Verfasst von Thorsten Meiritz am 13.01.06 16:58:05 - 7 Kommentare

Die Purpurnen Flüsse

Les Rivières pourpres

Moviereporter-Bewertung:
  • 4.0/6 Sterne.
Leserwertung (14): 4.42 / 6

Land Frankreich

Genre Crime, Drama, Mystery, Thriller

Laufzeit: 106

Jahr 2000

Webseite
Trailer

Kinostart: 27.09.2000
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Inhalt

In einem kleinen Ort in den französischen Alpen treibt ein Serienkiller sein Unwesen. Die Kommissare Pierre Niemans und Max Kerkerian ermitteln

In den französischen Alpen, oberhalb des Bergortes Guernon, macht die Bergsteigerin Fanny Ferreira (Nadia Farès) eine grausige Entdeckung. Sie findet die verstümmelte Leiche eines jungen Mannes, der, wie sich herausstellt, Rémy Caillois heißt und der Bibliothekar der alles im Umkreis beherrschenden Eliteuniversität von Guernon war.

Da die örtliche Polizei sichtlich mit der Aufklärung des Falles überfordert ist, erhalten sie Unterstützung durch den Pariser Spezialisten Kommissar Pierre Niemans (Jean Reno). Dieser macht sich sofort an die Aufklärung des Falles und untersucht zunächst sowohl die Leiche, als auch das Umfeld des Toten. Der Leiche wurden die Hände abgetrennt und die Augen entfernt – die leeren Augenhöhlen wurden daraufhin mit Regenwasser gefüllt. Zudem wurde der Tote gefoltert. Die Hinweise sind äußerst mysteriös. Eine erste Spur führt ihn zum renommierten Augenarzt Dr. Bernard Chernezé (Jean-Pierre Cassel), der früher ebenfalls ein Angehöriger der Universität war. Von diesem erfährt Niemans, dass sich in den letzten Jahrzehnten die Fälle von Erbkrankheiten innerhalb der Bergbewohner gehäuft haben.

Währenddessen arbeitet Kommissar Max Kerkerian (Vincent Cassel) im ca. 200 Kilometer entfernten Sarzac an zwei Fällen gleichzeitig: eine Grabschändung und ein Einbruch in der örtlichen Schule. Zunächst scheinen die beiden Fälle nicht in Zusammenhang zu stehen, jedoch stellt sich heraus, dass aus dem Schularchiv die Fotos von den Jahrgängen 1981/82 gestohlen wurden, genau die Jahrgänge, in denen die kleine Judith Herault diese Schule besuchte und von dieser wurde auch das Grab geschändet. Sie wurde im Alter von zehn Jahren auf der Autobahn von einem LKW überrollt und konnte nur noch anhand eines abgetrennten Fingers identifiziert werden; dieser Vorfall liegt mittlerweile 20 Jahre zurück. Ihre Mutter lebt seitdem in einem Kloster, verfolgt von Wahnvorstellungen. Durch ihre Vernehmung führt Kerkerians Spur ebenfalls nach Guernon.

Dort findet Niemans mit der Hilfe von Fanny in der Zwischenzeit eine weitere Leiche. Kurz darauf stößt er auf Max Kerkerian und arbeitet nach einigem Zögern widerwillig mit ihm zusammen. Was haben ihre Fälle miteinander zu tun, welche Rolle spielt die mysteriöse Fanny in diesem Katz und Maus Spiel und warum führt die Spur immer wieder zur Universität zurück…?

Kritik

Der französische Schauspieler und Regisseur Mathieu Kassovitz hat mit "Die Purpurnen Flüsse" einen Thriller mit einem sehr düsteren Grundton abgeliefert. Ein Serienkiller treibt in der malerischen Umgebung der französischen Alpen sein Unwesen. Diese Umgebung trägt maßgeblich zum Film bei und kontrastiert die düstere Atmosphäre ein wenig. Außerdem untermalt die Musik mit meist ruhigen Klängen und einem einprägsamen Thema besagte Stimmung. Der Regisseur verzichtet weitgehend auf Special Effects und wilde Kamerafahrten. Er schildert die Story in einem ruhigen narrativen Stil.

Widmen wir uns einer anderen Frage: was sind eigentlich die "Purpurnen Flüsse"? Die Purpurnen Flüsse stehen für die Adern und das Blut von perfekten Menschen. Diese Elite soll an der Universität von Guernon "gezüchtet" werden – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Diese Art der Elitenbildung wurde schon im Zweiten Weltkrieg durch die Nazis praktiziert, denn sie verheirateten besonders kräftige Männer und Frauen, die ihren rassischen Idealen entsprachen. Man nennt diese Praktik des Kreuzens auch Eugenik. An der Universität von Guernon heiraten die Kinder der Professoren daher untereinander. Das Problem dabei besteht jedoch in einer Schwächung des Blutes, so dass verstärkt Erbkrankheiten auftreten. Da die Universität auch eine Entbindungsstation besitzt, begann man damit die gesunden Kinder der Bergbevölkerung mit den kranken Professorenkindern auszutauschen – die Krankheiten übertrugen sich nun auf die Anwohner.
Die Zwillingsschwestern Fanny und Judith werden bei ihrer Geburt auch getrennt. Fanny wird gegen ein Professorenkind ausgetauscht, wodurch Judiths Gesicht zur Gefahr für die Übeltäter wird. Sie muss sich ihr Leben lang vor ihnen verstecken, bis ihre Mutter auf die Idee kommt, ihren Tod vorzutäuschen. 20 Jahre später sinnt sie auf Rache. Sie will gemeinsam mit ihrer Schwester auf diese Missstände aufmerksam machen und die schuldigen für ihre Taten bestrafen. Bis kurz vor Schluss wird geheimgehalten, dass die Zwillingsschwestern hinter den Morden stecken, wodurch die Spannung zwar aufrechterhalten wird, jedoch ist diese Lösung leider recht schnell vorhersehbar und ein wenig einfallslos – für mich einer der Kritikpunkte des Films, aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache.

Kommen wir nun lieber zu etwas Erfreulichem, nämlich zur schauspielerischen Leistung. Mit Jean Reno und Vincent Cassel agieren zwei französische Top Stars in diesem Film. Als dritte Hauptdarstellerin wurde ihnen Nadja Farès zur Seite gestellt, die in einer Doppelrolle zu sehen ist.
Jean Reno spielt in diesem Film eine seiner Paraderollen, den schweigsamen Einzelgänger, der lieber Taten als Worte sprechen lässt. Eben jener Kommissar Niemans ist ein Spezialist, der für die Kriminalpolizei tätig ist, ohne von ihr angestellt zu sein. Reno spielt diese Rolle sehr überzeugend, es gibt wohl kaum einen anderen Schauspieler der solch eine Ruhe und Gelassenheit an den Tag legen kann wie er. Niemans hat scheinbar vor nichts und niemandem Angst, außer dass er erstarrt und wie paralysiert ist, wenn ihm ein Hund gegenüber steht.
Sein Kollege Max Kerkerian, verkörpert von Vincent Cassel, ist das genaue Gegenteil, er ist impulsiv und redet sehr gern, um nicht zu sagen er ist geschwätzig. Außerdem geht er Konflikten nicht aus dem Weg, sondern löst sie auf seine eigene Weise – er lässt gerne die Fäuste sprechen. Während der Dreharbeiten brach sich Vincent Cassel bei einer Kampfszene die Nase. Was seine schauspielerischen Qualitäten angeht, so braucht er sich neben dem "großen" Jean Reno keinesfalls zu verstecken, er ist ihm in allen Belangen ebenbürtig. Durch ihr Zusammenspiel ergänzen sich die Beiden nahezu perfekt. Sie sind zurzeit wohl die besten französischen Schauspieler, aber das ist nur meine persönliche Meinung. Cassels Vater, Jean-Pierre, ist ebenfalls im Film zu sehen: er spielt den Augenarzt Dr. Bernard Chernezé.
Nadja Farès kann dank der Doppelrolle ihre Wandlungsfähigkeit unter beweis stellen. Zum einen spielt sie Fanny Ferreira, eine ehemalige Elitestudentin der Universität, die mittlerweile eine Spezialistin auf dem Gebiet der Glaziologie ist. Sie entwickelt Gefühle für Niemans, will ihm bei der Aufklärung des Falles behilflich sein, dem Morden ein Ende setzen. Dennoch ist sie ihrer von Hass erfüllten Schwester Judith Herault regelrecht hörig. Sie, die jahrelang im Schatten ihrer Schwester Leben musste, wurde vom Hass auf ihre Peiniger von damals geradezu aufgezehrt. Sie kennt nur noch einen einzigen Gedanken: Rache.

Mittlerweile gibt es einen zweiten Teil von "Die purpurnen Flüsse", der mit seinem Vorgänger jedoch nicht viel zu tun hat, abgesehen davon, das wiederum Kommissar Pierre Niemans in einem besonders kniffligen Fall ermittelt. Leider ist Vincent Cassel nicht mehr Teil der Schauspielerriege, was dem Film eindeutig schadet, denn er kommt in meinen Augen nicht ganz an den ersten Teil heran, aber auch das ist natürlich wiederum nur meine persönliche Meinung.

Fazit: "Les Rivières pourpres" ist ein solider Thriller der von den Schauspielern und der Spannung getragen wird. Besonders Jean Reno und Vincent Cassel seinen an dieser Stelle nochmals hervorgehoben. Das Ende ist wie erwähnt in meinen Augen ein wenig einfach gewählt und vorhersehbar. Dennoch kann der Film durchaus zu einem gelungenen DVD-Abend beitragen. Die DVD selbst bietet allerdings leider nur wenige Special Features.

Viel Spaß beim Anschauen!

Jetzt kommentieren? / 7 Kommentare

  1. Rusty

    Rusty / 17.12.2007 18:01:16

    jean reno und vincent cassel haben den film gerettet, mit einer besseren story wäre das ein genialer film gewesen


    4 Sternen

  2. Veremar

    Veremar / 17.12.2007 20:01:24

    Ich fand den Film sehr gut, was hat dir an der Story gestört?


    5 Sternen

  3. Rusty

    Rusty / 17.12.2007 21:23:48

    naja, die story war eher mittelmässig. als der film anfing und bis etwa zur hälfte lief, hatte man den eindruck, das wird ein genialer film. doch gegen ende wurde der immer einfacher gestrickt, kaum überraschende elemente (ich wusste schon vor dem ende, dass es eine frau ist und später die zwillingsschwester). auch das ende bzw. die auflösung war alles andere als beeindruckend.


    4 Sternen

  4. ThorriZ

    ThorriZ / 18.12.2007 14:49:04

    ich finde den film eigentlich auch richtig gut, das zusammenspiel von reno und cassel ist richtig gut. das ende ist vielleicht ein wenig einfach gewählt, aber es passt gut zu dem film. die atmosphäre die in dem film geschaffen wird finde ich im übrigen auch sehr gut gelungen


    4 Sternen

  5. Veremar

    Veremar / 18.12.2007 18:47:12

    Ja, das Ende war vielleicht nicht gerade genial, dennoch finde ich trotzdem dass der Film wirklich sehenswert ist.


    5 Sternen

  6. Jigsaw

    Jigsaw / 07.04.2008 19:11:22

    Der Film hatte länger war aber doch recht spannend und Reno ist fast immer gut.


    4 Sternen

  7. Gambit521

    Gambit521 / 23.07.2008 04:56:17

    Es lohnt sich diesen Film einmal anzuschauen aber wie schon gesagt hätte mehr draus machen können


    nicht bewertet


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