Verfasst von Thorsten Meiritz am 16.08.07 14:26:11 - 1 Kommentare

Wächter des Tages

Dnevnoi Dozor

Moviereporter-Bewertung:
  • 3.5/6 Sterne.
Leserwertung (10): 4.1 / 6

Land Russland

Genre Action, Fantasy, Horror, Mystery

Laufzeit: 131

Jahr 2006

Webseite
Trailer

Kinostart: 20.09.2007
zu Favoriten hinzufügen

Inhalt

Die Schlacht zwischen Gut und Böse im Moskau der Gegenwart geht weiter – die Fortsetzung des russischen Überraschungserfolges aus dem Jahr 2004.

Seit ewigen Zeiten tobt eine Schlacht zwischen Gut und Böse. So auch im Moskau der Neuzeit. Die Wächter der Nacht überwachen die Dunklen Anderen: Vampire, Hexen, Formwandler und andere düstere Gestalten. Im Gegenzug achten die Wächter des Tages darauf, dass kein Mitglied der Wächter der Nacht den lange andauernden, fragilen Waffenstillstand bricht.
Anton Gorodetsky (Konstantin Khabensky), ein Wächter der Nacht, hat einst seinen Sohn Yegor (Dimitry Martynov) an den dunklen Herrscher Zavulon (Victor Verzbitsky) verloren, der fortan dessen Ausbildung übernahm. Mittlerweile hat Yegor außergewöhnlich böse Fähigkeiten entwickelt. Des Nachts geht er auf die Jagd nach unschuldigen Passanten und saugt ihnen das Blut aus. Dadurch gerät er ins Fadenkreuz der Wächter der Nacht. Als Anton herausfindet wer hinter den Bluttaten steckt, setzt er alles daran seinen begangenen Fehler rückgängig zu machen. Seine Recherche führt ihn auf die Spur der magischen Kreide des Schicksals.
Auch die Wächter der Nacht haben ein Mitglied mit außergewöhnlichen Fähigkeiten in ihren Reihen: die junge Svetlana (Maria Poroshina), die in Anton verliebt ist. Doch ausgerechnet sie ist dazu auserkoren gegen Yegor in einem Kampf um die Vorherrschaft zwischen Gut und Böse anzutreten. Dieses tragische Dilemma macht sich Zavulon zu nutze und schmiedet eine hinterhältige Intrige, um den alles entscheidenden Krieg endgültig in Gang zu setzen.
Als Yegors Lehrmeisterin Galina Rogova (Irina Yakovleva) ermordet wird, ist Anton der Hauptverdächtige. Um seinen Schüler zu schützen, vollzieht Geser (Vladimir Menshov), der Herrscher des Lichts, einen Körpertausch zwischen Anton und Olga (Galina Tunina). Zunächst lassen sich die Wächter des Tages durch diesen Schachzug zwar täuschen, doch Zavulon setzt die exzentrische Alisa (Zhanna Friske) auf den Fall an, die schon bald herausfindet, wo sich Anton versteckt hält. Zudem verlässt Anton seine Deckung, um sich auf die Suche nach der verschollenen Kreide des Schicksals zu begeben…

Kritik

Im Jahr 2004 brach "Wächter der Nacht" in Russland alle Box-Office Rekorde der post-sowjetischen Ära. Der Film spielte dort sogar mehr ein als "Spider-Man 2" und "Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs", die im selben Jahr liefen und das bei einem Budget von umgerechnet etwa vier Millionen US-Dollar. Der Nachfolger "Wächter des Tages" war in Russland sogar noch erfolgreicher, als sein Vorgänger. Er spielte allein dort mehr als 30 Millionen US-Dollar ein. Nach dem Überraschungserfolg des ersten Teils, der international von Fox Searchlight vertrieben wurde, sicherte sich die Produktionsgesellschaft natürlich auch die Rechte an der Fortsetzung. Für den geplanten dritten Teil, der bisher den Arbeitstitel "Twilight Watch" trägt, steigt Fox sogar als Co-Produzent ein und der Film soll in englischer Sprache gedreht werden – ob das dem Film gut tun wird, oder eher schadet wird sich zeigen. Fans der bisherigen Filme stehen diesem Vorhaben bisher eher skeptisch gegenüber.

Die Filme basieren alle auf Romanen, die von Autor Sergei Lukyanenko verfasst wurden. Der ausgebildete Psychiater schuf mit seiner Tetralogie bestehend aus "Wächter der Nacht", "Wächter des Tages", "Wächter des Zwielichts" und "Wächter der Ewigkeit" ein Fantasywerk, dass in Russland neue Maßstäbe setzte und eine neue Generation von jungen Fans begeisterte. Nach Erscheinen des ersten Films, schnellte die Auflage nochmals in die Höhe. Für die Filmadaption wurden die Bücher jedoch teilweise stark verändert. So wurde beispielsweise der dramaturgisch Wichtige Handlungsstrang von Anton und seinem verlorenen Sohn eingebaut. Zudem unterliegt man einem Irrglauben, wenn man denkt, dass "Wächter der Nacht" die Verfilmung des ersten Romans darstellt und "Wächter des Tages" die des Zweiten. "Nochnoi Dozor", so der Originaltitel des ersten Teils behandelt etwa ein Drittel des ersten Buches – die restlichen zwei Drittel werden in "Wächter des Tages" dargestellt. Der zweite Roman wurde bisher also noch gar nicht verfilmt.

Für die filmische Umsetzung zeichnet erneut der kasachischstämmige Regisseur Timur Bekmambetov verantwortlich. Vor seiner Karriere als Filmregisseur, machte er sich durch den Dreh vieler Musikvideos und Werbespots für bekannte Künstler und Firmen einen Namen. Die Filme Bekmambetovs weisen alle einen sehr visuell geprägten Stil auf, so auch "Dnevnoi Dozor", wie der Titel des russischen Originals lautet. So sind haarsträubende Stunts, gewaltige Explosionen und andere unglaubliche Effekte zu sehen. Dennoch gelingt es ihm die Figuren im Film sehr vielschichtig darzustellen, da er auch mit der so genannten Stanislawski-Methode vertraut ist. Besonders seiner Hauptfigur Anton Gorodetsky verleiht er eine düstere Aura gepaart mit schwarzem Humor und dennoch wirkt er auch sehr verletzlich. Bekmambetov lässt sich bei seiner Arbeit von bekannten Hollywoodgrößen wie James Cameron, Ridley Scott, Quentin Tarantino, den Wachowski-Brüdern oder auch Roger Corman, mit dem er bereits das Vergnügen hatte gemeinsam einen Film zu drehen, beeinflussen. Allerdings war für ihn auch von Anfang sehr wichtig das Moskau der Gegenwart sehr realistisch darzustellen, dass heißt heruntergekommene Häuser, schrottreife Autos, arme Menschen mit vielen Problemen und im Kontrast dazu die neureiche Oberschicht. Gerade diese Realitätsnähe verleiht dem Film trotz der Fantasystory eine große Glaubwürdigkeit.

Der Film stellt einen interessanten Mix aus modernen visuellen Effekten, gut inszenierten Actionsequenzen und einer kreativen Geschichte dar. Im Prinzip handelt es sich um eine allegorische Erzählung, die den immer währenden Kampf zwischen Gut und Böse thematisiert und im Moskau der Gegenwart mit all seinen (sozialen) Problemen spielt. Dabei repräsentieren die Dunklen Anderen eine Art totalen, beinahe anarchischen Lebensstil. Die Wächter der Nacht stehen hingegen für Verantwortungsbewusstsein und Gewissen – ein Dualismus, der seit ewiger Zeit existiert. Zudem handelt der Film von der moralischen Verfehlung eines einzelnen Mannes und dem daraus resultierenden Dilemma. Das Gesamtkonzept bietet also einiges Potential, dass leider jedoch nicht voll ausgeschöpft wurde. Eigentlich war alles vorhanden für eine gelungene Fortsetzung: eine gute Story, interessante, vielschichtige Figuren, und der Regisseur hat mit dem ersten Film einen innovativen visuellen Stil geprägt. "Wächter des Tages" weist zwar auch einige kreative und gut gelungene Effekte auf, doch wurde leider der ursprüngliche düstere gruselige Stil des ersten Teils beinahe komplett außer Acht gelassen. Außerdem legt der Regisseur zwar in beeindruckender Manier in kürzester Zeit halb Moskau in Schutt und Asche und auch einige andere Actionsequenzen sehen spektakulär aus, doch hat der Film bei einer Spieldauer von etwa 131 Minuten leider auch seine Längen. Zudem ist das Ende gelinde gesagt unspektakulär. Man hat ein wenig das Gefühl, dass dem Regisseur das knapp bemessene Budget ausgegangen ist, so dass er dem Film kein würdiges Ende mehr verleihen konnte.

Die aus dem ersten Teil bekannten Figuren tauchen beinahe ausnahmslos wieder auf und die schauspielerische Leistung ist wirklich ansprechend. Allen voran Hauptdarsteller Konstantin Khabensky, der als Anton Gorodetsky agiert, macht eine gute Figur. Der in Russland äußerst populäre Schauspieler ist in der Lage die komplette Bandbreite der Emotionen glaubwürdig darzustellen. In weiteren Rollen sind viele namhafte russische Schauspieler zu sehen. So agiert Maria Poroshina als Svetlana, die große Hoffnung der Wächter der Nacht. Die bekannte russische Popsängerin Zhanna Friske spielt die äußerst extravagante Alisa, ein Mitglied der Wächter des Tages. Das bereits mit dem Oscar ausgezeichnete Multi-Talent Vladimir Menshov schlüpft in die Rolle von Boris Geser, dem Anführer der Wächter der Nacht. Schließlich sei neben vielen anderen noch Victor Verzbitsky erwähnt, der den diabolischen Bösewicht Zavulon mimt.

Fazit: "Wächter des Tages" ist sicherlich kein schlechter Film, aber leider reicht er an den ersten Teil nicht ganz heran. Man vermisst einfach das Gruselgefühl des ersten Teils. Dafür sind jedoch erneut einige spektakuläre Szenen zu bewundern. Nachdem man den Film gesehen hat, fragt man sich, wie Timur Bekmambetov die Geschichte in einem dritten Teil fortsetzen will. Ein Statement des Regisseurs bringt Licht ins Dunkel. Der Zeitrahmen des dritten Films soll dem der beiden ersten Teile entsprechen und es soll gezeigt werden, wie sich die in Moskau herrschende Situation auf globaler Ebene auswirkt, besonders in den USA. Dies bedeutet, dass es sich nicht um eine weitere Romanverfilmung handelt, und dass es wohl kein Widersehen mit Anton geben wird. Es bleibt abzuwarten, was der Regisseur mit einem gesteigerten Budget zu Stande bringen kann.


Jetzt kommentieren? / 1 Kommentare

  1. grzegorz

    grzegorz / 16.08.2008 10:19:53

    Der erste Teil war schon besser, aber trotzdem ein echt guter Film.


    5 Sternen


Jetzt hier Kommentar schreiben

Bitte auf gute Umgangsformen achten!! Beleidigungen werden nicht geduldet.