Harold & Kumar
Harold and Kumar Go to White Castle
Inhalt
Man nehme zwei Darsteller aus unterschiedlichen Movies, entwickele eine Story, die irgendwie zu den beiden passen könnte, und packe nun jene zwei Typen in einen gemeinsamen Film - das momentane Hollywoodrezept.Was passiert, wenn man dem Asiaten aus American Pie und dem Inder aus Party Animals eine geminsame Wohnung gibt? - so oder ähnlich haben uns die Harold & Kumar-Poster gefragt. Und was ist unsere Antwort? Nun ja, die meisten werden sagen: "wahrscheinlich nicht viel" oder "himmel, nicht noch ein Teeniefilm". Also schauen wir mal, ob diese Annahmen recht behalten und analysieren die Comedy von ihrem Ursprung an: wer eigentlich ist Harold? Ich nehme einmal an, dass vielen die wahrscheinlich bekannteste Teeniekomödie American Pie ein Begriff ist. Und American Pie 2. Ach ja, American Pie 3 sollte auch noch hinzu kommen. Doch das ist ein anderes Thema. Wobei ich in diesem Fall sagen muss: es hat sich gelohnt, zwei Fortsetzungen zu drehen, sowohl finanziell, was ja sehr wahrscheinlich der primäre Grund für ein Sequel sein wird, als auch auf die Unterhaltung bezogen. Im Fall von American Pie hat es funktioniert. Also, wer verdammt nochmal ist Harold? Können sie sich an die Szene in Stifflers Haus erinnern; erster Teil von American Pie? Die beiden Typen, die sabbernd vor dem legendären Foto von "Stifflers Mum" stehen, die Fäuste geballt und jene Worte wiederholend, die man wohl immer mit John Cho (Harold) verbinden wird? Genau: "MIGF", eine Mum, die ich gern f..... würde. Also, der Asiate, das ist Harold.
Und Kumar? Sein Film wurde im selben Jahr wie das zweite Sequel zu American Pie (American Pie: Wedding) gedreht. Es handelt sich um Party Animals. Dort portraitierte er -Kal Penn- den Taj Mahal Badalandabad und spielte an der Seite von Tara Reid und Ryan Reynolds (The Amityville Horror). So, nun haben sie erst eimal das nötige Hintergundwissen, um die Hauptdarsteller einzuordnen, deren Namen ja immerhin den Filmtitel zieren.
"Das ist ja wohl geiler als jeder Joint"
Was hatte ich persönlich erwartet? Um ehrlich zu sein: die pure, die nackte, völlig entblößte Anspruchslosigkeit. Was hatte ich mir erhofft? Wegschmeißer ohne Ende, denn das, nur das, ist es, was man von einem solchen Film erwarten kann. Ich war mir sicher, der Film würde mit jeder Menge Gras, lauter Musik, versauten Witzen und halb geschlossenen Augen in einem bis zur Decke vernebelten Raum beginnen... und wurde eines Besseren belehrt. Zum Glück. Denn der Film ist anders, von seinem Grundgerüst her. Im laufe des Films kommen zwar genau die eben aufgezählten Inhalte vor, doch der einleitende Fokus liegt erst einmal woanders. Anfangs wird Harold vorgestellt. Doch was seh ich da? Harold im Anzug, bei der Arbeit, im Büro? Und dann lässt er sich auch noch von zwei Typen deren Arbeit aufdrücken. Was ist denn hier los? Gut, als Kumar mit ins Spiel kommt, sieht die Sache schon ganz anders aus und wir erleben mit der Vorstellungsgesprächsszene sogleich eine wunderbar komische Einleitung, aber etwas bleibt dennoch hängen, fällt irgendwie sofort auf: Harold & Kumar sind nicht diese typischen Möchtergernmachos wie zum Beispiel Stiffler in American Pie (der aber dennoch einer der lustigsten Charaktere bleibt), auch wenn sie dann und wann jene Klischeesprüche und -ansichten zum Besten geben, nein, sie sind nicht diese Highschool-Sporttypen, sie verkörpern eher den Außenseiter, allerdings den, für den man sofort eine ganze Menge Sympathie bereit hält.
Harold, gestresst von dem Haufen Arbeit, der vor ihm liegt, und Kumar, der nur zu all den Vorstellungsgesprächen geht und somit das Klischee, das Inder Mediziner werden, aufrecht erhält, um auch weiterhin Geld von seinem Vater zu bekommen, sitzen schließlich doch recht früh in dem Film vor dem Fernseher ihrer gemeinsamen Wohnung, rauchen etwas, reden wie immer dummes Zeug, das aufgrund der augenscheinlichen Absurdität aber einfach lustig ist, und... dann der Werbespot, der alles verändern soll - White Castle, eine Burgerkette, von der es scheinbar nur noch eine einzige Filiale in der gesamten Stadt gibt. Also machen sie sich auf den Weg und die Haupthandlung kann beginnen. Es ist das bekannte Schema: ein Ziel und jede Menge Hindernisse. Ziel ist natürlich das White Castle, Hindernisse sind zum Beispiel rassistische Polizisten, ein von Eiterbeulen geprägter Mini-Truckfahrer, der ziemlich an den Slasher Joyride erinnert, zwei junge Damen mit Verdauungsproblemen, viele Asiaten und wir werden sogar erfahren, was ein Businesshippie ist. Eine Vielzahl von Abenteuern, die Harold und Kumar stets vom richtigen Weg zum White Castle abbringen.
Eines stört aber gewaltig, wofür man den Film an sich aber nicht verantwortlich machen kann und was auch nur den deutschen Zuschauern auffallen wird. Während der Comedian Rick Kavanien dem Inder Kumar recht brillant seine Stimme leiht (auch wenn man ihn manchmal nicht ganz versteht, hat man den Eindruck, doch aufgrund der Tatsache, dass die Stimme nunmal authentisch ist, geht das im Endeffekt schon in Ordnung), wird Harold von dem Entertainer und Moderator Oliver Pocher gesprochen, gegen den ich normalerweise überhaupt nichts habe, der seine Sache sonst auch sehr gut macht, nur eben nicht synchronisieren kann. Und so entsteht ein Harold, bei dem man das Gefühl hat, er würde einen Sprachfehler haben und es nicht recht wissen, seine Worte "normal" zu artikulieren; die Betonung stimmt desöfteren überhaupt nicht - schade eigentlich, denn das stört wirklich, da es immer wieder auffällt.
Auf die Frage, warum Kumar, dessen medizinisches Wissen so ausreichend ist, dass er gar kein Studium mehr benötigen würde, seine Begabung so vernachlässigt, sagt dieser, dass man mit einem riesigen Gemecht (der Vergleich mit einem Elch kommt auch noch hinzu) noch lang kein Pornostar wird - das nur so nebenbei, damit sie ein Bild von dem Dialogwitz bekommen, der in Harold & Kumar vorherrschend und tatsächlich richtig gut ist. Meistens sind es eben diese Äußerungen von Kumar, von denen nicht wenige sogar wahrhafte Wegschmeißer sind.
Ich denke, an dieser Stelle sollte ich mal einige Worte zu meinem persönlichen Bewertungssystem verlieren: ich bewerte grundsätzlich genrebezogen, vergleiche Filme also nur innerhalb ihres Genres; ein Vergleich zwischen Harold & Kumar und Kingdom of Heaven würde einfach nicht funktionieren. Ein Vergleich zwischen Harold & Kumar und American Pie hingegen schon und da kann ich also sagen, dass beide Filme im Genre Comedy auf einer gemeinsam hohen Ebene liegen. Und dann auch noch ein Wort zu den Menschen, die solche Filme mit Worten wie "anspruchslos = schlecht" bewerten: schaut sie euch doch gar nicht erst an, denn ihr wisst bei diesen Filmen sowieso im Vorfeld, was euch erwartet. Über sinnloses Gelaber von Brüsten, der losen Anpreisung von Marihuana, Sex und Fäkalienwitze geht es nunmal nicht hinaus, muss es aber auch nicht, denn genau das wollen diese Filme beinhalten - und wer damit etwas anfangen kann, der hat auch gut 90 Minuten seinen Spaß. Es geht nur um eine bestimmte Form der Unterhaltung.
Und dennoch: Harold & Kumar hält sogar einige nicht zu missachtende Inhalte bereit, die der weltlichen Aktualität entspringen. So wird, natürlich ironisch, das Thema Polizeigewalt gegen Schwarze behandelt, auch fällt zwischendurch einmal der Satz "Das ist ja wohl geiler als jeder Joint", der zwar am Ende widerlegt wird, aber doch eine spezielle Funktion zu haben scheint.
Übrigens: Kal Penn (Kumar) ist in Wirklichkeit Vegetarier, so wurden also Gemüseburger für ihn zubereitet.
Kritik
Fazit: gleichwertig mit der American Pie-Trilogie, die zu den lustigsten Filmen in diesem Genre gehört. Eine Menge Dialogwitz, vor allem durch Kumar, sympathische Hauptcharaktere, keine Story, aber das ist normal, dafür jedoch eine Vielzahl komischer Hürden, die es zu überspringen gilt, um sich letztlich im White Castle den Bauch mit Burgern, Pommes und Cherry-Coke (Kumar bestellt aber Cherry-Coke light) vollzuhauen - Harold & Kumar Go to White Castle (Originaltitel)... und dafür können wir ihnen danken.Jetzt kommentieren? / 1 Kommentare
Regisseur
Schauspieler
John Cho, Kal Penn, Neil Patrick Harris, Ethan Embry, Steve Braun, Malin Akerman, Anthony Anderson, Boyd Banks, Dan Bochart, Steven DiTata, Kate Kelton, David Krumholtz



DocProc / 19.12.2007 15:21:51
Auf zum White Castle! Wer auf stumpfsinnige Kifferfilme ohne Handlung steht kommt hier auf seine Kosten! Ich hab jedenfalls meinen Spaß gehabt. Blöd nur das Pocher Harold synchronisiert...passt irgendwie nicht
5 Sternen