Verfasst von Thorsten Meiritz am 24.11.06 06:31:54 - 0 Kommentare

Es begab sich aber zu der Zeit...

The Nativity Story

Moviereporter-Bewertung:
  • 4.0/6 Sterne.
Leserwertung (0): 0.0 / 6

Land USA

Genre Drama

Laufzeit: 90

Jahr 2006

Webseite
Trailer

Kinostart: 07.12.2006
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Inhalt

Eine filmische Reise ins Herz der größten Geschichte aller Zeiten: Erstmals wird die Weihnachtsgeschichte als Kinoerlebnis auf der großen Leinwand präsentiert.

Judäa kurz vor Christi Geburt. König Herodes (Ciarán Hinds) fürchtet nichts mehr als seine Macht und seinen Reichtum zu verlieren. Daher macht ihm eine Prophezeiung aus dem alten Testament mehr zu schaffen als alles andere: die Ankunft des Messias, die seine Regentschaft beenden soll. Aus diesem Grund befiehlt er seinen Soldaten die Tötung aller männlichen Nachkommen aus der Stadt Bethlehem, die unter zwei Jahren sind.
Ein Jahr zuvor betet der Priester Zacharias (Stanley Townsend) im heiligen Tempel von Jerusalem. Dabei spricht Gott zu ihm und prophezeit, dass seine Frau Elisabeth (Shohreh Aghdashloo) einen Jungen gebären wird, ein Kind von Gottes Gnade.
In der kleinen Stadt Nazareth wächst die junge Maria (Keisha Castle-Hughes) bei ihren Eltern Joachim (Shaun Toub) und Anna (Hiam Abbass) auf. Sie muss schon in frühen Jahren helfen die Familie zu ernähren, vergisst aber überdies trotzdem nicht, was es heißt Kind zu sein. Aufgrund der Armut ihrer Familie, beschließt ihr Vater sie mit dem ehrbaren Zimmermann Joseph (Oscar Isaac) zu verheiraten – ein Mann den sie kaum kennt und schon gar nicht liebt. In ihrer Verzweiflung begibt sie sich in einen alten Olivenhain. Dort erscheint ihr der Erzengel Gabriel (Alexander Siddig) und verkündet, dass sie von Gott auserwählt wurde, um dessen Sohn das Leben zu schenken – ein Kind das den Namen Jesus tragen und der Retter seines Volkes werden soll. Maria nimmt diese Botschaft überwältigt auf, weiß jedoch nicht wie sie es ihren Eltern oder Joseph erklären soll. Daher entschließt sie sich zu ihrer Cousine Elisabeth zu reisen. Dort angekommen erkennt sie, dass auch Elisabeth schwanger ist, und dass der Engel die Wahrheit gesprochen hat. Elisabeth ermutigt Maria und schenkt ihr all ihre Liebe. Maria wird schließlich Zeugin der Geburt von Elisabeths Sohn, den sie Johannes nennt. Danach reist Maria zurück nach Nazareth.
Zur gleichen Zeit machen die drei Weisen Kaspar (Stefan Kalipha), Melchior (Nadim Sawalha) und Balthasar (Eriq Ebouaney) aus Persien eine interessante Entdeckung: ein einmaliges astronomisches Ereignis steht bevor. Dieses bringen sie mit der Ankunft des Heilands in Verbindung, denn auch sie haben Kenntnis von der Prophezeiung. Sie beschließen sich auf den Weg ins ferne Judäa zu machen und dem Stern zu folgen.
Als Maria wieder nach Nazareth zurückkehrt bemerkt schnell das ganze Dorf ihre Schwangerschaft und wendet sich von ihr ab. Auch ihre Eltern und Joseph glauben ihr die Geschichte von dem Erzengel nicht. Erst als Gabriel auch Joseph in der darauf folgenden Nacht im Traum erscheint, erkennt dieser, dass Maria die Wahrheit gesprochen hat. Fortan hält Joseph zu seiner Braut und weicht ihr nicht mehr von der Seite. Dennoch werden sie von den anderen Dorfbewohnern verachtet.
Als für eine anstehende Volkszählung der Erlass von König Herodes ergeht, dass sich alle Männer in ihrem Geburtsort einfinden müssen, brechen Maria und Joseph auf eine lange beschwerliche Reise nach Bethlehem auf...

Kritik

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem angetrauten Weibe; die war schwanger.
Lukas Evangelium, Kapitel 1, Vers 2 bis 6.

"The Nativity Story" erzählt eine der wohl bekanntesten Geschichten der Menschheit, die Geschichte von Jesu Geburt, die Weihnachtsgeschichte. Sie berichtet von Grausamkeit und Unterdrückung, von Trauer und Leid, aber auch von Glück, Liebe und Hoffnung – Hoffnung auf ein besseres Leben, denn die Geburt des Messias steht kurz bevor, der Heiland der für die Sünden seines Volkes einstehen und es erretten soll.
Es ist aber auch die Geschichte der jungen heranwachsenden Maria, die gegen ihren Willen mit einem fremden Mann verheiratet werden soll, ein Mann den sie nicht liebt – so wie es zur damaligen Zeit üblich war. Ihre Verunsicherung wird noch zusätzlich verstärkt, als ihr der Erzengel Gabriel erscheint und verkündet, dass sie Gottes Kind empfangen wird. Wie fühlt sich wohl eine junge Frau, der solch eine Bürde auferlegt wird? Sie ist verängstigt und zieht sich zurück, denn niemand wird ihr Glauben schenken. Sie findet Trost bei Elisabeth, einer ihr nahe stehenden Verwandten, die ihr "Schicksal" teilt. Diese gibt ihr Mut, Kraft und Liebe für die Aufgaben, die Maria bevorstehen.
Doch wie fühlen sich wohl ihre Familie und ihr Ehemann, wenn sie von der Wahrheit erfahren? Sie glauben ihr nicht, sondern nehmen eher an, dass sie von einem anderen geschwängert wurde. Joseph ist gerade im Stande sich von ihr abzuwenden, als auch ihm im Traum der Erzengel erscheint und Marias Geschichte bestätigt. So bekennt sich Joseph zu seiner Frau und verteidigt sie allen Umständen zum Trotz – er hält fortan seine schützende Hand über sie und hält alles Unheil von ihr fern.
Es ist auch die Geschichte einer langen, anstrengenden, gefahrvollen Reise zweier junger Menschen, die dabei zueinander finden und sich allmählich näher kommen. Joseph ist bereit sich für seine Maria aufzuopfern, der größte Liebesbeweis den es gibt. Am Ende dieser Reise soll aber das schönste und zugleich denkwürdigste Ereignis stehen, dass die Menschheit bis dahin erlebte – die Geburt des Messias, Jesus Christus – empfangen durch den heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria. In einem kleinen Stall in Bethlehem kommt der König der Könige am 24. Dezember zur Welt.
Es ist auch die Geschichte von drei Weisen aus dem Morgenland, mit Namen Kaspar, Melchior und Balthasar. Diese Gelehrten ziehen aus um der Erfüllung einer alten Prophezeiung beizuwohnen. Sie folgen einem einzigartigen Himmelsgestirn bis ins ferne Judäa in die kleine Stadt Bethlehem, bis zu einem Stall, wo sie dem Erlöser huldigen und die berühmten Geschenke überreichen: Gold, Weihrauch und Myrre.
Es ist auch die Geschichte von Johannes dem Täufer, das Kind, dass von Elisabeth durch den heiligen Geist empfangen wird, nachdem ihr Mann Zacharias im heiligen Tempel von Jerusalem von Gott selbst diese Prophezeiung erhalten hat.
Und schließlich ist es auch die Geschichte von König Herodes, der Judäa regierte, jedoch dem römischen Kaiser Augustus Tribut schuldig war. Auch er weiß von einer alten Prophezeiung und fürchtet durch deren Erfüllung seinen Reichtum und seine Macht zu verlieren. Daher setzt er alles daran, den Heiland aufzuspüren und unschädlich zu machen.

All diese Geschichten stehen in der Bibel in zwei verschiedenen Evangelien, denen nach Matthäus und Lukas. "Es begab sich aber zu der Zeit…" verknüpft diese beiden verschiedenen Evangelien, die die Geschichte von den Geburten von Jesus und Johannes schildern, miteinander. Diese entstanden nach einhelliger Auffassung von Forschern etwa um 70 nach Christus. In diese Geschichten flossen jedoch auch kreative Auslegungen und Kommentierungen der Ereignisse ein, die auf den bekannten Fakten beruhen.
Drehbuchautor Mike Rich ließ sich, wie könnte es auch anders sein, während der Adventszeit zu seinem Script inspirieren. Er selbst sagt, dass er zwar wusste, wie die Reise nach Bethlehem schließlich endete, allerdings keine große Kenntnis von den Ereignissen hatte, die der Geburt voraus gingen. Schnell begann er mit seinen eigenen Recherchen und früh schon arbeitete er aber auch mit Experten verschiedener Fachrichtungen zusammen, um für sein Drehbuch größtmögliche Genauigkeit zu gewährleisten.

In Szene gesetzt wurde die Weihnachtsgeschichte durch Catherine Hardwicke. Sie schildert diese wundervolle und herzergreifende Geschichte in atemberaubenden Landschaftsbildern – sie selbst nennt den Film "ein intimes Epos". Für die Dreharbeiten legte sie besonders großen Wert auf die historische Authentizität des Looks und der Atmosphäre, die sie mit dem Film kreieren wollte. Hierzu reiste sie gemeinsam mit dem Produzenten Wyck Godfrey nach Israel um sich vor Ort Anregungen zu holen. Dreharbeiten an den Originalschauplätzen kamen aber nicht in Frage, denn Bethlehem ist mittlerweile eine moderne Stadt. Dennoch stießen sie bei ihren Recherchearbeiten auf eine nachgebaute Museumsstadt namens "Nazareth Village". Hier erhielten sie eine genaue Vorstellung wie es in einem Dorf um Christi Geburt ausgesehen haben muss und auch wie die Menschen damals ihr Handwerk ausübten. Drei Forscher dieses Projekts standen dem Filmteam auch während der Dreharbeiten als Berater zur Seite.
Die eigentlichen Dreharbeiten fanden in Matera, Italien und in Quarzazate, Marokko statt. Der Schauplatz in Italien bot den typischen mediterranen Flair, der auch schon für "Die Passion Christi" verwendet wurde. Quarzazate bietet hingegen eine atemberaubende Landschaft, die als Schauplatz für Marias und Josephs beschwerliche Reise diente – eine gelungene Mischung, die auch das Auge ins Schwärmen bringt.

Die Besetzungsliste wird von dem neuseeländischen Jungstar Keisha Castle-Hughes angeführt. Sie spielt die Rolle der Maria. Hughes versteht es perfekt alle Facetten dieser Figur umzusetzen: das unbekümmerte Mädchen, die Verantwortungsbewusste, die ihren Eltern bei der Versorgung behilflich ist, die Verängstigte und Überwältigte nach dem Erhalt der göttlichen Botschaft und auch die junge, starke Mutter von Gottes Sohn. Castle-Hughes stellte ihr schauspielerisches Talent schon sehr früh unter Beweis. Für den Film "Whale Rider" erhielt sie im Jahr 2004 als jüngste Darstellerin in der Geschichte der Academy Awards im Alter von gerade einmal 13 Jahren eine Nominierung für die begehrte kleine goldene Statue. Seitdem ist sie durch ihre Fähigkeit die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle auszudrücken zu einer der gefragtesten Jungdarstellerinnen Hollywoods avanciert.
Der Newcomer und Absolvent der berühmten New Yorker Juilliard School, Oscar Isaac, verkörpert Joseph, den guten starken Mann an Marias Seite. Auch ihm gelingt es sämtliche menschliche Gefühlsregungen glaubhaft darzustellen. Außerdem erlernte er für seine Rolle, wie ein Zimmermann zurzeit Jesu Geburt sein Handwerk vollbrachte. Isaac wird auch in Steven Soderberghs hoch gehandelter Verfilmung von Che Guevaras Leben zu sehen sein, genauer gesagt im zweiten Teil, "Guerilla".
In weiteren Rollen sind Alexander Siddig als Erzengel Gabriel, Ciarán Hinds als König Herodes, die für den Oscar nominierte Shohreh Aghdashloo ("House of Sand and Fog") als Elisabeth und Shaun Toub, bekannt aus "L.A. Crash", als Marias Vater Joachim zu sehen.

Abschließend noch einige Worte zum Soundtrack. Dieser stammt aus der Feder von Mychael Danna, der passend zum Film sehr eingängliche Klänge findet, die oftmals einen arabischen Einschlag aufweisen. Gegen Ende erklingt dann noch das klassische Weihnachtslied "Stille Nacht" und beschert einem eine wohlige Gänsehaut.

Fazit:
In "Es begab sich aber zu der Zeit…" wird die Weihnachtsgeschichte erstmals kinogerecht erzählt. Der Film lebt von seiner authentischen Atmosphäre, den schönen Landschaftsaufnahmen und den guten Darstellen. Welchen Stellenwert er inne hat beweist, dass er als erster Film überhaupt am 26. November 2006 im Vatikan Premiere feiern wird. Ein besinnlicher Film passend zur anstehenden Advents- und Weihnachtszeit.

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