Verfasst von Steffen Scharer am 29.07.07 10:47:15 - 4 Kommentare

Death Proof - Todsicher

Death Proof

Moviereporter-Bewertung:
  • 5.0/6 Sterne.
Leserwertung (12): 4.41 / 6

Land USA

Genre Crime

Laufzeit: 113

Jahr 2007

Webseite

Kinostart: 19.07.2007
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Inhalt

Frauen-Power mit einer Dosis Highspeed!

Texas. Hier sind die Straßen lang und einsam. Das ideale Jagdrevier für den Serienkiller Stuntman Mike (Kurt Russell). Mit seinem Muscle Car macht sich Mike auf die Jagd nach hübschen, jungen Mädels. In einer Bar lernt er die heiße texanische DJane Jungle Julia (Sydney Tamiia Poitier) und ihre attraktiven Freundinnen Arlene (Vanessa Ferlito), Shanna (Jordan Ladd) und Pam (Rose McGowan) kennen. Sie trinken, flirten und albern herum, nicht ahnend, dass der Tod schon lauert.

Einige Zeit später genießen drei andere Frauen ihre freie Zeit. Zoë (Zoe Bell), Kim (Tracie Thoms) und Abernathy (Rosario Dawson) arbeiten beim Film und haben für ein paar Tage drehfrei. Bei einem Highspeed-Spielchen stößt das Frauen-Trio auf Mike. Doch diese Girls durchschauen schnell, mit welchem Typen sie es zu tun haben. Sie drehen den Spieß um und gehen zum Angriff über. Ein Road-Duell auf Leben und Tod beginnt...

Kritik

Mit "Death Proof - Totsicher" schafft Regisseur und diesmal auch Kameramann Quentin Tarantino eine Hommage an die 70er Jahre Trashkinos, genannt Grindhouse. Wenige Filmkopien wurden damals von einem Grindhouse zum nächsten weitergereicht, was sich natürlich negativ auf die Qualität der Rollen auswirkte. Inhaltlich waren die Filme von der übelsten B-Sorte. Nicht nur, dass es so gut wie keine Handlung gab, es wurde auch extrem viel Gewalt und Sex gezeigt. Und genau dieser Filme huldigt Tarantino zusammen mit seinem Buddy Robert Rodriguez. Denn unter dem Titel "Grindhouse" machte jeder einen Film (Tarantino - "Death Proof" und Rodriguez - "Planet Terror"), um diese als Double Feature in den USA in die Kinos zu bringen. Leider floppte das neue Grindhouse an den amerikanischen Kassen trotz guter Kritiken. Bei uns kommen die beiden Filme einzeln, dafür in den längeren internationalen Fassungen in die deutschen Kinos. Leider fehlen bei uns aus diesem Grund auch die "Fake-Trailer", welche die beiden Filme in den Staaten trennt. Wie man im Netz aber hin und wieder zu lesen bekommt, werden die Fake-Trailer wohl im Oktober bei Rodriguez' "Planet Terror" bei uns zu sehen sein. Ob dies zutrifft, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall werden wir wohl auf die DVD, mit hoffentlich beiden Filmen darauf, und allen Fake-Trailern warten müssen.

Was ist "Death Proof" für ein Film?
Auf jeden Fall kein Actionfilm, mehr ein "Frauenfilm". Es geht um Frauen und wird aus deren Sicht erzählt. Dass Quentin Tarantino ein Faible für starke Frauen hat, wissen wir ja schließlich nicht erst seit er in "Kill Bill" Uma Thurman einen zweiteiligen Rachefeldzug durchführen lies. Und bis auf Kurt Russel als Stuntman Mike gibt es auch keine Männer in der Besetzung, lassen wir die kurzen Nebenrollen, inklusive Tarantino als Barmann Warren einfach mal außen vor. Russel verbindet die beiden Teile des Films und hat endlich nach "Snake Plissken" in der Klapperschlnage wieder eine richtig coole Rolle zu spielen. Das weibliche Geschlecht wird dies aufgrund der massiven Gewaltdarstellung und freizügigkeit der Darstellerinnen allerdings nicht auf den ersten Blick erkennen, dass "Death Proof" tatsächlich ein Frauenfilm ist. Aber hier bekommt das vermeintlich starke Geschlecht von starken Frauen wirklich eins auf den Deckel. Männer müssen hier einfach einen Hang zur Irnoie haben. Besonders deutlich wird dies in einer Szene, in der Stuntman Mike in die Kamera schaut und lächelt. Dies ist ein eindeutiges Zeichen dafür, wie der Film verstanden werden will.
Um zu zeigen, wo es lang geht, lassen sich die Mädels aus der zweiten Filmhälfte nicht so leicht von Stuntman Mike unter die Erde kriegen, wie die Girls aus der ersten Hälfte. Nein, sie drehen den Spieß um und machen Mike zum Gejagten, was in einer wirklich coolen Verfolgungsjagd endet. Übrigens verzichtete Tarantino bei den Crashs und Verfolgungen auf digitale Effekte, was die ganze Sache natürlich absolut realistisch aussehen lässt. Manchmal ist handgemachte Action einfach noch die Beste, auch wenn manch Autonarr ein Tränchen verdrücken muss, wegen der geschrotteten Muscle-Cars.

Kann "Death Proof - Totsicher" mit Tarantinos früheren Filmen mithalten?
Ich finde, ja. "Death Proof" ist kein Mainstreamkino, sondern spricht Cineasten und Fans von Tarantino an, welche die Verweise und Zitate verstehen und sich daran erfreuen. Die Betonung liegt hier besonders bei den Fans, denn die breite Masse dürfte sich sicherlich von den vielen langen Dialogszenen abschrecken lassen, die den Film doch recht in die Länge ziehen. Da sehen wir die erste Mädels-Clique, die lange in einem Auto unterwegs sind, und über nicht anwesende Freundinnen lästern, über Jungs und ihre Dates sprechen. Dabei kommen die typischen Tarantino´schen Wortspielereien und -witze gut zum Ausdruck. Zum Anderen erinnert eine weitere dieser Dialogszenen zu Beginn des zweiten Teils des Films sehr an "Reservoir Dogs" und Tarantino's berüchtigter "Madonna-Rede" (Stichwort "Anspielungen"). Zoé, Abernathy, Kim und Lee plappern und frühstücken während die Kamera in einer sehenswerten Fahrt ständig um den Tisch kreist. Endlich kann die Männerwelt Frauen belauschen, was diese so reden, wenn sie alleine sind.
Wenn wir schon bei "in die Länge ziehen sind": Wie bereits erwähnt, ist der Film bei uns in einer längeren, internationalen Fassung zu sehen. Was die Unterschiede zum US-Grindhouse-Double-Feature sind, kann ich an dieser Stelle leider nicht sagen. Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass einige der besagten Dialogszenen aufgebläht wurden, denn an der Action kann man fast nichts weggelassen haben in der US-Version.

Eingangs erwähnte ich bereits, dass im originalen Grindhouse die Filmrollen sehr abgenutzt waren. Und genau diese Optik setzt Tarantino gekonnt als Stilmittel ein. Teilweise verwaschene oder gänzlich fehlende Farben, extreme Bildverschmutzung und -aussetzer oder auch hüpfende Bilder, bei denen eine kurze Sequenz doppelt abläuft. Wie bei einer springenden Schallplatte. Dies sollte man schon von vorne herein wissen, bevor man den Kinobetreiber des digitalen Multiplexes wegen der besagten Optik verflucht. Zu den Stilmitteln zählen aber auch von Tarantino gewollte Schnittfehler, was schonmal eine Szene abrupt unterbricht oder ein Auto mitten auf der Straße verschwinden lässt. Wer auf Trash steht, dem wirds gefallen!
Genau wie die ersten Schmuddelfilme der 70er Jahre hat auch "Death Proof - Totsicher" eigentlich keine Handlung. Was in den ersten Sätzen auf dieser Seite steht ist die Handlung und nicht mehr. Der Film besteht aus zwei Actionszenen, inklusive der oben erwähnten Autoverfolgungsjagd. Und nein, die "Fast and Furious"-Filme können hier nicht ganz mithalten. Ich meine, ein schwarzer 69er Dodge Charger gefolgt von einem schneeweißen 70er Dodge Challenger, dem Auto aus "Fluchtpunkt San Francisco" mit "Petrocelli" Barry Newman. Auf diesen Film wird in der zweiten Hälfte des Films übrigens des öfteren verwiesen. Weitere Anspielungen und Zitate aus Genreklassikern und Tarantinos früheren Filmen, was Cineasten sicherlich sehr erfreuen dürfte, finden sich in "Death Proof" zu hauf. Zum einen der aus "Pulp Fiction" bekannte "Big Kahuna Burger" wird erwähnt, der Handyklingelton stammt aus "Kill Bill", genau wie der "Pussy Wagon" Schriftzug. Wer sucht wird noch mehr finden.
Auf jeden Fall ist der Showdown absolut sehenswert. Alt trifft neu. Fast schon surreal wirkt es, wenn die 70er Jahre Karossen über den Highway brettern, mitten durch den Verkehr mit Vans und Autos ausschließlich neueren Baujahrs.
Aber nicht nur hier trifft altes auf neues. Die bereits erwähnten Stilmittel, Autos und Requisiten lassen den Film absolut wie ein Original aus den 70er Jahren wirken, dennoch nutzen die Protagonisten MP3-Player und kleine Handys, damit der Zuschauer nicht vergisst, dass er einen aktuellen Film sieht.
Zum Soundtrack des Films muss man nicht viel sagen: Wie immer genial. Abwechslunsgreich, kultig, passend. Mehr kann man einfach nicht dazu sagen.

Fazit:
Zwar Tarantino's schwächster Film, für Fans aber ein Leckerbissen. Alle Anderen dürften wenig mit den vielen, langen Dialogszenen anzufangen wissen, da tröstet auch der absolut sehenswerte Showdown nicht.

Jetzt kommentieren? / 4 Kommentare

  1. mye

    mye / 10.12.2007 16:38:03

    der film beherbergt DIE szene des jahres... der auto-crash, den tarantino in mehreren sequenzen zeigt: grandioses kino/ und auch sonst: die typisch witzigen sprüche/ dialoge (vor allem in der zweiten filmhälfte) und ein völlig cooles ende :D


    5 Sternen

  2. Nightwalker

    Nightwalker / 11.12.2007 21:01:54

    Joa, wo ich ihn das erste mal gesehn hatte konnte er mich nicht ganz so überzeugen :/ = zuviel Gerede
    Jetzt schon...


    5 Sternen

  3. siBBe

    siBBe / 11.12.2007 21:09:43

    ich hatte gar keine lust auf den film weil ich im vorfeld total sauer darauf war dass grindhouse in 2 filme geteilt wurde und death proof von dem was ich so gehört habe alles andere als überzeugen sollte. nachdem ich mich breitschlagen lassen habe den doch zu gucken muss ich sagen dass ich richtig positiv überrascht war. die action szene gegen ende ist stunt-technisch richtig genial gedreht, der film ist verdammt lustig und die sprüche und dialoge sind einfach gelungen. sicherlich nicht jedermans sache ich hab schon von vielen anderen gehört dass sie die dialoge bekloppt und langweilig finden, geshcmackssache eben, ich fand sie cool


    5 Sternen

  4. mye

    mye / 19.12.2007 17:51:08

    ja ich auch, total... wie gesagt: vor allem bei der zweiten frauen-gruppe/ war ich nicht der, der dich überredet hat ;-)


    5 Sternen


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