The Libertine
Inhalt
Jonny Depp brilliert im Historiendrama als Anti-Held John Wilmot, dem zweiten Earl of Rochester.Erinnert sich noch jemand an Georg Clooney im Krankenhausdress à la "Emergency Room“? Nein? Dann wird wohl erst recht die Erinnerung an Johnny Depp als blutjungen Polizisten aus "21 Jump Street“ sehr verblasst sein. Bei beiden, heute in Hollywood etablierten, Stars hätte man während ihrer Serienzeit kaum vermutet, dass sie sich einmal in eine ganz andere Richtung entwickeln würden. Clooney ist mittlerweile mit seinen Filmen erfolgreich politisch ambitioniert, während Depp sich mit Hilfe von u.a. Polanski und Burton vom "ach-ist-der-süß"-Image verabschieden konnte.
Kritik
John Wilmot, seines Zeichens immer auf Pump lebender Lord Rochester, wurde wegen seines unstatthaften Verhaltens bei Hofe von König Charles II. (John Malkovich) in die Verbannung geschickt. Doch statt ihn dort wie geplant ein Jahr ohne die schillernde Gesellschaft schmoren zu lassen, erweist der Monarch John bereits nach 3 Monaten Gnade und beruft zurück. Jedoch nicht ohne Hintergedanken: Charles bittet John um ein herausragendes Bühnenstück, das bei dem Antrittsbesuch des neuen französischen Botschafters uraufgeführt werden soll. Man will den Franzosen schließlich zeigen, dass die englische Bühne mehr als die französische zu bieten hat.Doch das Bühnenwerk auf Kommando ist nur ein Problem auf einer langen Liste von Lord Rochester. Zum einen wäre da noch seine Gattin (Rosamund Pike), die ihm wie eine Last erscheint und nur ihrer Mitgift wegen einigermaßen bei Laune gehalten werden muss. Zum anderen lässt sich "Johnny" auf eine törichte Wette mit einem Freund ein: Er behauptet, er könne eine junge aber erfolglose Bühnendebütantin in eine begehrte Schauspielerin verwandeln. Doch Elizabeth (Samantha Morton) erweist sich als Frau mit eigenem Willen und für John ungewohnter Weise sogar mit Selbstbewusstsein und Köpfchen; sie denkt gar nicht daran, bei John’s Plan mitzuspielen.
Also kommt es wie es kommen muss: Das Theaterstück gerät zur pornographischen Parodie auf den König, der daraufhin "not amused" ist, das brave Eheweib sagt nicht mehr zu allem ja und amen und als Krone obenauf muss sich Rochester eingestehen, sich ernsthaft in seinen Bühnenschützling verliebt zu haben.
Der Film beginnt mit einem Monolog von Lord Rochester, indem er uns so einiges über sich anvertraut. Er warnt den Zuschauer, man werde ihn nicht mögen. Er berichtet detailliert warum dem so ist. Dieser Prolog wird sicherlich vielen in Erinnerung bleiben.
John Wilmot ist ein Scheusal, wie es im Buche steht: Er verachtet seine Frau, straft sogar seine wenigen Freunde mit Geringschätzung, übernimmt Lizzys Bühnenausbildung einer Wette wegen und seine einzige gute Tat begeht er offenkundlich nur um sich selbst Bestätigung für sein Ego zu verschaffen.
Warum sollte sich also der geneigte Kinogänger den Film trotzdem ansehen? Ein guter Grund wäre die liebevolle Ausstattung und Recherche. Stephen Jeffreys, der nicht nur das Theaterstück, sondern auch das darauf basierende Drehbuch lieferte, kann sich auf historisch belegte Quellen berufen. Alle Figuren und zitierten Auszüge von Rochesters Schaffen hat es wirklich gegeben. Sogar Voltaire soll Wilmot für seine verwegenen Wortspiele bewundert haben. Selten wurde das London der 1660er Jahre so schmutzig (eindeutig zweideutig) und roh-realistisch auf Leinwand gebannt. Die eingefangene Atmosphäre in den Theatern, Schenken und Bordellen ist schlicht "splendid".
Ein weiterer Grund, weshalb sich vielleicht auch Regisseur Laurence Dunmore ausgerechnet The Libertine als Debüt ausgesucht hat, ist das hervorragende Potential zu einer außergewöhnlichen Charakterstudie, was Dunmore auch vollends ausgeschöpft hat. Johnny Depp wurde bereits zwei Mal für den Oscar nominiert und jedes Mal hatte er das Nachsehen. Dieses Jahr könnte sich das Blatt wenden. Depp gibt als zweiter Earl of Rochester wirklich die beste Vorstellung seiner bisherigen Karriere. Es ist schwer zu sagen, ob ein anderer Schauspieler den Zwiespalt von frivol-obszöner Süffisanz, die streckenweise ein wenig an Capt. Sparrow aus Fluch der Karibik erinnert, und innerer Leere, ähnlich gut hätte wieder geben können.
Fazit: The Libertine wird bei allen Stärken wohl trotzdem kein Mainstream-Film werden. Dafür ist der Film einfach in einer zu vulgären Sprache gehalten, weshalb er im Produktionsland England zu Recht erst ab 18 frei gegeben wurde. Es spritzt zwar kein Blut, aber eher introvertierten Naturen dürfte bereits der Prolog die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen. Wer sich jedoch auf diese Art Humor einlassen kann, wird mit herrlich spitzen Wortspielen belohnt. Ein kleiner Wermutstropfen des Werkes ist, dass der Film plötzlich mittendrin ein wenig an Schwung verliert und die Komödie in eine Tragödie übergeht, was nicht jedermanns Geschmack sein dürfte.
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Regisseur
Schauspieler
Johnny Depp, Samantha Morton, John Malkovich, Paul Ritter, Stanley Townsend, Francesca Annis, Rosamund Pike, Tom Hollander, Johnny Vegas, Richard Coyle, Hugh Sachs, Tom Burke, Morgan Walters


