Schatten der Zeit
Inhalt
"Schatten der Zeit" erzählt eine Geschichte von einer tragischen, unsterblichen Liebe aus dem Indien der Kolonialzeit.Eine Teppichfabrik bei Kalkutta ist in Indien vor der Unabhängigkeit Schauplatz vom Beginn der tragischen Liebesgeschichte des 11-jährigen Ravi (Sikandar Agarwal) und Masha (Tumpa Das). Beide müssen in der Fabrik Kinderarbeit verrichten. Ravi sehnt sich nach einem freien Leben. Sein großes Ziel ist es einmal die Fabrik zu verlassen und in die Stadt zu ziehen. Nachts übt er sogar Teppichknüpfen und entdeckt dabei eine große Gabe. Dies nutzt er bei dem harten Geschäftsführer und handelt einen besseren Lohn für sich aus.
Doch dieser Fabrikmanager will Masha an einen Mädchenhändler verkaufen. Ravi entscheidet nicht sich sondern Masha mit seinen Ersparnissen freizukaufen. Er schenkt ihr damit die Freiheit. Beim Abschied verspricht Masha, immer bei Vollmond im größten Shiva-Tempel der Stadt auf ihn zu warten bis er kommt. Sie fährt mit dem Bus nach Kalkutta. Anfänglich fühlt sie sich befreit, doch in der großen Stadt ist sie wieder alleine auf sich gestellt und die Bordellbesitzer zeigen großes Interesse an ihr. Bei einem macht sie eine Karriere als erotische Tänzerin. Ihr Versprechen Ravi gegenüber hält sie über Jahre ein.
Als junger Mann kann Ravi (Prashanth Narayanan) endlich die Fabrik verlassen und macht sich sofort auf den Weg zum Tempel. Masha (Tannishtha Chatterjee) ist inzwischen zu einer begehrten Frau gereift. Auch sie sucht in dieser Vollmondnacht den Tempel auf, doch beide verfehlen sich.
Beide finden andere Partner und heirateten. Erst Jahre später begegnen sie sich durch einen Zufall wieder. Zuerst zögern sie noch, doch dann können sie nicht anders und folgen dem Ruf ihrer Herzen. Ihre tragische Liebe beginnt von neuem...
Kritik
"Schatten der Zeit" ist der erste abendfüllende Film vom deutschen Regisseur und Oscar-Preisträger Florian Gallenberger.Ein großer Reiz bei der Inszenierung des Films war sicherlich die große Zeitspanne von 60 Jahren glaubwürdig zu erzählen. Dies machte er wie folgt, indem er den Film in drei Abschnitt teilt:
Der Film beginnt mit einem Einblick in eine stillgelegte Teppich-Fabrikhalle. Ein alter Mann durchstreift sie, von Zeit zu Zeit berühren seine Hände die alten Gerätschaften, Kurzsequenzen von Rückblicken zeigen seine Kinderarbeit unter unmöglichen Bedingungen. Er besucht seinen alten Schlafplatz. Die schwere Musik überträgt die Emotionen des alten Mannes auf den Beobachter. Durch den Ausgang der Halle sieht er eine alte Frau mit einem kleinen Mädchen. Seine Vergangenheit ist nun vollkommen präsent. Nun findet man sich Jahre zuvor wieder. Die Fabrik läuft auf Hochtouren und ist Ort für die Entstehungsgeschichte dieser herzzerreißenden Liebe. Am Ende sieht man wieder den Schauplatz des Anfangs. Der alte Mann geht auf die alte Frau und das Mädchen zu, trinkt Tee mit Ihnen und geht wieder.
Gut strukturiert und aufgebaut bemächtigt Florian Gallenberger sich mit einer wunderbaren Bildkomposition der Sinne der Zuschauer und lässt die fremde, weit entfernte Welt Indiens lebendig werden. Neben der Erzählung von der Liebesgeschichte stehen Kinderprostitution, Kinderarbeit, Armut und Frauen in einer durch Männer dominierten Welt im Vordergrund. Obgleich Florian Gallenberger die Misszustände überdeutlich zeigt, hatte ich nicht das Gefühl, dass er mit dem Zeigefinger darauf hinweisen wollte. Er versucht nicht mit seinem Werk etwas unbedingt hervorheben zu müssen und folglich muss der einzelne Beobachter selbst wissen, wie er die Verhältnisse Indiens anprangert.
Die Protagonisten, vor allen voran die unerfahrenen Kinder Tumpa Das und Sikandar Agarwal, leisten unglaubliche wunderbare Arbeit. Dass die indische Filmkunst nicht nur aus Bollywood schöpft wird in diesem Streifen überdeutlich. Natürlich kann man nicht abstreiten, dass Bollywood-Filme im Moment einen erheblichen Schub gen Westen gemacht haben und dort immer mehr in aller Munde sind. Die einzelnen Gefühle und Emotionen werden durch die dramatischen Wendungen der Geschichte noch gestärkt und finden im ersten misslungenen Wiedersehen Jahre später in dem größten Shiva-Tempel von Kalkutta sicherlich ihren ersten Höhepunkt. Der Zuschauer konnte es kaum erwarten, dass die beiden sich endlich wieder sehen und in die Arme fallen, dennoch verpassen sie sich. Da wird man wieder an das wahre Leben zurückerinnert, dass man der echten Liebe wahrscheinlich schon oft nah war, aber durch unmögliche Umstände und Begebenheiten sie einem unerfüllt bleibt.
Die beeindruckenden künstlerischen Fähigkeiten der Darsteller und die Wahl der Sprache bengalisch untermauert die Intensität des Films. Nichtsdestotrotz bleibt für den Kinobesucher nur wenig Spielraum für eine Identifikation mit den Protagonisten, da die Machenschaften des Schicksals zu sehr in die Geschichte eingreifen.
Fazit
"Schatten der Zeit" ist eine unsterbliche Liebesgeschichte, die auf Geduld setzt, Identifikationen bleiben außen vor, Misszustände werden angeschnitten aber bleiben meist hintergründlich und lassen beim Zuschauer keine erschreckenden Emotionen hochkommen, denn der Film setzt auf die Macht der Liebe. Ein Film, der bei vielen kein trockenes Auge hinterlassen dürfte.
"Schatten der Zeit", ab 12. Mai 2005 in den deutschen Kinos.
Jetzt kommentieren? / 0 Kommentare
Regisseur
Schauspieler
Prashanth Narayanan, Tilltama Shome, Irfan Khan, Tumpa Das, Sikandar Agarwal, Tannishtha Chatterjee


