertung:
  • 4.5/6 Sterne.
Leserwertung (7): 4.14 / 6

Land USA

Genre Action, Animation, Komödie

Laufzeit: 106

Jahr 2004

Webseite
Trailer

Kinostart: 18.11.2004
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Inhalt

Es ist selten und geschieht doch noch: die Filmbranche erfährt eine neue Idee - komplett vor dem Blue-Screen gedrehte Szenen, eine rein am Computer erstellte Welt... aber reale Darsteller.

Polly Perkins (Paltrow) ist Journalistin und immer auf der Suche nach einer guten Story. Die hohen Gebäude von New York, in einer Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg, zieren den Hintergrund. Die Geschichte beginnt mysteriös: immer wieder tauchen neue Meldungen über verschwundene Wissenschaftler auf. Perkins erhält, und wie so oft zahlt sich ihr gutes Gespür und ihr Ehrgeiz aus, von einer vertrauenswürdigen Quelle eine Information, der sie sofort nachgeht - er ist der letzte Wissenschaftler der Gruppe 11, die in Berlin vor Jahren gearbeitet hat. Doch woran?

Und was sind das für riesige Flugmaschinen, die plötzlich landen und durch die Straßen von New York spazieren? Perkins befindet sich mitten im Chaos, das die kolossalen roboterähnlichen Geschöpfe anrichten. Fahrzeuge fliegen durch die Luft, Häuser stürzen ein... und Perkins sucht noch immer den idealen Schnappschuss.
Dann wird Joe Sullivan (Law) gerufen, der Sky Captain. Ihm folgt eine Elite-Truppe aus Kampfflugzeugen, die auf einer Pazifik-Basis auf ihre Einsätze warten. Auf dieser Basis brütet Dexter (Ribisi), Techniker und Freund des Sky Captain, über die Entschlüsselung eines Codes, der ihm den Herkunftsort der Roboter verrät. Noch wenige Minuten, heißt es, doch Sullivan und Perkins befinden sich längst gemeinsam in der Höhe und in höchster Gefahr. Immer wieder will die brillante Journalistin den Sky Captain bevormunden, ihm sagen, welche Abkürzungen er fliegen soll, bis sie schließlich in einer Sackgasse landen. Und in der Zwischenzeit: eine in schwarze Kleider vermummte weibliche Gestalt betritt die Pazifik-Basis, monströse Roboter mit fangähnlichen Schlangenarmen begleiten sie. Und kurz bevor Dexter den entschlüsselten Code an den Sky Captain übermitteln möchte, hindert ihn einer der Roboter daran, hebt ihn in die Höhe... und die Szene endet.

Was wir noch erfahren: Perkins und Sullivan sind alte Bekannte. Sogar mehr als das. Doch die Beziehung, die sie einst führten, zerbrach an zwei Konflikten. Sullivan wirft Perkins vor, dass sie sein Flugzeug manipuliert hat, sie spricht hingegen von einer Affäre, die er aber noch nicht zugegeben hat.

Um Dexter zu befreien und den Spuren nachzugehen, die Perkins von dem letzten verbliebenen Wissenschaftler gelegt bekam, machen sich Perkins und Sullivan, erneut vereint, da sie in der Angelegenheit voneinander abhängig sind, auf den Weg - der sie zuerst in den eisigen Himalaya führt. Das Ziel ist klar: ein Name, den Polly erfuhr, als sie das geheime Gespräch in dem Kino geführt hatte; mit einem Wissenschaftler, der Zwerg-Elefanten züchtet - der Name lautete: Dr. Totenkopf.

Kritik

In erster Linie sollte erwähnt werden, dass die Kulissen und Sets des Films nicht real sind. Jede Landschaft, durch die die Protagonisten und Figuren wandeln, alle Gebäude, ob innen oder außen, sind am Computer erstellt worden. Was hat der Zuschauer davon: zum einen bis ins letzte Detail wunderbar perfekt ausgeleuchtete Sets, zum anderen ein visuelles Vergnügen, dass zeitweise seinesgleichen sucht. Regisseur Kerry Conran spart nicht an schönen Bildern, immer wieder werden wir mit gekonnt eingesetzten stillen Aufnahmen konfrontiert, die lediglich zur Schaffung einer angenehmen Atmosphäre dienen. Demnach ist Sky Captain and the World of Tomorrow rein visuell betrachtet ein absoluter Genuss.
Übrigens: die Figuren wurden nahezu perfekt in die vom Computer simulierten Sets eingefügt, da kann ich mich an keine Szene erinnern, die irgendwie störend oder misslungen wirkte.

Das grobe Konstrukt ist simpel, aber nachvollziehbar: die persönlichen Diskrepanzen zwischen dem ehemaligen Paar sind immer wieder vor allem durch Dialogwitz sehr unterhaltsam und es gibt zwei Stellen, da werden sie wohl aus dem Lachen so schnell nicht mehr heraus kommen (vielleicht sogar drei). Diese Seite des Films, die humoristische Seite, ist gut angelegt, da sie nicht zu übertrieben dargestellt wird, der Humor aber auch nicht zu kurz kommt.

Die Geschichte an sich ist interessant erzählt. Längen tauchen nicht auf und aufgrund der Tatsache, dass die Kulissen immer wieder in beeindruckender Weise wechseln, kann so etwas wie Langeweile im Grunde genommen auch gar nicht entstehen. Sicher, da der Film größtenteils am Computer entstanden ist, kann man nun sagen: die Verantwortlichen hatten ja auch jede Freiheit bezüglich der Sets und Umgebungen. Das ist auch richtig, fraglich ist nur, ob man dies nun auch ordentlich ausgenutzt hat. Und dazu kann ich nur sagen: eindeutig. Dieser Aspekt korreliert zwar mit dem visuellen Reiz des Films, aber hinzu kommt eben noch eine gewisse Vielfalt, die den Unterhaltungsfaktor des Films letztlich einwandfrei unterstützt.

Die Darsteller wurden gut gewählt. Allen voran Gwyneth Paltrow (Shakespeare in Love), die die Gegeninhalte der ehrgeizigen Journalistin und der eifersüchtigen Ex-Freundin wunderbar umsetzt und eine Figur zum Leben erweckt, die den gesamten Film über Spaß macht.
Jude Law (I Heart Huckabees, Alfie, Closer) ist eine gelungene Wahl für den Sky Captain. Teilweise lässig und cool in seinen Sprüchen und Handlungen, ist er im Ernstfall der Kämpfer, den sich eine junge Frau wie Perkins gern an ihre Seite wünscht, wenn es zu Gefahren kommt. Kurzum: man nimmt ihm den furchtlosen Helden ab, den er verkörpern soll, und da stört es auch nicht, dass er zwischendurch immer wieder auf die Hilfe anderer zurückgreifen muss - auch auf die Hilfe von Polly.
Wer sich den Film anschaut, weil er oder sie Fan von Schauspielerin Angelina Jolie (Mr. and Mrs. Smith) ist, wird enttäuscht sein. Ihre Rolle in dem Film ist nur sehr klein, wenn auch außerordentlich wichtig und cool (hier passt diese Beschreibung wirklich).
Regisseur Kerry Conran, der 1967 in Flint, Michigan, geboren wurde und aufwuchs, machte mit Sky Captain and the World of Tomorrow sein Regiedebüt. Er schrieb auch das Drehbuch zum Film.

Der 40er-Jahre-Stil von Sky Captain and the World of Tomorrow wurde detailreich nachempfunden und so ist eine Mischung aus Science-Fiction und klassischem Krimi entstanden, die tatsächlich funktioniert. Je näher der Film dem Finale kommt, desto futuristischer werden die Kulissen und diese Wandlung vom typisch klassischen Extra-Blatt-Genre zu einem Actionfilm mit wirklich guten Special-Effects ist in diesem Sinne revolutionär und prächtig anzusehen.

Einige Hintergrundinformationen: das Äußere der fliegenden Roboter wurde nach dem Vorbild von Max Fleischers Superman-Cartoon Mechanical Monsters (1941) konzipiert.
Die Drehzeit für den Part von Angelina Jolie betrug lediglich drei Tage.
Die Nummer auf der Tür von Dr. Walter Jennings (1138) soll an THX 1138 (1971) von George Lucas erinnern.
Auch der leibliche Vater von Jude Law, Peter Law, hat eine kleine Rolle in dem Film - er mimt die Figur Dr. Kessler.
Der Name Dr. Totenkopf ist im Original gleich und so weist IMDb beispielsweise darauf hin, dass Totenkopf mit skull übersetzt wird.

Fazit: Der Film ist von Anfang bis Ende die pure Unterhaltung. Mitunter richtig lustig, ist der Beziehungskonflikt der beiden Hauptfiguren den gesamten Film über sehr amüsant. Hinzu kommt eine Story, die im Endeffekt zu überzeugen weiß und sich somit problemlos in die weiteren Vorzüge von Sky Captain and the World of Tomorrow einfügt. Der Handlungsablauf ist brillant, die Sets sind zeitweise atemberaubend. Aufgrund der gelungenen Mischung von Science-Fiction, Action, Comedy und Abenteuer kommt definitiv keine Langeweile auf.
Nur eines kann er nicht, wenn jemand den Vergleich wagen sollte: er hält nicht mit Indiana Jones mit und ist auch kein Nachfolger dessen, wie manch einer wohl behauptet haben soll. Der Film ist von seiner Machart her revolutionär und bereichert die Filmbranche mit einer neuen Idee, die es sicher nicht ständig geben sollte, denn das Reale ist dann doch irgendwie auch das Richtigere, aber hin und wieder ist das eindeutig in Ordnung und auch von Vorteil - und so hoffe ich auf einige Sequels und weitere Geschichten rund um den Sky Captain Joe Sullivan und Polly Perkins.

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