Verfasst von André Gabriel am 14.05.07 21:17:57 - 7 Kommentare

Little Miss Sunshine

Moviereporter-Bewertung:
  • 5.0/6 Sterne.
Leserwertung (11): 4.27 / 6

Land USA

Genre Abenteuer, Drama, Komödie

Laufzeit: 99

Jahr 2006

Webseite
Trailer

Kinostart: 30.11.2006
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Inhalt

Ein Familienaufeinandertreffen der besonderen Art

In der Theorie hat Richard Hoover (Greg Kinnear) das Leben im Griff, in der Praxis aber besteht Handlungsbedarf. Weder seinen Kunden noch seiner Familie kann er sein Erfolgskonzept verkaufen. Sein Vater fliegt aus dem Seniorenheim, sein Sohn verweigert sich schweigend der Welt. Seine Frau Sheryl (Toni Collette) hat das Vertrauen in ihn verloren und sein Schwager fast sein Leben – nach einem Selbstmordversuch. Nur Olive (Abigail Breslin), die Jüngste, wirkt gefestigt und scheint den väterlichen Optimismus verinnerlicht zu haben. Die niedliche, etwas pummelige Siebenjährige ist fasziniert von Schönheitsköniginnen und will unbedingt an der Wahl zur „Little Miss Sunshine“ teilnehmen, in der alljährlich der junge Beautynachwuchs qualitätsüberprüft wird.

Als Olive tatsächlich eingeladen wird, bricht die ganze Familie im VW-Bus nach Kalifornien auf. Auf der Reise liegen bald die Nerven blank und kleinen Krisen folgen große Katastrophen. Doch trotz aller Komplikationen wächst der chaotische Clan zusammen und beweist mit seinem kleinen Sonnenschein, wie echte Gewinner aussehen.

Kritik

Es sind immer wieder diese Independent-Projekte, die vermeintlich kleinen filmischen Beiträge, die dann wahrlich entzücken, richtig ans Herz gehen oder irgendetwas wach rütteln, greifen und durchwühlen. Spontan erinnere ich mich an den großen Indie-Erfolg Transamerica, nicht des Inhalts wegen (wobei man auf Grundlage des Roadmovie-Prinzips schon beide Filme miteinander vergleichen kann), sondern aufgrund der Wirkung.

Little Miss Sunshine startet praktisch mit der Vorstellung der Figuren, allen voran das junge Mädchen Olive, erstaunlich in Szene gesetzt von einer schauspielerisch frühreifen Abigail Breslin, aber dazu später mehr. Um den inhaltlichen Bezug herzustellen wird uns Zuschauer ein populärer Miss-Wettbewerb gezeigt, den die Hauptdarstellerin im Fernsehen verfolgt. Und wir denken uns insgeheim, erst recht, als sich die Familie dann auf den Weg zum Little-Miss-Wettbewerb macht: kann diese zwar über alle Maße niedliche, aber, gemessen an gesellschaftlich vorherrschenden Standards zur Beurteilung von potenziellen "Misses", weniger bereicherte Olive einen solchen Wettbewerb gewinnen?
Die Charaktere könnten nicht unterschiedlicher sein: ihre Mutter erscheint dabei noch als "normalste" Person, was lediglich auf bestimmte herausstechende Merkmale bezogen ist, die man bei allen anderen ohne lange Suche findet. Olive's Vater spricht immerzu von Siegern und Verlierern, ein Prinzip, das er auch in einem "Stufen-Modell" fest gehalten hat, welches er nun an den Mann, genauer auf den Markt bringen will. Sein Vater wiederum scheint in der Vergangenheit fest zu sitzen, in einem Leben, das er mal geführt hat und von dem er nicht los kommt... Drogen, Frauen... "du musst viele Frauen f....." ist sein Rat an den Enkelsohn, jede Menge verbale Ausbrüche in Form von wilden Fluchereien, viele Ratschläge und eine ordentliche Portion Emotionalität und Mitmenschlichkeit, wenn es die Situation erwartet. Vielleicht der interessanteste Charakter, gerade, weil der Großvater auch diese zuletzt erwähnte andere, wärmere Seite hat. Der Sohn, also Olive's Bruder, ist ein -es erweckt zumindest den Eindruck- Außenseiter, der anspruchsvolle Literatur genießt, aber auch versucht, seinen jugendlichen Körper mit Hilfe von banalen Fitnessmethoden zu stählern. Er hat einen Traum: Pilot werden. Und er hat es sich zur Aufgabe gesetzt, kein Wort mehr zu sprechen, eine Art Rebellion... und gegen wen? Geht es nach ihm, dann gegen seine Familie, die er nach eigenen Angaben "hasst", aber das erscheint zu einfach. Der Bruder der Mutter, ein Universitäts-Dozent, schwul, schwer verliebt in einen seiner Studenten, was letztlich nicht nur zum Sturz seiner Karriere, sondern auch fast zum Lebens-Absturz führt. Nach einem missglückten Selbstmordversuch nimmt ihn seine Familie zunächst bei sich auf und natürlich ist auch er, der Inbegriff dessen, was der Familienvater Richard als "Verlierer" bezeichnet, ein Mitglied der Gemeinschaft, die sich dann, im Hauptteil des Films, auf den Weg zum Little Miss Sunshine-Wettbewerb macht.

Zunächst ist Little Miss Sunshine eine grandios funktionierende Komödie, in der sich die Lacher gegenseitig nur so jagen. Heißt, der Film macht, eben nach der erforderlichen Vorstellung der Figuren, rundum Spaß. Das ist die eine Seite und allein diese hätte ausgereicht, um Little Miss Sunshine im Wettbewerb um die beste Komödie gute Chancen auf den Sieg einzuräumen.
Der Film hat aber auch Herz. Und Tiefgang. Jene Aspekte, die dem Film auch das Teilgenre Drama zuordnen. So entsteht eine ausgereifte Mischung, die Little Miss Sunshine nur allzu recht auf den hohen Oscar-Thron und in die Kategorie "Bester Film" gehievt hat. Schade, dass es nicht auch zur Auszeichnung kam, der Film hätte es, gerade in Anbetracht der eher schwachen Konkurrenz, durchaus verdient.

Ich habe den Film damals im Kino gesehen und habe den Kinosaal mit einem breiten Lächeln verlassen. Zum einen, weil der Film nicht nur gut, sondern herausragend war, immer ein Grund, das Kino lächelnd (breit lächelnd) zu verlassen. Aber auch, weil ich so begeistert war von Abigail Breslin. Für mich die Kinderdarstellerin schlechthin, die allein mit der Darbietung der Olive Kinder-Stars wie Dakota Fanning überholen konnte und nun einen meilenweiten Vorsprung hat. Schon damals hatte ich gehofft, dass diese Leistung auch von der Academy anerkannt wird und tatsächlich erhielt Abigail Breslin die überaus verdiente Nominierung zum Oscar, den sie zwar nicht gewonnen hat, aber -gerade in diesem Alter- trifft die Floskel dabei sein ist alles, denke ich, absolut zu.
Toni Collette kennen wir aus In den Schuhen meiner Schwester, in dem sie an der Seite von Cameron Diaz eine sehr gute Figur gemacht hat. Auch in Little Miss Sunshine kann sie diese Leistung nur bestätigen. Sie passt gut in die Rolle der verzweifelten Ehefrau, die zwar noch hinter ihrem Mann steht, aber der Zuschauer merkt, dass die Grenze zur Explosion nur noch hauchdünn ist.
Alle anderen Darsteller (Vater, Großvater, Enkel und Onkel) machen ihre Sache gut bis richtig gut. Man hat Darsteller gefunden, die ohne Ausnahme in die Rollen passen, die sie spielen sollen und allein das ist als Erfolg zu werten. Wenn dieses Spielen dann, ebenfalls ohne Ausnahme, gut gelingt, dann ist zumindest schon gewährleistet, dass die Cast-Zuschauer-Beziehung funktioniert.

Fazit: für mich persönlich gehört Little Miss Sunshine zu den zehn besten Filmen des letzten Jahres. Ein Film, den man auch gerne mehrfach sieht, der zu keinem Zeitpunkt von Längen oder gar Langeweile geprägt wird und nicht nur unterhaltsam, sondern auch aussagekräftig ist. Ist es wirklich der Gewinn des Wettbewerbs, der am Ende als großes Ziel vor Augen liegt? Oder geht es um einen ganz anderen Gewinn?

Jetzt kommentieren? / 7 Kommentare

  1. Veremar

    Veremar / 09.12.2007 15:49:37

    Gute Schauspieler und gute Story mit Message. Sehenswert!


    5 Sternen

  2. Kaspian

    Kaspian / 27.12.2007 00:09:14

    Schauspieler passten wirklich alle Super zusammen. Einer der besseren Filme des letzten Jahres.


    nicht bewertet

  3. Veremar

    Veremar / 23.01.2008 14:19:50

    Auch dieser schwarze Humor und Zynismus... einfach genial...
    Anschauen!


    5 Sternen

  4. siBBe

    siBBe / 24.01.2008 00:50:31

    Seh ich auch so, einer der besten Filme 2006.


    5 Sternen

  5. Nightwalker

    Nightwalker / 03.05.2008 13:20:31

    Fehlkauf, leider. Kaum Witz. Nicht so gute Story [Alltagsleben halt, und das nicht überragend mit witz oder Gefühl]

    70 min langeweile. Naja langeweile? halt nichts besonderes...der opa ist witzig...

    Das Ende ist aber übelst geil, rettet den Film wirklich, aber vorher ,naja

    5/10

    außerdem bin ich beim ersten mal anschauen eingeschlafen...


    2 Sternen

  6. siBBe

    siBBe / 03.05.2008 15:43:48

    wow wie meinungen auseinander gehen können, ich fand diesen film genial und auf jeden fall besonders :)


    5 Sternen

  7. Nightwalker

    Nightwalker / 03.05.2008 22:38:32

    deswegen hab ich den Film auch gekauft, soviele postive stimmen. und für 5 € kann man nie viel falsch machen...also...


    2 Sternen


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