True Romance
Inhalt
Glauben sie an Liebe auf den ersten Blick, daran, dass sich alles ändern kann, wenn man jemanden wirklich liebt, dass man alles ändern möchte?Sie müssen Quentin Tarantino kennen, ich habe es schon einmal gesagt und werde es immer wieder proklamieren - niemand, der gerne Filme schaut, und tun wir das nicht alle, kommt an Tarantino vorbei, einem der stilsichersten Filmemacher aller Zeiten. Und wer noch nichts über ihn weiß, sich aber überzeugen lassen möchte, der solle doch bitte in erster Linie mindestens einen Film schauen, an dem Tarantino beteiligt war, und unter den Specials schauen.
Clarence (Slater) verbringt seinen Geburtstag jedes Jahr auf dieselbe einsame Art und Weise. Er setzt sich ins Kino, Popcorn und Cola nebenan, und schaut sich Filme an, diesmal ist es ein Kung Fu-Special... drei Streifen hintereinander - genug Zeit, um darüber nachzudenken, warum jeder Gebrutstag so verdammt trostlos ist... und natürlich auch genug Zeit, um Spaß zu haben, denn immer wieder werden uns einzelne Szenen der Filme präsentiert, die in dem Geburtstagskino laufen. Und wir erkennen sofort, dass Quentin Tarantino das Script geschrieben hat; er, der so ein großer Fan von Martial Arts-Filmen ist und sich die Streifen schon als Kind in dem Viertel Torrance, in seiner Heimat, angesehen hat. Ja, es stimmt, Tarantino ist verantwortlich für die writing credits von True Romance, was den allgemeinen Charme des Films mal wieder deutlich auszeichnet.
Den Durchbruch konnte Tarantino, der die Filmleidenschaft einfach im Blut trägt, im Jahr 1992 mit dem Gangsterfilm Reservoir Dogs feiern und nur zwei Jahre später gelang ihm der absolute Hit - 1994 präsentierte er den Kultfilm schlechthin: Pulp Fiction. Doch was geschah in der Zwischenzeit? War Tarantino in den eben genannten Filmen als Regisseur und Autor (in Reservoir Dogs auch als Darsteller) tätig, so entstanden auch Filme, zu denen er "nur" das Drehbuch verfasst hat - einer dieser Filme erhielt schließlich den Titel True Romance, entstand in der Zeit zwischen Reservoir Dogs und Pulp Fiction und wurde zu einer der brillantesten Gangster-Road-Movie-Storys aller Zeiten - "Ich wollt schon immer mal wissen wie das Fernsehen woanders ist".
Clarence feiert also seinen Geburtstag im Kino, als eine junge, blonde Frau den Saal betritt, sich förmlich nach ihm umschaut und schließlich ihr gesamtes Popcorn über seinem Kopf verteilt; versehentlich natürlich, so scheint es zumindest. Die beiden kommen ins Gespräch, denn Alabama (Arquette) möchte die verpassten Minuten des Films von ihm erzählt bekommen; eine kluge Masche, wie sich herausstellt, denn Clarence geht sofort darauf ein. Erst einige Stunden später, auf dem Dach über seiner Wohnung und nach einer gemeinsamen Nacht, verrät Alabama ihm ein Geheimnis, zu dessen Inhalt auch gehört, dass sie ein Callgirl ist. "Eine Hure?", fragt er, doch sie besteht darauf, dass es da einen Unterschied gibt... doch diese Dialoge sind längst zur Nebensache geworden; wir spüren, dass etwas zwischen dem jungen Paar im Gang ist und erfahren denn auch um was es sich handelt - Liebe auf den ersten Blick... True Romance.
Der Film ist voll von bekannten Namen. Angefangen mit dem Regisseur Tony Scott (Man On Fire, Domino), bis hin zu dem unbeschreiblichen Cast. Und an dieser Stelle eine Bitte: blicken sie einmel nach oben, nein, ncht zur Decke, nur ein wenig den Monitor hinauf und... genau, jetzt haben sie es - der pure Genuss, nicht wahr? Ein sagenhafter Cast für einen Film, der bekannter sein sollte, als er in Wirklichkeit ist. Allein die Tatsache, dass so hochkarätige Darsteller wie Samuel L. Jackson, der allerdings in fast jedem Tarantino-Movie zu finden ist (auch in winzigen Nebenrollen; siehe Kill Bill - Volume two), und Brad Pitt nur in kleinen Rollen auf tauchen (Jackson stirbt auch noch relativ schnell), sagt doch schon alles. Hinzu kommen die überragend agierenden Patricia Arquette und Christian Slater, die dem Film, der Romanze die nahezu perfekte Würze verleihen; die beiden passen einfach ideal in die Rollen von Alabama und Clarence.
Auch Christopher Walken als Mafiose, wenn auch ebenfalls nur kurz, ist eine visuelle Wohltat.
Alabama möchte den Job als Callgirl an den Nagel hängen, denn wenn sie einen Menschen wirklich liebt, sagt sie uns, ist sie diesem auch vollends treu. Allerdings steht dem neuen Glück ein Problem im gemeinsamen Weg. Alabama hat noch einen Koffer voller persönlicher Sachen bei ihrem Zuhälter Drexl Spivey (Oldman), ihrem ehemaligen Zuhälter versteht sich, woraufhin sich Clarence auf den Weg macht... und die Action kann beginnen. An dieser Stelle ein Wort zum FSK. Mal wieder keine Altersfreigabe, in Ordnung, der Film ist hart, ja, aber nun habe ich mal wieder von einer gekürzten Fassung gehört, die einfach zum Abgewöhnen sein soll. Also, Finger weg vom FSK 16 und händeringend nach dem Director`s Cut verlangen, dann kann eigentlich nichts schief gehen.
Natürlich verläuft der Besuch von Clarence nicht reibungslos, es gibt, sagen wir, gewisse Komplikationen während der Begegnung mit dem von Alabama als äußerst gefährlich eingeschätzten Zuhälter - in wenigen Worten: eine Schießerei, ein falscher Koffer und jede Menge Kokain - so kehrt Clarence zurück und liefert in Alabamas Augen den Liebesbeweis schlechthin.
Immer wieder hat Clarence Begegnungen mit Elvis (Kilmer), ja, dem Elvis, seinem Idol, den uns Scott nie so richtig zeigen möchte; logisch, allein die Tatsache, dass Elvis längst tot ist, wäre ausschlaggebnd dafür, doch es scheint noch etwas anderes in dieser geisterhaften Figur symbolisiert zu werden - möglicherweise die Sehnsucht eines Sohnes nach seinem Vater? Aber nur möglicherweise. Update: gerade habe ich erfahren, dass sich Regisseur Scott und Darsteller Kilmer so sehr verstritten haben, dass sie die Szenen mit ihm einfach rausgenommen haben, in denen man ihn richtig sieht.
Kurz um - das Paar fährt nach Hollywood, denn dort wohnt ein alter Kumpel von Clarence und angehender Schauspieler, Dick Ritchie (Rapaport), der mit seinem dauerzugedröhnten Mitbewohner (Pitt) unter einem Dach haust. Los Angeles und seine superreichen Filmproduzenten - dort muss sich doch jemand finden, der das Kokain für 200000 Dollar statt den geschätzten 500000 Dollar kaufen wird. So sieht ihr Plan aus und so soll es geschehen; in ewigem Zusammenhalt - True Romance eben.
Noch eines: die Musik stammt von Hans Zimmer, dem Filmmusikkomponisten schlechthin, der seine Arbeit in True Romance zwar wirklich gut, aber nicht herausragend macht.


