Verfasst von Miguel Zamorano am 25.08.06 13:23:00 - 3 Kommentare

Das Meer in mir

Mar Adentro

Land Spanien

Genre Drama

Laufzeit: 125

Jahr 2004

Webseite
Trailer

Kinostart: 10.03.2005
Moviereporter-Bewertung:
  • 6.0/6 Sterne.
Leserwertung (5): 4.6 / 6
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Inhalt

Das Leben ist zu schön um zu sterben.
Nachdem der spanische Regisseur Alejandro Amenábar bereits mit seinem Film "The Hours" 2001 das internationale Publikum auf sich aufmerksam gemacht hatte, folgt nun sein nächster Streifen "Das Meer in mir". Und diesmal scheinen die Ambitionen des jungen Filmemachers nicht minder zu sein: Der Film verspricht viel - und hält es auch.

In Das Meer in mir sucht nach 30-jährigem erfolglosen Kampf der querschnittsgelähmte Ramón Sampedro (Javier Bardém), die juristische Unterstützung für einen würdevollen Tod. Die Juristin Julia (Belén Rueda), engagiert von einer Organisation, die sich für Euthanasie einsetzt, kommt ihm zu Hilfe und versucht mit ihm den Gang vor Gericht vorzubereiten. Im Laufe ihrer Gespräche verlieben sich beide ineinander. Es stellt sich heraus, dass Julia ebefalls an einer tödlichen Krankheit leidet. Beide beschließen darauf, gemeinsam den Freitod zu begehen. Doch Julia erleidet einen Zusammenbruch, der ihr definitiv jegliche Entscheidungsfähigkeit nimmt; Ramón muss darauf von neuem seinen Freitod vorbereiten.

Kritik

Früh zieht Amenábar den Zuschauer in seinen Bann: Da liegt ein Mann auf dem Bett, regt sich nicht und erzählt doch von der Schönheit des Lebens. Eine Schönheit, an der er, Ramón, nicht teilnehmen darf und sie nur außer seiner Selbst erlebt - beim Betrachten der Erlebnisse anderer und seiner eigenen Vergangenheit. Und genau hier, in der szenischen Darstellung und der narrativen Entwicklung des Filmes, leistet Amenábar hervorragendes: Den Zuschauenden führt er an die Ängste und Hoffnungen von Ramón heran, so dass er nur schwer vor Ramóns belastenden Lebensbedingungen flüchten kann. Regisseur Amenábar bedient sich dabei einer einzigartigen Komposition von Bild und Musik. Beides verläuft parallel, eigenständig, es vereint sich jedoch immer wieder zu einem harmonischen Ganzen. Da fliegt der Zuschauer gemeinsam mit Ramón von seinem Bett aus an den nächstliegenden Strand um Julia zu treffen, begleitet von einer italienischen Arie. Galizische Dudelsäcke und keltische Pfeifen begleiten den Querschnittsgelähmten von seinem Dorf in die nächste Großstadt zu der bevorstehenden Anhörung des Gerichts, Szenen aus dem Landleben in Galizien ziehen an ihm vorbei. Und fast immer kann der Zuschauer nur schwer schlucken, wenn er wieder erfahren muss, was das Leben von Ramón nicht mehr lebenswert macht: das Nichtteilnehmendürfen an dieser Schönheit, die der Regisseur gezielt mit Bildern und Ton untermalt, kurz: der Schönheit des Lebens.

Und so erfährt der Zuschauende auch von einer ethischen Dimension dieser auf den ersten Blick so unkomplizierten Handlung. "Mein Kino ist ein Kino, das Fragen stellt und nicht Fragen beantwortet", sagte der junge Amenábar zu diesem Werk. Tatsächlich dreht sich der Film um eine der interessantesten und aktuellsten Fragen, die es zur Zeit in Bezug auf das Thema Euthanasie und Sterbenshilfe gibt: Wo fängt die menschliche Autonomie an, wo hört sie auf? Dabei wird das Thema des Todes, das in den voherigen Werken Amenábars bereits mehrmals bearbeitet ("Öffne die Augen", "The Hours") wurde, umgekehrt und in einem neuen Licht dargestellt. In den zahlreichen Rückblenden in das Leben von Sampedro erfährt der Zuschauer, dass sein Leben als Seefahrer weit aus spannender gewesen ist, als das jetzige, in dem er den ganzen Tag im Bett verbringt, ohne sich bewegen zu können. So wird der Tod nicht als glorifizierter Abgang inszeniert, sondern vielmehr das Leben als schönes und "lebenswertes" Ereignis dargestellt. Der Film entwickelt sich somit zu einer Ode an die Freiheit und das Leben - und lässt niemanden gleichgültig.

Fazit: Die Frage, ob der Tod einem unwürdigen Leben vorgezogen werden kann/darf/soll, wird in diesem Werk neu gestellt. Mit ihm avanciert Alejandro Amenábar zu einem der interessantesten Regisseure, sowohl in der spanischen als in der internationalen Szene.

Jetzt kommentieren? / 3 Kommentare

  1. Veremar

    Veremar / 30.12.2007 17:11:16

    Eins der Topfilme aus Spanien was in den letzten Jahren gemacht wurde. Interessante Story mit ethisschem Hintergrund. Sehr empfehlenswert!


    5 Sternen

  2. Veremar

    Veremar / 30.12.2007 17:11:48

    (Originaltitel lautet: Mar Adentro)


    5 Sternen

  3. Steffen

    Steffen / 26.03.2008 14:15:39

    Fand ich jetzt nicht so gut den Film, wie viele sagen. Das Thema ist sicher sehr interessant und regt zum nachdenken an, aber von dem Film bin ich eher enttäuscht. Hab mir n Film in der Art von "Philapelphia" vorgestellt, aber Gerichtsverhandlung war ja nur mal kurz angerissen.


    3 Sternen


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